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Raub und Zerstörung. Wenn Kultur zur Zielscheibe wird

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Die Nationalsozialisten raubten in ganz Europa Kunst- und Kulturgegenstände. 80 Jahre später werden im Krieg gegen die Ukraine gezielt Kulturorte angegriffen. Wir diskutieren verwandte Motive und die Rolle von Kulturgütern für Identität(en) heute.

Anmeldung ab 25. Okt 2022

Ein Unrecht, das noch immer andauert – und nur schwer aufzuklären ist: der Kunstraub der Nationalsozialisten, der jüdischen Familien in ganz Europa systematisch ihren Besitz entzog. Bis heute suchen die Erben oft vergeblich nach den gestohlenen Kunstgegenständen. Herkunftsforscherin Kathrin Kleibl will dieses Unrecht aufklären und den Nachfahren bei der Suche helfen.

Johannes Nathan ist einer dieser Erben: Sein Großonkel war einer der führenden Kunsthändler in der Weimarer Republik. Von den Nazis ermordet, wurde seine Sammlung der Familie entzogen, die Kunsthandlung zwangsabgewickelt. Bis heute ist der Verbleib vieler Kunstwerke ungeklärt. Als Betroffener weiß er, wie sehr Kunst- und Kulturgüter zur Identitätsfindung beitragen und engagiert sich auch deshalb im Netzwerk Kulturgutschutz Ukraine.

Denn Russland hat nicht nur der Ukraine, sondern auch der ukrainischen Kultur den Krieg erklärt. Kulturorte sind zu Angriffszielen geworden, um die Eigenständigkeit der ukrainischen Identität zu zerstören. Olena Balun, ukrainischstämmige Kunsthistorikerin und Kuratorin, koordiniert das Ukraine Art Aid Center und erlebt dort täglich, wie der Krieg auch Museen und Denkmäler in der Ukraine bedroht. Wie kann das kulturelle Erbe eines Landes geschützt werden? Und: Sind wir Deutschen aufgrund unserer Geschichte hierbei in besonderer Weise gefordert?

Eine Diskussion am Vorabend des Jahrestages der Reichspogromnacht über wiederkehrende Muster und Unterschiede beim Raub von Kulturgütern – und ihre Bedeutung für einzelne Familien wie auch Nationen. Es moderiert Christine Gerberding.

Eine Kooperation mit NDR Kultur.

Körber Forum
Kehrwieder 12
20457 Hamburg

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In Kooperation mit:

Gäste

Dr. Olena Balun studierte Fremdsprachen an der Taras-Schewtschenko-Universität Kyiw und Kunstgeschichte an der LMU München mit anschließender Promotion. Von 2014 bis 2016 war sie als Assistentin am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Kunstgeschichte an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, danach als freie Kunsthistorikerin und Kuratorin tätig. Seit April 2022 ist sie hauptamtliche Koordinatorin des Ukraine Art Aid Center.

Dr. Kathrin Kleibl promovierte an der Universität Hamburg in Klassischer Archäologie. Zur Provenienzforschung kam sie über ihre Arbeit als Archäologin in politischen Konfliktzonen. Seit 2017 ist sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin für Provenienzforschung am Deutschen Schifffahrtsmuseum. Ihr Forschungsschwerpunkt ist der Umgang mit Übersiedlungsgut jüdischer Emigranten in Bremen und Hamburg.

Dr. Johannes Nathan ist Kunsthistoriker und Kunsthändler sowie Vorsitzender der Max-Liebermann-Gesellschaft Berlin e.V. Als Nachkomme des Kunstversteigerers Hugo Helbing, dessen Werke 1938 von den Nationalsozialisten beschlagnahmt wurden, rekonstruiert er bis heute den Verbleib zahlreicher Kunstwerke. In der Steuerungsgruppe des Netzwerks Kulturgutschutz Ukraine setzt er sich seit März 2022 für den Schutz ukrainischer Kulturschätze ein.

Christine Gerberding studierte Germanistik, Geschichte und Kunstgeschichte in Berlin. Sie volontierte beim NDR, arbeitete als Autorin für die ARD und ARTE. Seit 2022 leitet sie die Abteilung „Kunst und Kulturjournalismus“ im Programmbereich Kultur des NDR. Sie begleitet die Raubkunstdebatte seit der Washingtoner Erklärung und initiierte das Rechercheprojekt „Museumsdetektive“ im NDR.