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The Berlin Pulse 2023/24

Of Paradigms and Power Shifts

Was denken Deutsche und US-Amerikaner:innen über die wichtigsten außenpolitischen Themen? Hier sind die Highlights aus unserer diesjährigen Meinungsumfrage zu Deutschlands internationaler Rolle, größten Herausforderungen und engsten Partner:innen.

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The Berlin Pulse 2023/24

“Nicht nur aus historischer Verantwortung kann Deutschland die vielfältigen Krisen nicht ignorieren und sollte sie auch nicht anderen überlassen. Es ist an der Zeit, an einem internationalen Standing zu arbeiten, das Deutschland zu einem glaubwürdigen Fürsprecher und Partner für multilaterale Lösungen macht – mit genügend finanziellen Mitteln und innenpolitischer Unterstützung.“

Julia Ganter

Editor-in-Chief, The Berlin Pulse, Körber-Stiftung

Trotz der von Bundeskanzler Scholz ausgerufenen Zeitenwende, ist eine Mehrheit (57 Prozent) der Meinung, dass der internationale Einfluss Deutschlands in den letzten zwei Jahren abgenommen hat. Nur 38 Prozent der Befragten wünschen sich zudem ein stärkeres Engagement Deutschlands bei internationalen Krisen. Das ist der niedrigste Wert seit Umfragebeginn 2017. Hiervon sehen 76 Prozent dieses Engagement vorzugsweise diplomatischer Natur; im Vorjahr waren das noch 65 Prozent. 71 Prozent der Befragten sprechen sich gegen eine militärische Führungsrolle der Bundesrepublik in Europa aus.

Gleichzeitig stimmen 72 Prozent der Befragten dem Ziel der Bundesregierung zu, jährlich zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung auszugeben. 26 Prozent der Befragten halten dies sogar für zu niedrig.

“This is the seventh edition of our annual collaboration with Körber-Stiftung, polling the American and German public on the state of relations between the United States and Germany,” said Jacob Poushter, Associate Director of Research. “We asked people in both countries how they see their nation’s relationship with China, given the country’s rise and role in world affairs, and find that majorities in both countries view China’s growing influence as a bad thing. However, only 13% of Germans see China as a major military threat to their country, compared with 70% of Americans who say the same.”

Jacob Poushter

Associate Director, Global Attitudes Research, Pew Research Center

Die Deutschen sind sich bei der Formulierung von internationalen Herausforderungen weniger einig als in den Vorjahren. Zwar sehen 41 Prozent der Befragten den Krieg in der Ukraine als größte Herausforderung. Danach werden Migration (15 Prozent), Klimawandel (12 Prozent) und China (11 Prozent) genannt; sowie Russland, Energie und Wirtschaft (jeweils 8 Prozent).

66 Prozent der Befragten sprechen sich für eine weitere militärische Unterstützung der Ukraine aus. Davon geben 54 Prozent an, dass die militärische Hilfe aus Deutschland der Rückeroberung der von Russland besetzten Gebiete dienen sollte. 41 Prozent sind der Meinung, dass die deutsche Unterstützung vor allem ein weiteres Vordringen Russlands verhindern soll.

Der wachsende Einfluss Chinas wird von immer mehr Deutschen (62 Prozent) und US-Amerikaner:innen (71 Prozent) negativ bewertet. Nur jeweils 6 Prozent sehen ihn positiv. 6 von 10 Deutschen sprechen sich für eine größere wirtschaftliche Unabhängigkeit von China aus, selbst wenn dies wirtschaftliche Einbußen und den Verlust von Arbeitsplätzen bedeuten könnte. 49 Prozent der Befragten betrachten China als einen wirtschaftlichen Wettbewerber, 35 Prozent als Rivalen und nur 13 Prozent als Partner Deutschlands.

Die Skepsis gegenüber Peking schlägt sich stärker als in den Vorjahren in einer konkreten Bedrohungswahrnehmung nieder: 55 Prozent sehen in China eine militärische Bedrohung für die Sicherheit Deutschlands (+ 11 Prozentpunkte zum Vorjahr).

Im Vergleich zum Vorjahr sehen mehr Befragte (76 Prozent) in Russland eine militärische Bedrohung für Deutschland. Eine Mehrheit der Deutschen ist sich auch einig, dass der russischen Regierung unter Vladimir Putin nicht zu trauen ist (86 Prozent). Dennoch würden ein Rückzug Russlands aus der Ukraine ohne Vorbedingungen (87 Prozent), ein ernsthaftes Interesse Russlands an Friedensverhandlungen (84 Prozent) oder ein Machtverlust Putins (79 Prozent) das Vertrauen wiederherstellen können.

Der Einfluss aufstrebender Länder wie Brasilien, Indien oder Südafrika wird von einer Mehrheit von 51 Prozent der Deutschen positiv gesehen. Sie steht aber im Gegensatz zu einer größeren Skepsis der US-Befragten, von denen nur 39 Prozent den wachsenden Einfluss dieser Länder gutheißen. Zudem äußert eine Mehrheit der Deutschen (66 Prozent) Verständnis für Schwellen- und Entwicklungsländer, die sich den Sanktionen gegen Russland nicht anschließen.

Im Jahr vor der US-Wahl gewinnen die USA noch einmal an Bedeutung als wichtigster Partner für Deutschland. 43 Prozent der Deutschen halten die USA für den wichtigsten Partner Deutschlands, das sind sieben Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. 77 Prozent der Deutschen bewerten die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA als gut. Auch bei den befragten US-Amerikaner:innen bleibt die Bewertung sehr positiv (85 Prozent). Unterschiede gibt es allerdings bei den Politikfeldern: Beim Klimaschutz sehen nur 29 Prozent die USA als Partner, während beim Umgang mit dem Krieg in der Ukraine 69 Prozent der Deutschen die USA als wichtigen Partner sehen.

Diese positive Einschätzung der transatlantischen Beziehungen könnte sich im Falle einer Wiederwahl Donald Trumps im Jahr 2024 umkehren. 82 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sich dies negativ auf die transatlantischen Beziehungen auswirken würde.

Eine große Mehrheit der Befragten (82 Prozent) ist der Meinung, dass Demokratien langfristig besser in der Lage sind, globale Herausforderungen wie Pandemien, Klimawandel und militärische Konflikte zu bewältigen. Die Deutschen in der Frage einer weiteren Osterweiterung der EU gespalten. 51 Prozent sind dagegen, 45 Prozent dafür.

The Berlin Pulse ist unsere außenpolitische Jahresschrift inklusive Umfrage, die anlässlich des Berliner Forum Außenpolitik erscheint.

Seit 2014 fragen wir die Deutschen regelmäßig nach ihren Einstellungen zu deutscher Außenpolitik. Die repräsentative Umfrage wurde von Kantar Public im September 2023 durchgeführt. In unserem Auftrag wurden 1.057 Bürger:innen ab 18 Jahren befragt. Die Umfrage in den USA wurde im September 2023 durch das Pew Research Center durchgeführt.

Highlights The Berlin Pulse 2022/23

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The Berlin Pulse 2023/24

The Berlin Pulse 2023/24: Grafiken

Pressemitteilung vom 27.11.2023

Detaillierte Umfrageergebnisse Kantar

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