Weltkarriere einer Lüge
Grafik: Blueprint Film

Weltkarriere einer Lüge

Die „Protokolle der Weisen von Zion“ gelten als die erfolgreichste Fälschung der Weltgeschichte. Die ARTE-Dokumentation erzählt, wie der Text seit über hundert Jahren zahlreiche Verschwörungstheorien befeuert. Wie er bis heute weiter Antisemitismus prägt, diskutieren im Anschluss der Regisseur Felix Moeller und der Politologe Jakob Baier.

Die „Protokolle der Weisen von Zion“ gelten als die bekannteste Verschwörungserzählung der modernen Weltgeschichte und die am weitesten verbreitete antisemitische Schrift der Neuzeit. Sie sind in zahlreichen Sprachen im Umlauf, erscheinen in Print- und anderen Medien und sind auch im Internet leicht zugänglich. 

Anfang des 20. Jahrhunderts tauchte im zaristischen Russland unter mysteriösen Umständen ein obskures antisemitisches Pamphlet auf: die sogenannten „Protokolle der Weisen von Zion“. Sie geben sich als authentische Geheimschrift von Sitzungen jüdischer Abgesandter am Rande eines Zionistenkongresses aus und sollen die Weltherrschaftspläne des „Weltjudentums“ enthüllen.  

Die ARTE/rbb-Dokumentation des Regisseurs Felix Moeller erzählt, wie ein 24 Kapitel umfassender Text über Jahrzehnte und bis heute antisemitische Verschwörungserzählungen befeuert, kulturelle Stereotype prägt, Propaganda beeinflusst und damit zum Tod unzähliger Menschenleben beigetragen hat. 

Der Film zeigt, wie antisemitische Zerrbilder rund um die Hauptmotive der Protokolle auf sublime Weise Teil des kulturellen Mainstreams geworden sind, wozu auch TikTok, islamistische Aktivisten, der Milliardär Elon Musk, J.K. Rowlings „Hogwarts Legacy“ oder die populären Sänger und Musikproduzenten Kayne West, Kollegah und Xavier Naidoo beigetragen haben. 

Im Anschluss an die Vorführung spricht Caroline Finkeldey, Körber-Stiftung, mit dem Regisseur Felix Möller und dem Politologen Jakob Baier über die ungebrochene Anziehungskraft und Wirkung eines wahrhaft dämonischen Textes. 

  • Jakob Baier ist Sozialwissenschaftler und forscht an der Universität Bielefeld zum Thema Antisemitismus in der Kulturproduktion, Verschwörungsideologien in modernen Medien und Antisemitismus in Jugendmilieus. Im Rahmen seiner Dissertation beschäftigte er sich mit Antisemitismus im deutschen Gangsta-Rap. Derzeit koordiniert er das Projekt „Antisemitismus im Kontext Schule“ am Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld.

  • Felix Moeller ist promovierter Historiker. Als Regisseur, Produzent und Autor beschäftigt er sich mit der Wirkung von Erinnerungskultur, Propaganda und Antisemitismus in historischen und gegenwärtigen Kontexten. Er führte Regie u.a. für „Harlan – Im Schatten von Jud Süß“, „Sympathisanten – Unser Deutscher Herbst“ oder „Jud Süß 2.0: Vom NS- zum Online-Antisemitismus“. Er ist Mitbegründer von „Moving History – Festival des historischen Films Potsdam“ und wurde mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet.

  • Als Programm-Managerin im Bereich Geschichte und Politik der Körber-Stiftung koordiniert Caroline Finkeldey das europäische Geschichtsnetzwerk EUSTORY. Sie studierte Ost- und Südosteuropäische Geschichte, Europastudien und Europäische Ethnologie in Bremen, München und Petrosawodsk und arbeitete als Ausstellungskuratorin.

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