
Noch demokratisch oder schon autoritär?
In der illiberalen Demokratie verschwimmen die Grenzen zwischen Demokratie und Autokratie. Die Journalistin Viktoria Großmann spricht mit der Soziologin Karolina Wigura und der Historikerin Martina Winkler über Polen, Tschechien, Ungarn und die Slowakei: Wie höhlen Autokraten die Demokratie aus und wie wehren sich die Zivilgesellschaften?
Ist der Staat noch demokratisch oder schon autoritär? Die Grenzen verschwimmen immer öfter: In der Slowakei baut ein linkspopulistischer Präsident den Rechtsstaat ab, in Tschechien hat ein rechtspopulistischer Premierminister den öffentlich-rechtlichen Rundfunk im Visier. Sind das schon Zeichen für eine illiberale Demokratie, wie Viktor Orbán sie in Ungarn erschaffen hat? Wahlen finden zwar statt, doch Freiheitsrechte und Rechtsstaatlichkeit werden beschnitten.
Wie kann sich eine Gesellschaft gegen Politiker mit autoritären Ambitionen wehren? Abwählen allein reicht nicht. Das erfährt gerade Polen, wo Regierung und Zivilgesellschaft versuchen, acht Jahre Staatsumbau rückgängig zu machen. Und die illiberale Demokratie findet längst weltweit Nachahmer. Welche Ideologie verbindet diese antidemokratischen Akteure? Und was bedeutet es für die EU, wenn eine einzige Regierung Entscheidungen blockieren kann?
Noch sind die Demokratien in Mittelosteuropa nicht verloren, wie die Proteste gegen Fico, Babiš und Orbán zeigen. Davon ist auch die polnische Journalistin und Soziologin Karoline Wigura überzeugt. Mit der Osteuropahistorikerin Martina Winkler diskutiert sie, wie autoritäre Politiker an die Macht kommen und wie die Zivilgesellschaft ihre demokratischen Institutionen schützen kann.
Die Journalistin Viktoria Großmann moderiert.
Karolina Wigura ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Oxford School of Global and Area Studies und Autorin von Büchern über politisches Denken, Liberalismus und Emotionen, darunter „Posttraumatische Souveränität“ und „Gegen den liberalen Defeatismus“. Sie war Stipendiatin in Berlin, Wien und Oxford und schreibt regelmäßig für den Guardian und die New York Times.
Martina Winkler ist seit 2017 Professorin für die Geschichte Ost- und Ostmitteleuropas an der CAU Kiel. Vorherige Stationen führten sie nach Berlin, Leipzig, Stanford, Münster, Loughborough und Bremen. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören die Geschichte Russlands im 18. Jahrhundert; Ostmitteleuropa, insbesondere Tschechien und Slowakei, im 19. und 20. Jahrhundert und Fotografiegeschichte.
Viktoria Großmann arbeitet seit 15 Jahren für die Süddeutsche Zeitung, seit 2023 als Korrespondentin in Warschau für die Länder Polen, Tschechien, die Slowakei und das Baltikum. Sie studierte Literaturwissenschaften und Osteuropäische Geschichte in München und Prag. Zudem engagiert sie sich im Deutsch-Tschechischen Gesprächsforum für die guten Beziehungen der Nachbarländer.
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