Irina Scherbakowa Foto: BVDS/David Ausserhofer

Russland: Aufklärung um jeden Preis

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MEMORIAL erhält den Friedensnobelpreis 2022: Die Mitbegründerin Irina Scherbakowa im Gespräch mit dem Historiker Volkhard Knigge über den Umgang mit totalitärer Vergangenheit und die Bedeutung der Zivilgesellschaft für ein „anderes“ Russland.

Die Voraussetzungen und Folgen von Diktatur und Unterdrückung zu ergründen, Freiheit immer wieder aufs Neue öffentlich einzufordern und Menschenrechte kompromisslos zu verteidigen, dafür engagiert sich die russische Nichtregierungsorganisation MEMORIAL seit mehr als drei Jahrzehnten. Nicht nur in Russland, sondern auch in vielen anderen Ländern Mittel- und Osteuropas.

Die russische Germanistin, Historikerin und Publizistin Irina Scherbakowa gehörte 1987 in Moskau neben Andrej Sacharow und anderen zu den Gründungsmitgliedern von MEMORIAL. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen musste sie erleben, wie die Organisation 2016 erst vom russischen Justizministerium zum sogenannten „ausländischen Agenten“ erklärt und dann schließlich vom Obersten Gerichtshof Russlands Anfang 2022 aufgelöst und enteignet wurde.

Von der Verleihung des Friedensnobelpreises an MEMORIAL, den belarussischen Menschenrechtsanwalt Ales Bialatski und die ukrainische Organisation „Center for Civil Liberties“ erfuhr Irina Scherbakowa im Exil in Deutschland. Dort leben sie und viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von MEMORIAL seit dem russischen Überfall auf die Ukraine.

Über Geschichte als Waffe im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, den kritischen Umgang mit totalitärer Vergangenheit als Voraussetzung für offene, freie und demokratische Gesellschaften und über die Bedeutung der Zivilgesellschaft für ein „anderes“ zukünftiges Russland sprechen wir mit Irina Scherbakowa und dem Historiker Volkhard Knigge anlässlich der bevorstehenden Verleihung des Friedensnobelpreises 2022 an MEMORIAL.

Moderation: Gabriele Woidelko, Körber-Stiftung

Körber Forum
Kehrwieder 12
20457 Hamburg

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Gäste

Volkhard Knigge ist einer der führenden Historiker für Geschichtspolitik und Geschichtsbewusstsein in Deutschland und Europa im 20. Jahrhundert und Experte für die Ausstellung und Aufarbeitung von Gewaltgeschichte. Von 2008 bis März 2020 war er Inhaber des Lehrstuhls für Geschichte in Medien und Öffentlichkeit an der Universität Jena und bis zu seiner Pensionierung im April 2020 Leiter der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora.

Irina Scherbakowa ist Gründungsmitglied der russischen Menschenrechtsorganisation MEMORIAL, die den diesjährigen Friedennobelpreis erhält. In der vom Obersten Gerichtshof Russlands 2022 aufgelösten Nichtregierungsorganisation koordinierte die promovierte Germanistin, Übersetzerin und Historikerin u.a. den russischen Geschichtswettbewerb für Jugendliche. Seit Sommer 2022 lebt Irina Scherbakowa im Exil in Deutschland.

Gabriele Woidelko ist studierte Osteuropahistorikerin und Slawistin und arbeitet seit 1996 bei der Körber-Stiftung. Dort baute sie zunächst das europäische Geschichtsnetzwerk EUSTORY auf, übernahm 2016 die Leitung des Programms Körber History Forum und ist seit 2018 Leiterin des Bereichs Geschichte und Politik .