Ensemble „Dyvyna“ Foto: privat

Ukraine & Beyond - Ohr zur Welt: Ukrainische Polyphonie

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Die Konzertreihe „Ohr zur Welt“ widmet sich der musikalischen Vielfalt – an diesem Abend den traditionellen Wurzeln der ukrainischen Musik.

Die Konzertreihe „Ohr zur Welt“ widmet sich aus aktuellem Anlass der musikalischen Vielfalt der Ukraine. Die Künstler:innen – erst kürzlich geflohen oder seit längerem in der Welt zu Hause – präsentieren uns ein europäisches Land, dessen reichhaltige Geschichte und Kultur unzählige Entdeckungen bereit hält.
Die Vokalensembles Drevo aus Kyiv und Dyvyna aus Donezk lassen die einzigartigen Klangwelten der polyphonen Gesänge von den ukrainischen Karpaten bis in den Donbas erklingen. Im Repertoire dieser beiden Ausnahmeensembles finden sich Lieder, deren Ursprünge bis in vorchristliche Zeiten zurückreichen. „Es reicht nicht, dass wir die traditionelle Musik dokumentieren. Wir müssen sie selber singen, um sie zu verstehen.“ Mit diesem Aufruf gründete der Musikethnologe Yevhen Yefremov mit seinen Studierenden vor über dreißig Jahren das Ensemble Drevo. In unzähligen Expeditionen sammelte es Ritualgesänge, alte Balladen oder Liebeslieder aus nahezu alle Regionen der Ukraine, die das Repertoire seitdem charakterisieren.

Das aus Donezk stammende Vokal-Ensemble Dyvyna hat sich auf die ukrainischen Lieder aus dem Donbas und den alten ukrainischen Siedlungsgebieten in der Kuban-Region, Westsibirien, und dem Altai spezialisiert. Ihr kraftvoller Gesang verkörpert die Weite der Steppenlandschaften und ein sehnsuchtsvolles Freiheitsgefühl.

Im Anschluss sprechen der Musikwissenschaftler Christian Diemer und die Sängerin und Performerin Mariana Sadovska über die Ursprünge und Einzigartigkeit der ukrainischen Vokalpolyphonie.

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»Drevo«, 1979 gegründet, ist das erste und älteste Vokal-Ensemble in der Ukraine, das sich der authentischen ukrainischen Musik aus allen ländlichen Region verschrieben hat. Ihr Leiter ist der Musikethnologe Professor Jevhen Jefremov. Die Zusammensetzung des Ensembles hat sich im Laufe der Zeit geändert, aber ihren Kern bilden weiterhin Sänger:innen, Musikwissenschaftler:innen, Komponisten:innen, und Ethnolog:innen. Von Anfang an war es das Ziel des Ensembles, die ukrainische Liedtradition zu sammeln, zu erforschen und authentisch wiederzugeben.
Das Repertoire umfasst besondere Gesänge aus der Region Polissya und Poltawa - zeremonielle Frühlingslieder, Petrivka, Ernte-, Weihnachts- und Hochzeitslieder. Eine Besonderheit bilden zudem lyrische Lieder und Balladen, die in der Ukraine in verschiedenen Formen traditioneller Polyphonie gesungen werden. Im Kontext der aktuellen politischen Situation in der Ukraine werden Lieder mit historischen und militärischen Themen, sowie Vokalwerke mit religiöser Ausrichtung – die sogenannten Volkspsalmen – eingeflochten. Ergänzt wird das Programm durch improvisierte Geigenlieder aus Polissya und den Karpaten.

Das Ensemble »Dyvyna« wurde Ende 1998 an der Nationaluniversität Donezk gegründet. Im Repertoire des Ensembles finden sich Gesänge der ukrainischen Polyphonie verschiedener Genres, aufgenommen meistens bei ethnographischen Expeditionen in der Ukraine (Oblast Donezk, Charkiw und Poltawa) oder in der ukrainischen Diaspora (Dörfer im Kuban-Gebiet, in Westsibirien, Altai). Aufgrund der russischen Aggression im Jahr 2014 musste »Dyvyna« die Stadt Donezk verlassen. In Kiew fand das Ensemble eine zweite Heimat und konzentrierte ihr Repertoire hauptsächlich auf die Lieder aus der Region Donbas. Nach der großangelegten Invasion Russlands in der Ukraine im Februar 2022 fanden sich einige Sängerinnen in Deutschland wieder, wo sie weiterhin ukrainische Lieder singen, Workshops für Kinder und Erwachsene geben und über den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine informieren.

Christian Diemer studierte Komposition, Musikwissenschaft, Literaturwissenschaft und Kulturmanagement in Trossingen, Weimar und Sankt-Petersburg. Er promovierte über über traditionelle Musik, Globalisierung und nationale Identität in der Ukraine. 2017 wurde seine Oper Bonnie und Clyde am Theater Nordhausen aufgeführt. Er war Geschäftsführer des Online-Magazins Europe & Me und ist Alumnus der Studienstiftung des deutschen Volkes. 2019 wurde er in die Fachlaufbahn Kultur des Goethe-Instituts aufgenommen und leitet seitdem das EU-Projekt House of Europe in der Ukraine.

Die ukrainische Musikerin, Komponistin und Schauspielerin Mariana Sadovska wurde in Lemberg geboren und lebt seit 2002 in Köln. Ihre musikalische Ausbildung erlangte sie durch ihr Klavier- und Pädagogikstudium an der Ludkevyc Musikhochschule in Lemberg. Anschließend absolvierte sie eine Theaterausbildung am Lemberger Les Kurbas Theater. Es folgten zehn Jahre als musikalische Leiterin und Sängerin am polnischen Avantgarde-Theater Gardzienice, mit welchem sie international auf Tournee ging. Als Solo-Künstlerin ist sie auch als Sängerin und Instrumentalistin auf Bühnen in ganz Europa zu sehen. Ihre Inspirationen findet sie in der traditionellen Musik der Ukraine und in Musikrichtungen anderer osteuropäischer Länder. Sie erforscht das Gehörte und verwandelt die Melodien in ihren Kompositionen zu neuen Klangbildern. In ihren Arbeiten wird das Vergangene zeitgenössisch und das Regionale universell. Als Auftragskomponistin arbeitet Mariana Sadovska regelmäßig mit renommierten Theatern und Opernhäusern weltweit zusammen.