
Naiv oder besonnen? Deutsche Russlandpolitik in der Kritik
Mit seinem Überfall auf die Ukraine 2022 griff Russland zum äußersten Mittel. Damit offenbarten sich jahrelange Fehlentscheidungen in der deutschen Politik: Zu lange vertraute sie auf Dialog und Handel. Russlandexpertin Katja Gloger und Journalist Georg Mascolo analysieren Ursachen und Lehren für eine verantwortungsvollere Außenpolitik.
Als Russland im Februar 2022 den Krieg gegen die Ukraine massiv ausweitet und eskaliert, steht Europa unter Schock. Doch die Warnungen vor Putins Expansionsdrang waren längst da – sie wurden bloß ignoriert. Dem Angriff geht eine Geschichte politischer und strategischer Fehleinschätzungen zuvor, die tief in der deutschen Russlandpolitik verankert ist.
Über Jahrzehnte hinweg vertraute Deutschland auf Dialog, wirtschaftliche Verbindung und auf die Hoffnung auf Wandel durch Annäherung. Diese Politik prägte die Beziehungen zu Moskau und führte zu einer politischen und wirtschaftlichen Abhängigkeit. Diplomatische Analysen und sicherheitspolitische Warnungen wurden immer wieder beiseitegeschoben, kritische Stimmen fanden in der Öffentlichkeit kaum Gehör.
Angesichts des russischen Angriffskriegs und der veränderten europäischen Sicherheitslage rückt die Frage nach Verantwortung und Aufarbeitung in den Mittelpunkt. Was waren die Ursachen dieses außenpolitischen Versagens? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die deutsche und europäische Außenpolitik? Und welche Lehren lassen sich aus den Fehlern der Vergangenheit für die Gestaltung einer realistischeren Russlandpolitik ziehen?
Diese Fragen diskutieren die Russlandexpertin Katja Gloger und der Journalist Georg Mascolo. Dabei greifen sie auf zentrale Einsichten aus ihrem Buch „Das Versagen – Eine investigative Geschichte der deutschen Russlandpolitik“ zurück, in dem sie zeigen, wie Signale übersehen, Kritiker marginalisiert und Fehlentscheidungen zum Teil einer kollektiven Verdrängung wurden.
Es moderiert Leslie Schübel, Körber-Stiftung.
Katja Gloger studierte als Stipendiatin der Studienstiftung des Deutschen Volkes Osteuropäische Geschichte, Politik und Slawistik in Hamburg und Moskau. Sie war Stern-Korrespondentin in Moskau und Washington, interviewte Gorbatschow, Jelzin und Putin. Die mehrfach ausgezeichnete langjährige Vorstandssprecherin von Reporter ohne Grenzen arbeitet heute als freie Journalistin und Buchautorin vor allem zu Russland und sicherheitspolitischen Themen.
Georg Mascolo ist Bestellerautor und Journalist. Er war Chefredakteur des Spiegel und leitete die Recherche-Kooperation von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung, die zahlreiche Preise für ihre investigativen Recherchen – darunter die Panama-Papers – erhielt. Seit 2017 ist er in der Nachfolge von Wolfgang Ischinger Dean der „Bucerius Summer School on Global Governance”.
Leslie Schübel ist Programm-Managerin Internationale Politik in Berlin. Inhaltlich beschäftigt sie sich mit russischer Innen- und Außenpolitik sowie mit den Ländern der Östlichen Partnerschaft. Leslie Schübel hat Masterabschlüsse in Internationalen Beziehungen von der Freien Universität Berlin und dem Moskauer Institut für Internationale Beziehungen (MGIMO).
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