Thomas Schuhbauer und Dietrich Duppel
Foto: Thorsten Gronemeyer

Geraubtes Wirtschaftswunder

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In ihrer neuen ARTE-Dokumentation entzaubern Thomas Schuhbauer und Dietrich Duppel zahlreiche Mythen und Legenden rund um das deutsche Wirtschaftswunder. Nach der Premiere spricht der Leiter Dokumentation ZDF/ARTE Jean-Christoph Caron mit den Regisseuren und Sharon Adler von der Stiftung Zurückgeben über Raub und Unrecht der NS-Zeit.

Es ist der Gründungsmythos der Bundesrepublik Deutschland: das Wirtschaftswunder. Die Deutschen haben sich nach der sogenannten “Stunde Null” wieder hochgearbeitet, Wirtschaftsminister Ludwig Erhard hat die D-Mark und die soziale Marktwirtschaft erfunden und die Amerikaner haben West-Deutschland uneigennützig geholfen. Doch was hält einer Überprüfung stand?

Der Dokumentarfilmer Dietrich Duppel und der Historiker Thomas Schuhbauer zeichnen ein überraschendes Bild: Der Wirtschaftsboom nach 1945 basiert auch auf dem Unrecht der NS-Zeit, der ungesühnten Ausbeutung von Zwangsarbeitern und der Vertuschung und Nicht-Verfolgung von Tätern. Und die Autoren werden unvorhergesehen Teil der Geschichte: Schuhbauer erkennt, dass im Wohnzimmer seiner Eltern 50 Jahre lang ein Gemälde der Münchner Feldherrnhalle des NS-Industriemalers Erich Mercker hing. Er lässt es röntgen. Die Untersuchung zeigt: Unter der Bildoberfläche liegen Spuren von NS-Motiven wie Hakenkreuz-Fahnen, die später vermutlich vom Maler selbst übertüncht wurden. 

Zeitgleich entdeckt Duppel in seinem Heimatdorf Maulbronn und in Ennepetal Dokumente, die belegen, dass scheinbar unbescholtene Unternehmer und Ehrenbürger finanziell stark vom Ausbeutungssystem und der Kriegstreiberei der Nazis profitierten. Die persönlichen Geschichten der Autoren, ihre Recherchen und Gespräche mit Historikern in Polen, Frankreich und Deutschland entzaubern zahlreiche Mythen und Legenden und schreiben die neue Geschichte eines deutschen Wirtschaftswunders, das eben auch auf Raub und Unrecht der NS-Zeit basierte.

Im Anschluss an die 90-minütige Filmpremiere diskutiert der Leiter Dokumentationen ZDF/ARTE Jean-Christoph Caron mit der Journalistin und Vorsitzenden der Stiftung Zurückgeben Sharon Adler sowie den beiden Dokumentarfilmern zum Thema Raubkunst. Die Veranstaltung findet nach dem jüdischen Feiertag Yom Kippur statt.

  • Sharon Adler, Journalistin, Fotografin und Herausgeberin von AVIVA-Berlin, setzt sich als ehrenamtliche Vorständin der Stiftung Zurückgeben für jüdische Frauen in Kunst und Wissenschaft ein. Als Diskutantin bei der Filmpremiere „Geraubtes Wirtschaftswunder“ bringt sie Ihre Expertise zu jüdischem Kulturerbe und geraubtem jüdischen Eigentum ein.

  • Der Hamburger Regisseur Dietrich Duppel widmet sich in seinen Dokumentarfilmen Menschen, die in die Mühlen der Weltpolitik geraten sind. Zu seinen Arbeiten zählen u.a. „Geheimmission Tel Aviv – Als Fußball die Geschichte veränderte“ (ARD), Euromaidan – Tagebuch eines angekündigten Krieges (Arte), Eskalation in Nahost (ZDF) und „Geheimsache Kopernikus“ (Arte). Duppel hat in Wien und Marburg Europäische Ethnologie, Politikwissenschaft und Literatur studiert und in München Journalismus gelernt.

  • Der Historiker Thomas Schuhbauer hat für ARD, ZDF, ARTE und VOX über 200 Dokumentationen produziert. Als Geschäftsführer von ECO Media verantwortete er u.a. Krieg und Holocaust (2022), Auswärtsspiel (2022) und Gekaufte Politik? (2024). Zudem lehrt und publiziert er als Historiker und Journalist.

  • Jean-Christoph Caron ist Leiter Dokumentationen bei ZDF/ARTE. Nach Studium der Geschichte in Bielefeld, Lyon und Dublin arbeitete er als Autor und Redakteur u.a. für ARD, ZDF, ARTE, BBC und National Geographic. Stationen führten ihn zu Cinecentrum, ZDF Digital und phoenix. Er verantwortete über 60 Formate, u.a. Der große Crash (Journalistenpreis 2010) und Todesflug Pan Am 103 (Prix Europa 2014).

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