Preisgekrönte Arbeiten

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Über 150.700 Schülerinnen und Schüler haben sich seit 1973 mit rund 34.800 Projekten beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten beteiligt. In unserer Online-Datenbank können Sie über 5.200 preisgekrönte Wettbewerbsarbeiten recherchieren, die im Archiv der Körber-Stiftung für Forschungszwecke bereitgehalten werden

Das Thema der Arbeit ist die am Heimatort des Verf. den Pferden entgegengebracht hohe Wertschätzung, wie sie in dem tradierten Sinnspruch der Titelzeile zum Ausdruck kommt. Der Verf. zeichnet das Bild einer kleinen dörflichen Gemeinde, in der das Pferd Gradmesser für Wohlstand, Ansehen und Fleiß war sowie die soziale Stellung des Bauern ausdrückte. Der Autor ist motiviert durch das Ansinnen, der Bedrohung der historischen Identität von Dörfern durch den ländlichen Strukturwandel und die Verwaltungsreform entgegenzuwirken. Er gibt - auf Basis von sechs Zeitzeugeninterviews bzw. Zeitzeugengesprächen - der heimatgeschichtlichen Literatur und gezielt ausgewählter Sekundärliteratur eine abgerundete Darstellung der wirtschaftlichen, sozialen und z.T. emotionalen Bedeutung, die Pferde in seinem Dorf hatten. Der Untersuchungszeitraum ergibt sich aus der Erinnerungsreichweite seiner Gesprächspartner (Jahrgang 1923 bis 1937). Am Beginn der Darstellung steht die Einordnung des Sinnspruchs, der zunächst einmal die Furcht vor dem Verlust des Pferdes ausdrückt. Der Verf. zeigt hier aber auch auf, dass sich die Mensch-Pferd-Beziehung eben auch in der besonderen, an die Leistungskraft des Pferdes gebundenen Wertschätzung ausdrückte. Im historischen Untersuchungsteil geht es um die "Gründe für die Haltung von Pferden", den Pferdebestand in Mündling, "Das Pferd - ein Arbeitstier", die "Versorgung und Pflege der Pferde" und um "Pferdezucht und -handel". Das Abschlusskapitel des Hauptteils, dessen Überschrift "Die Achtung des Pferdes und der Frau" zunächst Befremden auslöst, stellt schließlich die gelungene Abrundung der gewonnenen Ergebnisse dar. Der materielle Verlust, der mit dem Tod eines Pferdes einherging, war entschieden größer als der Verlust einer Ehefrau, so die pointierte These. Die Zusammenfassung ("Der Wert des Pferdes", S. 43 f.) der stringent gegliederten, klar formulierten und sehr anschaulich bebilderten Darstellung bringt die Beziehung zwischen landwirtschaftlicher Besitzgröße und Pferdehaltung und den Wert des Pferdes im Wandel der Jahrzehnte hervor: Früher drehte sich im Dorf sehr viel um den Besitz oder eben Nichtbesitz eines Pferdes. Der Beitrag lebt von der gelungenen Integration von Zeitzeugenerzählungen in das Bild- und Archivmaterial, z.B. über Viehzählungen, Marktpreise und Betriebsgrößen.

In ihrem Beitrag gehen die Verf. der Geschichte der Rockerbewegung in Hamburg nach. Dabei interessieren sie sich besonders für den Aspekt des Generationenkonflikts in der neuen Bewegung der 1960er Jahre und ordnen deren Entstehung in den politischen und sozialen Kontext der Zeit ein. Die Verf. stützen sich auf Zeitzeugeninterviews, Zeitungsartikel, Dokumente und Bildmaterial aus privatem Besitz sowie auf Sekundärliteratur. Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Frage, inwiefern es sich bei den Hamburger 'Rockern' um eine Jugendbewegung handelte und welche Generationenkonflikte dabei auftraten. Dazu fragen die Verf. unter anderem nach den Reaktionen des bürgerlichen Milieus auf die Rocker und nach der Rolle der Frauen in der Bewegung. Abschließend wird die Geschichte eines Zeitzeugen aus der kirchlichen Sozialarbeit dargestellt, der als Erster die Jugendarbeit mit den sogenannten Rockern aufnahm und damit als 'Rockerpastor' in die Hamburger Geschichte einging. Abschließend thematisieren die Verf. ihre Erkenntnisse in Bezug auf Jugendbewegungen in der Gegenwart.

Die Verfasser schildern die Geschichte des Hauses. Erbaut von einem wohlhabenden adeligen Bauherrn um 1860 im Stil eines französischen Landhauses, wurde es nach dem ersten Verkauf 1917 zum Weingut umgestaltet, von 1946 bis 1956 als Wohnhaus für Professoren der Mainzer Universität genutzt und seit 1956 zum privaten Wohnhaus umgestaltet. Die Schülerinnen untersuchen die der jeweiligen Funktion des Hauses entsprechenden baulichen Veränderungen.

1983 bis 1986 plante die städtische Verwaltung einen Erweiterungsbau des Gymnasiums Lünen. Dabei wurden die demokratischen Mitbestimmungsmöglichkeiten missachtet. Erst der vehemente Widerstand durch Lehrer- und Schülerschaft brachte den Fall in den parteipolitischen Raum. Die Schülerin Shariga Sivanathan hat dieses Kapitel ihrer Schulgeschichte erforscht. In ihren Augen war die öffentliche Auseinandersetzung um den Erweiterungsbau notwendig, um Publizität und Transparenz herzustellen und eine Debatte über das eigensinnige Vorgehen der Planungsbehörde anzuregen.

Als am 26. November 1987 zahlreiche Krupp-Arbeiterinnen und –Arbeiter gegen die Schließung ihres Stahlwerkes in Duisburg-Rheinhausen infolge der Stahlkrise demonstrieren, beginnt der längste Arbeitskampf in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Gelenkt von der Frage, wie die Stahlkrise entstand und welche Konsequenzen sie für die Betroffenen mit sich brachte, inszenierte Sophie Heuschkel ein Theaterstück. Hierin reisen fünf Schülerinnen und Schüler über ein Zeitportal in die Vergangenheit und erleben den Arbeitskampf 1987/88 um die Erhaltung des Hüttenwerkes Rheinhausen mit. Ihre Zeitreise reicht dabei von der Verkündung der Schließung über die Belegschaftsversammlung und die Sorgen der Arbeiterinnen und Arbeiter bis zur Tagung des Aufsichtsrates. Die Achtklässlerin führte für ihren Beitrag ein Zeitzeugeninterview und wertete Quellen aus dem Krupp-Archiv sowie dem Stadtarchiv Duisburg aus.

Die Arbeit untersucht die Geschichte der Fischereibruderschaft Bergheim (seit dem 10. Jh.), beschreibt Fanggeräte und Arbeitsmethoden beim Flußfischen. Weitere Themen sind der Fährbetrieb und die Flößerei.

Mit dem Schicksal von Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkriegs beschäftigen sich Aila Christ und Silvia Prosser. Die Schülerinnen blicken in vergleichender Perspektive auf den Umgang mit sowjetischen und französischen Gefangenen in Deutschland und deutschen Kriegsgefangenen in der Sowjetunion und in Frankreich. Vor dem Hintergrund der Frage, inwiefern die Kriegsgefangenen als Außenseiter zu bezeichnen sind, gewannen sie die Erkenntnis, dass die Gefangenen nicht nur während ihrer Haft außerhalb der Gesellschaft standen. Auch nach ihrer Rückkehr hatten sie, angesichts traumatischer Erfahrungen, Schwierigkeiten, im zivilen Leben Fuß zu fassen. Die Schülerinnen interviewten Angehörige und Bekannte von Kriegsgefangenen in Idstein und Limburg und bezogen Textquellen und Fachliteratur in den Beitrag ein.

u.a.: Gründung der SPD in Seelze.

Nach Einsicht in Entnazifizierungsakten des Stadtarchivs Paderborn sowie des Staatsarchivs Detmold kommt der Autor zu dem Ergebnis, daß die Entnazifizierung der Stadtverwaltung, die Beschlagnahme von NSDAP-Bankvermögen wie ganz allgemein die Arbeit der Entnazifizierungsausschüsse in Paderborn ineffektiv und nicht erfolgreich verlaufen ist. Der Versuch, über die Entnazifizierung in einzelnen Betrieben etwas zu erfahren, verlief ergebnislos.

Die seit 1990 befreundeten Autorinnen stellen ihre eigenen Biographien in Ost und West ins Zentrum ihrer Arbeit. Einleitend deuten sie über Ausschnitte und Erinnerungen an politische Umzüge in der DDR allgemein die Zeit der Teilung und Vereinigung an. Danach beschreibt jede der Verf. einzelne ihrer Lebensstationen und prägende Eindrücke von der Geburt 1975 über die Schulzeit bis in die Gegenwart. Bei der Westdeutschen stehen hier kirchliches und politisches Engagement (CDU; Jugendcamp), bei der Ostdeutschen das Eingebundensein in sozialistische Jugendorganisationen im Vordergrund. Im folgenden schildern dann beide ihr Kennenlernen im Rahmen eines Schüleraustausches im Frühjahr 1990 und erste gegenseitige Besuche. Daneben gehen sie auf den Hintergrund des Austausches - die Städtepartnerschaft Bottrop-Merseburg - ein und informieren über ihre beiden Heimatorte (Bottrop-Kirchhellen; Merseburg). Zum Schluß geben sie Interviews mit Menschen aus ihrer jeweiligen Umgebung wieder. In ihnen geht es um deutsch-deutsche Verwandtschaftsbeziehungen, den Austausch von 1990 sowie um Meinungen zur Wende und Vereinigung. In einem abschließenden Kommentar spricht die Merseburgerin ihre Angst in der Wendezeit, ihr Integriertsein in den "sozialistischen Trott" vorher und Veränderungen seit 1989 an. Die Kirchhellenerin bewertet die eigene Biographie als deutlich vom BRD-System geprägt. Von der DDR hätte man ihrer Ansicht nach mehr übernehmen sollen (z. B. Krippen). Allgemein sieht sie die Gefahr, daß die Vereinigung andere global wichtige Themen in den Hintergrund drängt. Der Beitrag stützt sich v. a. auf eigene Erinnerungen, auf Material aus Privatbesitz sowie auf insgesamt neun Interviews. Die Gestaltung des Einbands als Paket unterstreicht die Dimension des gegenseitigen Ost-West-Austausches.

u.a.: Die Rolle des Gustav Esterle bei den Ereignissen in Stuttgart.

Die Verfasser schildern die Geschichte der Wasenmeierei (Abdeckerei) in Mainz-Bretzenheim von ihrer Gründung 1890 bis zur Schließung 1938. Anhand von Archivmaterial der Stadt Mainz zeichnen die Schüler die Planung, Pachtvertragsverhandlungen. Vorschriften und Verordnungen der Stadt und mehrere Beschwerden nach. Aufgrund der ungünstigen Lage und der damals noch unzureichenden Technik ist das Grundwasser des Geländes sowie ein kleiner Bach in der Nähe noch heute mit den Abfallstoffen der Wasenmeierei belastet.

In ihrem Beitrag präsentieren die fünf Schülerinnen, ausgehend von ihren anfänglichen Vorstellungen, die Nachbarschaft in der DDR und entwickeln diese weiter. Dafür recherchierte die Gruppe Fachliteratur und führte ein Zeitzeugengespräch. Dabei arbeiteten sie das Spannungsverhältnis zwischen latentem Misstrauen und gegenseitiger Hilfe als kennzeichnend für die Nachbarschaft in der DDR heraus. Nachgestellte Szenen, Fotografien und Wortbeiträge der Teilnehmerinnen werden zu einem anschaulichen Film verknüpft.

u.a.: Ausgangslage und Ziele der einzelnen Bevölkerungsschichten in der Revolution. Auswirkung der zunehmenden Industrialisierung.

Die Schülerinnen und Schüler aus Erlangen spürten dem Leben des Oberstleutnants Werner Lorleberg nach, der die Stadt Erlangen am 16. April 1945 kampflos den amerikanischen Truppen übergab und so vor der Zerstörung rettete. Sein eigener Tod am Tage der Kapitulation ist bis heute ungeklärt, was die Schüler zu der Frage führte, ob Lorleberg von den Nationalsozialisten ermordet wurde. Im Anschluss an ihre Wettbewerbsarbeit konzipierten die Schüler eine eigene Ausstellung zu Lorleberg.

1946 kamen 156 Fremde (Evakuierte, Flüchtlinge, Vertriebene) auf circa 161 Einheimische des "typisch niedersächsischen Haufendorfes" im Landkreis Bremervörde. Diese Enge brachte nach Meinung der Verf. nicht nur manche Reibungen im Zusammenleben mit sich, sondern auch "fast schon einen Zwang zum Zusammenleben". Da es keine Lager oder Barackensiedlungen gab, waren die Flüchtlinge und Vertriebenen in der Regel bei den Bauern des Dorfes untergebracht, zum Teil unter extrem harten Bedingungen (im Schweinestall, neben der Jauchegrube, Wasser aus einem Ziehbrunnen, sechs Personen auf 24 qm usw.). Durch die permanenten und intensiven persönlichen Begegnungen bei der Arbeit, aber auch bei Feiern und Festen, wurden manche Vorurteile gegenüber den Fremden abgebaut und Verständnis bzw. Rücksichtnahme geschaffen. Die Verf. entwickeln für ihre Recherchen zunächst einen (im Anhang zur Arbeit dokumentierten) Fragebogen, den sie Haus für Haus in ihrem Dorf verteilen; später laden sie ältere Einwohner ins Dorfgemeinschaftshaus ein. Die Erinnerungen dieser Zeitzeugen ergeben ein facettenreiches Bild über die Herkunft der Flüchtlinge, ihre Wege nach Sassenholz, ihre Ankunft, ihre Berufe, Unterkunft, Versorgung, Arbeit, das Gemeinschaftsleben im Dorf und die Schulsituation.

Die Verf. untersucht chronologisch die Entwicklung von zwei Textilbetrieben im Kreis Viersen seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt stehen die Veränderungen der Arbeitsbedingungen und deren Auswirkungen auf das Leben der Menschen. Die Verf. stützten sich vor allem auf zeitgenössische Zeitungsartikel und einige werks- und lokalgeschichtliche Veröffentlichungen.

Der Verfasser stellt zunächst seine Gemeinde in Topographie und Zahlen vor und charakterisiert die verschiedenen Heckenformen: ebenerdige Feldhecken - zumeist Weißdorn -, Wallhecken und die nach ihrem Schöpfer benannten Benjes-Hecken. Mit Hilfe von anschaulichen Kartenvergleichen (Overlay-Folie über Karten) zwischen topographischen Blättern aus den Jahren 1773, 1897/98, 1981 und 1989, ergänzt um eigene Erkundungsfahrten mit dem Fahrrad, Auswertungen von Luftaufnahmen, Fotos, Befragungen und Archivalien rekonstruiert Detlef Plate Veränderungen (also vor allem Verminderungen) des Heckenbestandes am Ort und in der Umgebung. Neben der primär ökologischen Bedeutung der Hecken z. B. für Vögel, Kleintiere und Niederwild stellt der Autor Vorteile (z. B. natürlicher, "sich selbst unterhaltender" Zaun, Wind- und Wetterschutz für das Vieh, Brennholzlieferant) und Nachteile (Ackerflächenreduzierung, Nachheuen in verschatteten Flächen) der Hecken für Landwirte gegenüber. Er kritisiert - neben den verbotenen - auch die gedankenlosen Ausrodungen und Abholzungen von Hecken durch Landwirte auf den Feldern, von Privatleuten vor ihren Wohnhäusern (wobei artenreiche, lebendige Hecken durch Mauern oder ähnliches ersetzt werden, die unbelebte Gärten bzw. Zierrasenflächen als "verlängertes Wohnzimmer" eingrenzen) sowie die seines Erachtens nur noch als Gedankenlosigkeit bzw. Dummheit zu bezeichnende Beseitigung von Hecken, die um ein Industrie- und Gewerbegebiet vernichtet wurden, damit an exakt den selben Stellen Drahtzäune gesetzt werden konnten.

Der Verf. untersucht die Auswanderung aus seinem Dorf in die USA im 19. Jahrhundert. Er stützt sich dabei neben einer gründlichen Literatur- und Internetrecherche auch auf das Privatarchiv des Gemeindechronisten, zu dem z. B. zahlreiche Briefe einer Frau gehören, die 1885 als 23-Jährige nach Chicago auswanderte. Der Verf. stellt im ersten Teil die Gemeinde Klein-Winternheim im 19. Jahrhundert vor. Er beschreibt die geografische Lage ebenso wie die politisch-gesellschaftliche Situation. Anhand der Lokalisation der Grundstücke, von denen die Auswanderer stammten, der statistischen Daten und der Abbildung der Haustafel, deren Spruch dem Beitrag den Namen gab, vermittelt der Verf. einen Eindruck der historischen Atmosphäre. Er beschreibt dann im zweiten Teil die Auswandererstruktur, die Reisegründe und Reisevorbereitungen, die Auswanderungsziele, die Reise sowie die Perspektiven der Auswanderer in der neuen Heimat. Im dritten Teil schließlich schildert der Verf. allgemein die Ansiedlung in der neuen Heimat - viele Auswanderer aus Klein-Winternheim gingen nach Chicago - und berichtet über zahlreiche Einzelschicksale. Vor allem die Briefe einer Zeitzeugin ermöglichen einen umfassenden Einblick in die unterschiedlichen Aspekte der Auswanderung (z. B. Motivation, Reisewege) und der Integration (z. B. Wohnen, Arbeiten, Verhältnis zu Einheimischen, Kontakte zur Heimat).

Die Mitglieder der "AG Geschichte" beschäftigen sich in ihrem aufwendig gestalteten und leinengebundenen Beitrag mit der Produktion von Luftfahrzeugen in Bitterfeld bis 1918, den Aktivitäten des alten und seit 1990 wiederbelebten Bitterfelder Luftfahrtvereins und den heute noch in der Stadt feststellbaren Spuren der Luftfahrttraditionen. Neben Quellen aus dem Stadtarchiv stützen die Verf. ihre Darstellung vor allem auf Materialien und Auskünfte des Wiederbegründers des "Bitterfelder Vereins für Luftfahrt e. V.", ältere und aktuelle Zeitungsartikel, Bürgerbefragungen und Ortserkundungen. Die Verf. zeichnen ein informatives Bild von der Geschichte der Luftfahrtindustrie und des Luftsports. Dabei schildern sie sehr anschaulich den Zusammenhang zwischen der in Bitterfeld ansässigen chemischen Industrie und der Luftfahrt. Das chemische Abfallprodukt - elektrolytisch erzeugter Wasserstoff - konnte zum Füllen von Ballons und Luftschiffen verwendet werden. Die Verf. beschreiben Bau und Betrieb der Bitterfelder Luftschiffwerft und berücksichtigen in ihrer Darstellung auch die militärische Nutzung der Luftfahrt. Aus ihrer Spurensuche nach Überresten der Luftfahrt in Bitterfeld entwickeln die Verf. einen Vorschlag für eine Wanderroute, die sie auf einem selbstgezeichneten Stadtplan und auf zahlreichen Fotos vorstellen. Darüber hinaus präsentieren die Verf. in ihrem zweiten Band zahlreiche aktuelle Fotos und Zeitungsartikel zum Heißluftballonstart am 24. 10. 1990 sowie historische Aufnahmen und faksimilierte Quellen. 

Im Rahmen des Geschichtswettbewerbes begaben sich vier Schülerinnen aus Offenburg auf Spurensuche durch die Zeit – zu Olympia. Als Ausgangspunkt führten die Teilnehmer:innen hierzu zunächst ein Zeitzeugeninterview mit der ehemaligen Olympiateilnehmerin und Hochspringerin Ellen Mundinger. Da diese sich kritisch zu den Veränderungen im Leistungssport und den Olympischen Spielen heutzutage äußerte, beschlossen die Verfasserinnen einen Vergleich der Olympischen Spiele zu verschiedenen Zeitpunkten in der Geschichte zu ziehen. Hierzu beleuchteten sie die Olympischen Spielen während der Antike, die Spiele 1972 mit der Teilnahme Ellen Mundingers sowie Olympia 2021. Um die heutige Perspektive einzuordnen befragten die Autorinnen den Olympia 2021-Teilnehmer Johannes Vetter. In einem Film verdeutlichen die Elftklässlerinnen die zunehmenden positiven wie auch negativen Wechselwirkungen zwischen Gesellschaft, Sportlerinnen und Sportlern, Sponsoren, Medien, Politik und Olympia.

Unter Verwendung von Bildmaterial, Zeitungsartikeln und Karten beschreiben die Autorinnen zunächst die Geschichte des Aegidii-Klosters ins Münster, an deren Stelle später eine Kaserne gebaut wurde, der in der Gegenwart ein Einkaufszentrum mit unterirdischem Parkhaus folgte. Für ihre Recherchen starten die Schülerinnen auch einen umfangreichen Expertenbriefwechsel vom Bischof über Äbtissinnen bis zum Oberstadtdirektor. Erst im zweiten Teil beginnen sie mit dem Denkmalproblem durch Beschreiben und Fotografieren der bisherigen Stele sowie einer Gedenktafel. Die Denkmalwürdigkeit des Aegidiiplatzes ermitteln die Autorinnen mittels einer Umfrage. Die Ergebnisse werden als Balkendiagramme dargestellt. Sie machen Vorschläge für ein neues Denkmal, für das durch ein Stadtfest geworben, auf dem gleichzeitig Geld gesammelt werden soll. Ihr Vorschlag: In Erinnerung an eine Litfaßsäule vor der ehemaligen preußischen Kaserne entwerfen sie eine Bildersäule, auf der die Geschichte des Platzes dargestellt ist und formulieren eine (lange) Inschrift. Auf dem Fest soll ein Theaterstück vorgeführt werden, in dem die Verfasserinnen den vom Himmel herabgestiegenen Klostergründer Ludger den heutigen Zustand des Platzes zu erklären versuchen. Fazit der kreativen Idee: Die Schändung seines Friedhofs durch eine Tiefgarage könne nur durch die Errichtung des Denkmals gesühnt werden.

Illustriert durch Fotos, Zeichnungen und Karten umfaßt die Darstellung der Schüler Schilderungen der Lebens- und Arbeitsbedingungen von ausländischen Kriegsgefangenen und "Fremdarbeitern" in sieben Lagern des Bergkamener Raums. Die Verfasser verfolgen die Spuren der Zwangsarbeiter bis zu den Friedhöfen Bergkamens. Die "Vernichtung durch Arbeit" wird besonders an der Gruppe der sowjetischen und polnischen Kriegsgefangenen gezeigt, über die eine Reihe von Interviewpartnern Auskunft geben, die entgegen den offiziellen Verboten - zumeist versteckte - Kontakte mit Gefangenen hatten. Neben der Verdrängung der "Fremdarbeiter"- und Kriegsgefangenenproblematik in der Geschichtsschreibung Bergkamens kritisieren die Verfasser besonders aktuelle Tendenzen von Vorurteilen, Fremden- und Rassenhaß gegenüber türkischen Mitbürgern.

Jedes Jahr im November feiern die Erfurter auf dem Domplatz das Martinsfest. Sie erinnern damit an den Erfurter Stadtpatron, den heiligen Martin von Tours sowie an den Reformator Martin Luther. Katholiken und Protestanten begehen die Ehrung dieser zwei für die Stadtgeschichte zentralen Figuren gemeinsam mit einem ökumenischen Fest. Die Schülerinnen und Schüler beschäftigten sich in ihrem schriftlichen Beitrag mit der historischen Entwicklung des Martinsfestes seit dessen Begründung im Deutschen Kaiserreich. Sie erstellten hierfür einen Zeitstrahl der deutschen Geschichte und untersuchten zeitgenössische Bilder aus verschiedenen Jahren des Festes. Im Stadtarchiv recherchierten sie in DDR-Zeitungen und führten Zeitzeugengespräche. Ein Höhepunkt für die Schülergruppe war es, die diesjährige Martinsandacht mitzugestalten.

Forschungsobjekt dieser Klassenarbeit ist der nach Amerika ausgewanderte Lengericher Bürger Carl-Friedrich Banning, der in den Jahren von 1919 bis zu seinem Tod 1934 jährlich beträchtliche Spenden an seine Heimatstadt geschickt hat. Die Stärke der Arbeit liegt in der Rekonstruktion dieser Spenden, ihrer Anlässe, Hintergründe und Auswirkungen. Auf die Konsequenzen der Inflation, der Wohnungsnot und anderer sozialer Folgen des Ersten Weltkriegs wird differenziert eingegangen. Die Schülerinnen und Schüler zeichnen nicht nur den Spenden- und Verteilungsvorgang nach, sondern spüren auch bisher unbekannte Spendenaktionen auf. 1932 sollte Banning die Ehrenbürgerwürde übertragen werden, dieser wich diesem offiziellen Akt allerdings bis zu seinem Tode aus. Die Verf. zeigen darüber hinaus, wie die Nazis in Lengerich den Toten als treuen Deutschen für ihre Zwecke eingespannt haben. Eine Städtepartnerschaft mit Ohio nutzen die Verf., um amerikanische Zeitungsartikel über Banning einsehen zu können, der dort als exzentrischer Amerikafeind und Multimillionär charakterisiert wird. Nach seinem Tod ließ sich Banning nach Lengerich überführen und dort bestatten.

Der Verf. hat eine ausführlich Darstellung der Konflikte innerhalb der protestantischen Landeskirche Thüringens während der nationalsozialistischen Diktatur vorgelegt. Anhänger der "Deutschen Christen" hatten 1933 in Thüringen eine große Mehrheit in der Landessynode gewonnen und dominierten fortan die Landeskirche. Der Verf. schildert, wie Vertreter der "Bekennenden Kirche" sich dem Einfluss der "Deutschen Christen" widersetzen. Einleitend wird ein Überblick zum Verhältnis zwischen protestantischer Kirche und der nationalsozialistischen Diktatur gegeben. Darauf folgt eine Darstellung der Entstehung der Thüringer Landeskirche nach der Revolution 1918 und der unterschiedlichen Tendenzen, die sich in ihr zusammenfanden. Ausführlich beschreibt der Verf. dann, wie 1933 die "Deutschen Christen" die Mehrheit bei den Kirchenwahlen gewinnen konnten und wie bald danach einige Pfarrer sich der "Bekennenden Kirche" anschlossen. Nach der Darstellung der Verhältnisse in ganz Thüringen untersucht der Verf. auf lokaler Ebene die Kirchengemeinden in Gotha. Den Erfolg der "Deutschen Christen" und die verbreitete Akzeptanz der nationalsozialistischen Diktatur erklärt er mit dem spezifisch protestantischen Staatsverständnis. Auf jedes der sechs Kapitel folgt eine umfangreiche Dokumentation der Quellen, auf die Bezug genommen wird.

Auf dem Hintergrund der wechselvollen Geschichte der über einhundertjährigen privaten Heimschule Weierhof vergleicht diese Arbeit die Schul- und Schülerfeste dieser Schule. Als Quelle werden vor allem verschiedene Jahrgänge der Mitteilungen des Verbandes ehemaliger Schüler sowie die Festschrift aus Anlaß des einhundertjährigen Bestehens der Schule verwandt.

Den Leidensweg einer Jüdischen Familie im Sauerland stellen die Teilnehmer eines Leistungskurs Geschichte dar.

Der Beitrag beschäftigt sich mit dem Einsatz von Grubenpferden als Mittel zur Steigerung der Förderleistung im Bergbau und als Partner der Bergleute. Die deutsch- wie auch französischsprachige - teilweise aktuelle - wissenschaftliche Literatur wird ausgewertet und vorsichtig aus heutiger Perspektive kommentiert. Die Recherche erschließt somit sowohl die historischen Fakten als auch die Differenz in der Sichtweise zum Arbeitseinsatz von Pferden. Die nur spärlich vorhandenen übrigen Quellen über den Einsatz von Arbeitspferden werden zu einem plastischen Bild zusammengefasst, bei dem hinter Statistiken, betriebswirtschaftlichen Erwägungen und Anweisungen der Grubenleitungen das Verhältnis zwischen Mensch und Tier durchscheint und die Frage nach Rolle, Funktion und Beziehung von Mensch und Pferd beantwortet werden kann. Der grenzüberschreitende Ansatz der Verf. bei der Themenstellung und Recherche geht davon aus, dass hier ein gemeinsamer kultureller, industriegeschichtlicher und erfahrungsgeschichtlicher Raum vorliegt, der die Grenzen nationalstaatlichen Denkens überwindet. Nach einer Einführung in die Geschichte des Grubenpferdes (S. 3 f.) können die Autoren anhand der zeitgenössischen Literatur beschreiben, welche Dimension der Einsatz von Grubenpferden hatte und welche, auch züchterischen, Aktivitäten zur Auswahl der Pferde vorgenommen wurden (S. 5-9). Dann geht es mit den Tieren in der Darstellung "abwärts": Der "Transport der Pferde in die Grube" (S. 10-13), die Versorgung der Pferde Untertage (S. 14-20), "Der Arbeitsalltag/Das Leben in der Grube" (S. 23 f.) und "Das Schicksal der Pferde" (S. 24 f.) zeichnen ein mühevolles und gequältes Tierleben nach. Im zusammenfassenden Kapitel "Grubenpferde aus heutiger Sicht" (S. 26) vermerken die Verf., dass der Einsatz von Pferden im Bergbau nach heutigen rechtlichen und ethischen Vorstellungen undenkbar sei. Auch Sicherheitserwägungen würden es gar nicht erlauben, ein so unberechenbares Tier wie ein Pferd einzusetzen. Früher, als Pferde einen wichtigen Beitrag zur Industrialisierung der Montanindustrie geleistet haben, war dies anders. Die Stärke der Arbeit liegt in der gelungenen Beschreibung dieser Problematik, so wird z.B. ein Transfer zum heutigen Tierschutzbewusstsein geleistet.

Die Geschichte der evangelischen Jugendarbeit und ihre Behinderung während der NS-Zeit werden aufgearbeitet. Der Verfasser stellt dar, wie die hier organisierten Jugendlichen nach anfänglich verbreiteter Zustimmung zu dem "neuen System" in die Opposition gedrängt wurden.

Die vier Verfasserinnen sammeln und kommentieren auf 549 Seiten Quellen zu den großen Festen in Mainz, um den Wandel der Freizeit darzustellen. Der Untersuchungszeitraum reicht vom Fest der Proklamation der Souveränität des Volkes und der Pflanzung des Freiheitsbaumes im Jahr 1793 bis zur Zweitausendjahrfeier der Stadt im Jahr 1962. Die Arbeit besticht vor allem durch die Reichhaltigkeit der Quellenbasis, die im einzelnen im Literaturverzeichnis aufgeführt wird. Die Feste werden darüber hinaus, wie die Titelüberschrift ausweist, in den politischen und sozialen Kontext eingebettet und auf diesem Hintergrund ausgedeutet. In einem eigenständigen Abschnitt wird der Wandel nach einem akzeptablen Periodisierungsprinzip für die einzelnen Epochen zusammenfassend dargestellt.

Die Schüler geben in insgesamt 23 Abschnitten im Umfang von 11 Zeilen ("Gegner der Nationalsozialisten") bis zu drei Seiten wieder, was sie aus 48 (anonymisierten) Interviews mit Wittmunder/inne/n gehört haben. Außerdem haben sie die Jahrgänge 1939-1945 der "Ostfriesischen Tageszeitung" untersucht: Auf fünf Seiten werden unkommentiert 22 Kurzartikel über Wittmund dokumentiert, in denen die Ermordung eines Polen neben der Aufforderung steht, Rücklichter an Handwagen anzubringen. Mit wenigen Ausnahmen, in denen z. B. Überraschung über das Ausmaß der Propagandagläubigkeit der Menschen geäußert wird, bleiben die Erinnerungen der zumeist wenig skeptischen Interviewpartner unkommentiert, von denen nicht wenige noch heute dem NS-System positive Züge abgewinnen können, wie z.B. die faschistischen Jugendorganisationen, durch die Jugendliche - im Gegensatz zu heute - "von der Straße gewesen" seien.

Als die Tutorin der Verf. vor zwei Jahren von der Existenz einer jüdischen Schule (je Jahrgang zwei Klassen zwischen 1936 und 1938) im Gebäude ihrer jetzigen Schule erfuhr, initiierte sie eine AG Geschichte, die sich mit der Erforschung der Umstände und der Lebensläufe der jüdischen Schülerinnen und Schüler und deren Verbleib sowie der Suche nach Überlebenden befassen sollte. Bei dem Beitrag handelt es sich um das Ergebnis der Forschungen dieser AG bis zum Februar 2003. Die Verf. schildern zunächst die Spurensuche im Archiv, bei Organisationen, in der Presse und im Internet sowie die ersten Begegnungen mit ehemaligen Schülerinnen und Schülern, die emigrieren konnten. Sie beschreiben dann anschaulich und mit Dokumenten und Bildern reich belegt ihre Schicksale und Lebenswege. Dabei gehen sie auf das Leben vor der Emigration ein und verdeutlichen die Zusammenhänge zwischen der politischen Entwicklung, den Veränderungen im Verhalten der Mitmenschen und den Lebensbedingungen der Zeitzeugen. Sie schildern jeweils die Gründe für die Emigration aus Deutschland, die Migrationswege und das Ankommen in der neuen Heimat (Palästina, USA).

Die Verf. vergleicht in ihrem Beitrag das Verhältnis von Schülern und Erziehern im Evangelischen Internat Hilden kurz nach dessen Gründung (1861-1889) mit der Zeit von 1980 bis heute. Sie stützt sich dabei auf acht Zeitzeugeninterviews mit Schülern und Lehrern, auf die Chronik der Gründerin des Internats, Wilhelmine Fliedner, sowie auf Archivalien aus dem Stadtarchiv Hilden und der Fliedner Kulturstiftung Kaiserwerth. Sie ergänzt ihre Erkenntnisse durch Fachliteratur. In ihrem Beitrag interessiert sich die Verf. besonders für verschiedene Aspekte des Alltags, des Glaubens und der Bildung. Nach einer Vorstellung der Gründerin des Internats, Wilhelmine Fliedner, und ihren pädagogischen Ansätzen beschreibt die Verf. den Wandel von einem durch Gehorsam, Fleiß und strenge christliche Werte dominierten hin zu einem moderneren, wenngleich noch immer stark religiös geprägten Schulalltag.

Die Ächtung durch die Nationalsozialisten konnte nicht verhindern, dass der Pazifist und Schriftsteller Erich Maria Remarque (»Im Westen nichts Neues«) zu Weltruhm kam. Doch wer kennt eigentlich seine Schwester Elfriede Scholz? Weil sie sich kritisch über das NS-Regime äußerte, wurde die Schneiderin aus Dresden 1943 wegen des Vorwurfs der »Wehrkraftzersetzung« hingerichtet. Die Jugendlichen erarbeiteten ihre Biografie und erinnerten an Elfriede Scholz mit einer Gedenkfeier, in der sie vermittels Lesungen und Rollenspiel deren Lebensgeschichte darstellten.

In seiner Arbeit beschäftigt sich der Verfasser mit der 1844 enthüllten Bildsäule für Ludwig, den letzten Landgrafen von Hessen(-Darmstadt) und ersten Großherzog des Landes. Sie ist inzwischen zu einem Wahrzeichen der Stadt geworden. Er stützt sich dabei auf ausgiebige Recherchen zeitgenössischer Literatur, Entwurfszeichnungen, Pläne und Abbildungen, Akten aus der Hessischen Landes- und Hochschulbibliothek Darmstadt sowie dem dortigen Hessischen Archiv und legt so die erste Monographie zu diesem Monument überhaupt vor. Der Schüler geht nicht nur detailliert auf das Denkmal, dessen Gestalt, die Baugeschichte sowie vergleichbare Typen in der römischen Antike und der Zeit um 1800 ein. Er setzt sich auch ausführlich mit der Persönlichkeit des Fürsten auseinander. Hierbei werden dessen Eltern ebenso in den Blick genommen wie seine Zeitgenossen und Nachfolger. Er würdigt die Figur Ludwigs aus ihrer Biographie und den zeitgebundenen Möglichkeiten ihres Handelns heraus (Zustandekommen der Verfassung von 1820). Vor diesem Hintergrund wird die Bedeutung des Denkmals erhellt, in dessen Baugeschichte der Verfasser einen Wandel vom "Verfassungs-" zum "Fürstenmonument" feststellt. In einem Bildertagebuch verfolgt er historische Stationen des "langen Ludwig" bis er aus den Ruinen des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Darmstadts ragt. Das Monument widerstand auch der Verkehrsplanung der Nachkriegszeit. Selbst einen politischen Sturz, wie ihn einige seiner "Denkmal-Kollegen" in den letzten Jahren erfahren haben, müsse Darmstadts Ludwig nicht befürchten, so der Verfasser.

Sechs Schülerinnen und Schüler der Helmholtzschule in Frankfurt am Main bildeten ein jahrgangsübergreifendes Team. Sie blickten 50 Jahre zurück – mitten in die Zeit der ›68er‹ – und untersuchen, wie sich damals das Leben an ihrer Schule gestaltete. Dabei nutzen sie verschiedenste Quellen. Sie stöbern im Schularchiv und stoßen auf Schulchroniken aus den 1960er Jahren. Diese führten die Gruppe weiter zu der damaligen Schülerzeitung ›konsequenz‹, nach deren Vorbild die Gymnasiasten ihren Beitrag gestalteten. Alte Abituraufsätze aus dem Fach Deutsch und verschiedene Zeitzeugeninterviews, die mündlich oder schriftlich geführt wurden, rundeten die Suche nach geeigneten Informationen über die 68er an ihrer Schule ab. So bekam jede/r Einzelne aus der Gruppe die Gelegenheit, sich nach seinem Interesse mit der Umbruchzeit zu beschäftigen. Es entstand eine einmalige Neuauflage der historischen Schülerzeitung, welche aus verschiedenen Blickwinkeln und stets kritisch die 60er und 70er Jahre betrachtet.

Der Verf. untersucht den Wandel der Arbeitsbedingungen in Industriebetrieben in der Weimarer Rebublik und in der Zeit des Nationalsozialismus und zeigt diese exemplarisch an der Firma Bauer und Schaurte in Neuss, die seit 1876 Schrauben produzierte. Die materiale Grundlage bilden Interviews mit ehemaligen Mitarbeitern der Firma, Akten aus verschiedenen Archiven und aus privatem Besitz sowie umfangreiche historische Literatur.

Als „Rheinlandbastarde“ wurden die während der Weimarer Republik und in der Zeit der NS-Diktatur unehelich gezeugten Kinder der nach dem Ersten Weltkrieg im Rheinland stationierten afrofranzösischen Soldaten und deutschen Frauen bezeichnet. Diese verbale rassistische Diskriminierung führte zur Ausgrenzung dieser Menschen bis hin zu ihrer Verfolgung und Zwangssterilisierung durch die Nationalsozialisten. Johannes Elz arbeitet in seinem Beitrag heraus, wie der Nationalsozialismus auf die Stigmatisierung der 20er-Jahre aufbauen konnte und welche Folgen dies für die Betroffenen hatte. Der Schüler führte Recherchen in der Fachliteratur zur Eugenik und der Geschichte des Rassismus durch und führte ein Expertengespräch mit einer Ethnologin. Am Beispiel der Hetzkampagnen am Rhein gegen die afrofranzösischen Kolonialsoldaten und der Ermordung der Kinder leistet der Schüler einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung dieses Themas.

Die Verfasser berichten nach der Auswertung von Gesprächen mit Zeitzeugen sowie des Zeitungsarchivs der Gemeinde über die Bewältigung von Problemen, die sich mit der Ankunft von Flüchtlingen und der schlechten Ernährungslage für die nichtbäuerliche Bevölkerung in ihrem Dorf Rheurdt im Kreis Kleve ergaben.

Die Klasse 6c des Gymnasiums Leopoldinum in Detmold interessierte sich für die Geschichte der deutsch-deutschen Teilung. Mithilfe von Zeitzeugeninterviews und dem Rückgriff auf Fachliteratur gelang es den 27 Schülerinnen und Schülern, die Rolle der Nachbarschaft in der DDR im Vergleich zur BRD nachzuzeichnen. Ergänzt wurde dieser Beitrag durch Interviews mit Zeitzeugen, die die Schülerinnen und Schüler in ihrem Heimatort zu ihrer Flucht von Ost- nach Westdeutschland befragten. So konnten die jungen Forscher sowohl ein Stück deutsch-deutscher Geschichte als auch die ganz individuelle Erfahrung von Menschen im geteilten Deutschland in ihrem Beitrag zum Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten darstellen.

Eine verhinderte Brückensprengung in Miesbach kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs führte dazu, dass die Stadt vor weiteren Kriegshandlungen geschützt und als Folge von den Alliierten nicht zerstört wurde. Ferdinand Pieroth, Felix Bauer und Patrick Eichermüller stellten sich die Frage, wie die Retter der Stadt Miesbach von den Bürgern gesehen wurde, und untersuchten die Rezeptionsgeschichte der verhinderten Brückensprengung nach 1945. Sie fanden heraus, dass die Tat zu unterschiedlichen Zeiten jeweils voneinander abweichende Bewertungen erfuhr. Ihre Darstellung stützt sich unter anderem auf Quellen aus dem Stadtarchiv und auf die lokalhistorische Forschung sowie auf Zeitzeugen- und Experteninterviews.

Die Arbeit gibt einen Oberblick über die Entwicklung der Textilindustrie in technischer und ökonomischer Hinsicht.

Nach einem knappen allgemeinen Überblick über die Geschichte der Verkehrsmittel und biographischen Angaben zu einigen Erfindern stellt der Verfasser die Familienmitglieder vor, die sich seit vier Generationen mit Automobilhandwerk und -handel beschäftigen. Er zeichnet die wichtigsten Stationen der Entwicklung des Familienbetriebs nach. Dabei ordnet er in seiner Darstellung Aspekte der Familiengeschichte in die jeweiligen politischen und sozialgeschichtlichen Rahmenbedingungen ein. Neben einigen Abbildungen von Oldtimern präsentiert der Verf. Fotos aus privaten Beständen, die Gebäude und Werkstätten des Familienunternehmens seit den 1930er Jahren zeigen.

Der Scharmbecker Bach gab der Stadt den Namen und schmückt als silbernes Band das Stadtwappen. Seit dem 13. Jahrhundert trieb er auf fünf Kilometer bis zu neun Mühlen an, seine Wasserkraft schlug die fertigen Stoffe der Tuchmachergewerbe weich. Nach Regulierungen und Anlage einer Mülldeponie sowie durch gedankenlose Verschmutzung drohte dem Bach zeitweilig eine Zukunft als Abwasserkanal. Die Schutzwürdigkeit des Oberlaufes mit seinen Erlenbruchbeständen, dem Feuchtbiotop und einer der wenigen Orchideenbestände am Rande der Osterholzer Geest ist selbst bei Politikern unumstritten; aus Kostengründen wurden 1987 allerdings noch keine praktischen Maßnahmen, sondern zunächst (zusätzliche) Gutachten in Auftrag gegeben. Die Jugendlichen dokumentieren eine Fülle von Materialien, die sie bei Ortsbesichtigungen und Bacherkundungen, beim Wasserprobenziehen, in Gesprächen und bei Besuchen in Archiven und bei Institutionen gefunden haben.

u.a.: Bevölkerung und Versorgung; Flüchtlinge; Entnazifizierung; Die Parteien: Gründung, Ziele, Entwicklung; Neubeginn der Stadt und des Landkreises Stade; Gründung des Bezirkslandtages; Die ersten demokratischen Wahlen und ihre Durchführung.

Erich Bautz war ein erfolgreicher Rennradfahrer aus Dortmund, seine Karriere als Berufsfahrer beendete er 1952. Ausgehend von ihrer Leidenschaft für das Radrennfahren untersuchten Rouven-Olivier Dasbeck und Fritz Slodowy die Biografie von Bautz und den Deutschen Radrennsport während des Nationalsozialismus. Die Schüler recherchierten Onlinepublikationen und auf den Seiten des Bundesarchivs, außerdem verwendeten die Schüler für ihren Podcast-Beitrag Zeitungsartikel und Fotos vom Museum für Kunst- und Kulturgeschichte der Stadt Dortmund. Bei der Biografie Bautz konzentrieren sich die Achtklässler auf seine erfolgreiche Teilnahme an der Tour de France 1937. Er trug als zweiter Deutscher das gelbe Trikot und war in der Gesamtwertung Neunter. Die Schüler zeigen, dass sich der Großteil des Radrennsports offen zum NS-Regime bekannte und der Sport als Propagandainstrument genutzt wurde, es teilweise aber auch Widerstand gab.

In dem Beitrag geht es um kleine Alltagsgeschichten aus der DDR, die die Magdeburger Großmutter der Verf. in den Jahren 1982-1988 für den Deutschlandfunk in Köln schrieb und die dort auch gesendet wurden. Im ersten Teil der Arbeit stellt die Verf. zunächst dar, wie ihre Großmutter auf die Idee kam, für das bundesdeutsche Radio zu schreiben. Anschließend beschreibt sie die Schritte zur Realisierung des keineswegs ungefährlichen Vorhabens: die Einschaltung von Freunden in Stuttgart als unverdächtige Mittlerstelle, die Absprache von Codes für Telefongespräche, die Einweihung der Verwandten, das Schmuggeln des ersten Textes nach Braunschweig und später das Abschicken einzelner Blätter von Magdeburg aus. Im zweiten Teil gibt die Verf. dann sechs ausgewählte Beispiele von den mindestens zehn gesendeten Geschichten der Großmutter, die unter dem Pseudonym "Juliane Jonas" schrieb, wieder - Geschichten, die von Paketsendungen aus dem Westen handeln, von Bahnfahrten zwischen BRD und DDR, vom Urlaub einer DDR-Rentnerin auf Teneriffa oder auch vom Alltag einer Ärztin in der DDR. In ihrem Fazit betont die Verf., wichtig sei der Großmutter v. a. gewesen, durch ihre Texte das Voneinander-Wissen und den Austausch zwischen West- u. Ostdeutschen zu fördern. In ihren Stuttgarter Freunden habe sie hier einen wichtigen Gegenpart gefunden. Das Handeln der Großmutter schätzt die Studentin als außergewöhnliches Stück deutscher Geschichte ein, das etwa dem Vorurteil vom rein materiellen Interesse der Ostdeutschen entgegenwirken könne. Der feuilletonistisch geschriebene Beitrag stützt sich auf Interviews mit der Großmutter und mit ihrem Stuttgarter Mittelsmann sowie auf die gesendeten Texte.

Die Arbeit vergleicht, ausgehend von einer Aufarbeitung der Geschichte und der Siedlungsgeschichte von Bretzenheim, drei Wohnformen an konkreten Objekten miteinander: ein altes Bauernhaus, einen modernen Wohnblock und ein Einfamilienhaus.

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