Irina Scherbakowa
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Autoritäre Zeiten: Das erzwungene Vergessen

Welche Bedeutung hat Erinnerung für die Zukunft einer Gesellschaft? Und wie prägt das kulturelle Gedächtnis einer Nation das Handeln in der Gegenwart? Sven Tetzlaff, Körber-Stiftung, spricht mit Irina Scherbakowa, Historikerin und Mitbegründerin der Menschenrechtsorganisation Memorial, über Erinnerungspolitik in Russland und deren Folgen.

Warum ist es für eine Gesellschaft wichtig, die eigene Geschichte aufzuarbeiten? Welche Bedeutung hat es für die Menschen in einem Land, an staatlich organisierten Terror zu erinnern? Was passiert, wenn dies von staatlicher Seite systematisch bekämpft wird? 

Die russische Historikerin und Menschenrechtsaktivistin Irina Scherbakowa analysiert, wie nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion durch die staatlich gelenkte Erinnerungspolitik das Russland unter Staatschef Putin entstand.  

Im Gespräch mit Sven Tetzlaff, Körber-Stiftung,  geht es um Erinnerung als politisches Konfliktfeld. Scherbakowa ist Mitgründerin der Menschenrechtsorganisation Memorial, die sich in Russland für eine kritische Auseinandersetzung mit der sowjetischen und postsowjetischen Vergangenheit eingesetzt hat, insbesondere für das Erinnern an die Opfer des stalinistischen Massenterrors. Mit dem Machtantritt Wladimir Putins wurde diese Arbeit zunehmend erschwert. 

Die „Insel der historischen Wahrheit“, wie Scherbakowa Memorial einmal beschrieben hat, wurde im Dezember 2021 in Russland schließlich verboten. Im Westen erhielt die Organisation ein Jahr später den Friedensnobelpreis. Heute setzt Scherbakowa ihre Arbeit im Exil fort.

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe „Autoritäre Zeiten“ und lädt dazu ein, jenseits moralischer Empörung über die Ursachen autoritärer Versuchungen nachzudenken und zu fragen, was Demokratie heute zusammenhält.

Die vorgetragenen Textpassagen stammen aus dem Buch von:

Irina Scherbakowa
Der Schlüssel würde noch passen
Moskauer Erinnerungen 
Droemer Verlag, 2025

  • Irina Scherbakowa ist Gründungsmitglied der NGO Memorial, die 2022 vom Obersten Gerichtshof Russlands unrechtmäßig liquidiert wurde und im selben Jahr den Friedensnobelpreis erhielt. Dort koordinierte die promovierte Germanistin, Übersetzerin und Historikerin u.a. den Geschichtswettbewerb für Jugendliche. Seit Sommer 2022 lebt sie im deutschen Exil und setzt als Vorstandsvorsitzende des Vereins Zukunft Memorial die Arbeit fort.

  • Der Sozial- und Wirtschaftshistoriker Sven Tetzlaff leitet den Bereich Demokratie und Zusammenhalt der Körber-Stiftung. Er ist zudem Geschäftsführer der Herbert und Elsbeth Weichmann-Stiftung.

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