Volha Hapeyeva, internationales literaturfestival berlin 2025, PWS e.V.

Foto: Apostolos Tsolakidis

Exil-Poesieautomat

Eine lyrische Raumin(ter)vention von Matthias Göritz

In seiner vielzitierten Nobelpreisrede von 1987 fordert der russisch-amerikanische Lyriker Joseph Brodsky, dass Gedichte an jeder Tankstelle und Klassiker in billigen Ausgaben erhältlich sein sollten. Sie seien der gedankliche Treibstoff für den Tag, ein „kolossaler Beschleuniger des Bewusstseins, des Denkens, der Wahrnehmung der Welt“. Die beiden international renommierten Dichter und Übersetzer Volha Hapeyeva und Matthias Göritz knüpfen im Auftrag der Körber-Stiftung an diese Ideen an.

Der Automat, normalerweise gefüllt mit Spielereien für Kinder oder erfrischenden Bonbons, gibt Poesie von Dichterinnen und Dichtern aus, die im Exil leben oder gelebt haben. Der Poesieautomat soll Lust auf das Lesen und das Entdecken von Gedichten machen. Die Hälfte der Gedichte wurde extra für dieses Projekt geschrieben. Es ist ein spielerischer Versuch, Menschen durch und mit Gedichten zu bewegen – auch wenn das Thema, Exil, ein sehr ernstes ist.

Aufstellungsorte

Der Exil-Poesieautomat ist vielseitig einsetzbar und wird temporär an unterschiedlichen Orten und für verschiedene Veranstaltungen eingesetzt. Derzeit ist der Automat im Rahmen der Ausstellung Meine Zeit. Thomas Mann und die Demokratie im St. Annen-Museum in Lübeck aufgestellt und am Standort Kehrwieder der Köbrer-Stiftung.

Gedanken zum Exil

Exil, ein kleines Wort mit vier Buchstaben

Ein kleines Wort mit nur vier Buchstaben kann Dein Leben völlig verändern, das Wort, mit und in dem Du Dich hilflos und heimatlos fühlst, das Wort, das Dich aber viel über das Leben und die Menschen lehrt.

Exil.

Ein Wort lateinischen Ursprungs (exilium), das seine Entsprechung im Deutschen (Verbannung), im Belarusisschen (vyhnannie), im Englischen (banishment) hat.

Die Formen des Exils sind unterschiedlich, ebenso wie die Schicksale der hier vertretenen Dichterinnen und Dichter. Einige konnten nach dem Exil in ihre Heimat zurückkehren, andere starben in einem fremden Land, wieder andere wollten nicht zurückkehren.

Bei der Auswahl der Texte und beim Lesen der Biografien von Autorinnen und Autoren für das Projekt „Exil-Poesieautomat“ war ich wieder einmal entsetzt darüber, wie Arroganz, Grausamkeit, Dummheit und Neid so wahnsinnig machen können, dass Menschen beginnen, an ihre eigene Überlegenheit und ihre Denkweise als die einzige Möglichkeit zu glauben. Alle, die damit nicht einverstanden sind, die nicht in diese Form passen oder passen wollen – werden zum Feind erklärt und der Vernichtung ausgesetzt.

Seneca, der römische Stoiker und Schriftsteller aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., der selbst acht Jahre in Verbannung verbrachte, meinte, dass Menschen, solange sie auf der Erde sind, gar nicht im Exil sein können. Dieser Gedanke erscheint mir zutiefst humanistisch. Es geht darum, dass wir uns in jedem Winkel der Welt zu Hause fühlen können, solange wir in unseren eigenen Gedanken frei bleiben, solange wir die anderen Menschen nicht als Feinde betrachten, denn dann sehen auch die anderen in uns keine bedrohlichen Fremden. Ich möchte glauben, dass durch das Lesen und Wiederlesen der Gedichte von Dichterinnen und Dichtern, die Verbannung und Exil durchlebt haben, dieser Gedanke von Seneca zu unserem eigenen wird.

Volha Hapeyeva, München, im Jahr 2025

Biografien der Autorinnen und Autoren

Şehbal Şenyurt Arınlı
(*1962 in der Türkei)

Şehbal Şenyurt Arınlı ist Schriftstellerin, Journalistin, Menschenrechtsaktivistin und Dokumentarfilmemacherin. Ihre Filme wurden in zahlreichen Ländern gezeigt. Als Gründerin des Verbands der Dokumentarfilmschaffenden Belgesel Sinemacılar Birliği (BSB) engagierte sie sich für die Präsenz von Frauen in der Filmbranche. Sie gehört zudem zu den Gründungsmitgliedern der kurdischen Frauennachrichtenagentur JINHA. Wegen ihrer politischen Aktivitäten wurde sie im Juli 2017 in der Türkei festgenommen, jedoch aus der Haft entlassen und floh nach Deutschland. 2017 bis 2020 war sie Stipendiatin des Writers-in-Exile-Programms des PEN-Zentrums Deutschland. Arınlı lebt und arbeitet in Deutschland. Auf Deutsch erschienen von ihr unter anderem Zwei Autorinnen im Transit: Ein Dialog (2019), eine Korrespondenz mit der Autorin Terezia Mora sowie Leben aus dem Koffer. Gehversuche im Exil (2022).

Rose Ausländer
(1901–1988)

Rose Ausländer zählt zu den bedeutsamsten Dichterinnen deutschsprachiger Lyrik des 20. Jahrhunderts. Sie war jüdischer Herkunft und wurde in Czernowitz im damaligen Österreich-Ungarn geboren. Während des Zweiten Weltkriegs war sie im Czernowitzer Ghetto interniert, anschließend migrierte sie in die USA. Hier erlebte sie sowohl Freiheit als auch Entfremdung, so dass das Gefühl der Heimatlosigkeit ihr lyrisches Werk nachhaltig prägte. 1965 kehrte sie nach Europa zurück und lebte bis zu ihrem Tod in Deutschland.

Maryam Jafari Azarmani
(*1977 im Iran)

Maryam Jafari Azarmani ist Dichterin, Literaturkritikerin und Übersetzerin und wurde in persischer Sprache und Literatur promoviert. Sie ist Autorin von 17 Gedichtbänden sowie von zwei Büchern zur Literaturforschung. 2009 und 2015 erhielt sie für ihre Gedichtbände den Parvin Etesami Lyrikpreis. Wegen ihrer Gedichte und Proteste wurde sie über Jahre wiederholt vom iranischen Regime bedroht und verhört, bis sie nach den blutigen Novemberunruhen 2019 und im Zuge der „Frau, Leben, Freiheit“-Bewegung ihr Land verlassen musste. Seit 2023 wohnt sie in der Schweiz.

Bertolt Brecht
(1898–1956)

Bertolt Brecht gehört zu den bekanntesten deutschen Dramatikern, Librettisten und Lyrikern des 20. Jahrhunderts. Bekannt wurde er vor allem durch seine epischen Theaterstücke wie Mutter Courage und ihre Kinder (1941) und Der gute Mensch von Sezuan (1943). Brecht entwickelte das Konzept des „Verfremdungseffekts“, mit dem er das Publikum zum kritischen Mitdenken anregen wollte. Neben seinen Theaterstücken schrieb er Gedichte, Lieder, Erzählungen und Hörspiele. Politisch engagiert, lebte Brecht während der Zeit des Nationalsozialismus im Exil in verschiedenen Ländern, darunter Dänemark, Schweden, Finnland und schließlich in den USA, bevor er 1949 nach Ost-Berlin zurückkehrte, wo er 1956 verstarb.

Kholoud Charaf
(*1981 in Syrien)

Kholoud Charaf ist Dichterin, Romanautorin und Menschenrechtsaktivistin. Sie studierte zunächst Medizintechnik und setzte ihr Studium anschließend in arabischer Literatur an der Universität Damaskus fort. Charaf erhielt mehrere internationale Stipendien. Ihre Gedichte wurden in mehr als zehn Sprachen übersetzt. Ihr autobiografisches Buch Rückkehr zu den Bergen: Tagebücher im Schatten des Krieges erschien im Arabischen 2019. Im selben Jahr wurde sie dafür vom Arabischen Zentrum für geographische Literatur (Abu Dhabi) mit dem Ibn Battuta-Preis für Reiseliteratur ausgezeichnet. 2020 bis 2023 war sie Stipendiatin des Writers-in-Exile-Programms des PEN-Zentrums Deutschland. Ihr aktueller Roman Tagebücher, die mich nichts angehen (2024) wurde im Jahr des Erscheinens auf die Longlist des Arabischen Booker-Preises aufgenommen und wird derzeit ins Deutsche übersetzt. Ihr Buch Mit all meinen Gesichtern (2024) ist ihr erstes Werk, das ins Deutsche übertragen wurde.

Volha Hapeyeva
(*1982 in Belarus)

Volha Hapeyeva ist Lyrikerin, Autorin, Übersetzerin, Künstlerin und promovierte Linguistin. Für ihre Werke erhielt sie zahlreiche Preise und Auszeichnungen, unter anderem den PEN Translates Award des English PEN für das Buch In My Garden of Mutants (2021) sowie den WORTMELDUNGEN Literaturpreis für den Kurztext Die Verteidigung der Poesie in Zeiten dauernden Exils (2022). 2019 bis 2020 war sie Stadtschreiberin von Graz, 2021 bis 2022 Stipendiatin des Writers-in-Exile-Programms des PEN-Zentrums Deutschland, 2022 bis 2023 Stipendiatin des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. 2023 bis 2024 erhielt sie das Clara-und-Eduard-Rosenthal-Stipendium für Literatur und Stadtschreibung (Jena). Als Künstlerin arbeitet Volha Hapeyeva mit Objekten und Texten. Ihre Gedichte wurden bereits in mehr als 15 Sprachen übertragen und seit 2020 schreibt Volha Hapeyeva auch auf Deutsch. Sie lebt im Exil in Österreich und Deutschland.

Heinrich Heine
(1797–1856)

Heinrich Heine war Dichter, Schriftsteller und Journalist und gilt als einer der sprachmächtigsten und modernsten deutschen Autoren des 19. Jahrhunderts. Jüdischer Herkunft und geboren in Düsseldorf, studierte er in Bonn, Göttingen und Berlin Jura, wandte sich jedoch früh der Literatur zu. Mit Werken wie dem Buch der Lieder (1827) wurde er zum einflussreichen Lyriker des Vormärz. Heine verband romantische Formen mit scharfem Witz, politischer Kritik und Ironie. Wegen seiner liberalen Haltung ging er 1831 ins Pariser Exil, wo er bis zu seinem Tod lebte. In Paris fand Heinrich Heine geistige Freiheit, blieb jedoch zeitlebens innerlich mit Deutschland verbunden und setzte sich kritisch mit dessen politischen und kulturellen Zuständen auseinander.

Collen Kajokoto
(*1973 in Simbabwe)

Collen Kajokoto ist Dichter und Menschenrechtsaktivist. Für seinen Protest gegen die simbabwische Diktatur unter Robert Mugabe und die Einschränkung der Kunstfreiheit wurde er verhaftet und massiv gefoltert. Im Gefängnis wurden ihm Stift und Papier verwehrt, sodass sich Collen Kajokoto seine Gedichte im Gedächtnis einprägte. Seine Werke widmen sich den alltäglichen sozialen Herausforderungen in seinem Heimatland. 2022 bis 2024 war er Stipendiat des Writers-in-Exile-Programms des PEN-Zentrums Deutschland. A Thorn In The Tongue (2024) ist sein aktueller Gedichtband.

Mascha Kaléko
(1907–1975)

Mascha Kaléko, mit gebürtigem Namen Golda Malka Aufen, wurde in Galizien im damaligen Österreich-Ungarn geboren, wuchs aber ab 1914 in Deutschland auf. In den 1930er-Jahren wurde sie durch ihre lyrisch-satirischen Gedichte im Stil der Neuen Sachlichkeit bekannt. Wegen ihrer jüdischen Herkunft wurde sie von den Nationalsozialisten verfolgt und ihre Werke wurden verboten. 1938 emigrierte sie mit ihrem Mann Chemjo Vinaver in die USA und siedelte 1959 nach Israel über, wo sie 1975 verstarb. Mascha Kalékos Lyrik lebt durch ihre Sprachkunst und zeitlose Melancholie bis heute fort.

Margarete Kollisch
(1893–1979)

Margarete Kollisch war Schriftstellerin, Literaturwissenschaftlerin und Frauenrechtlerin. In Wien geboren, studierte sie Germanistik und Philosophie. Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft und politischen Überzeugungen floh sie 1938 nach dem sogenannten „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland mit ihrer Familie in die USA. Im Exil arbeitete sie als Lehrerin und veröffentlichte Essays sowie autobiografische Texte, in denen sie ihre Erfahrungen von Verfolgung und Exil reflektierte. Ihr Werk vereint intellektuelle Tiefe mit einem starken humanistischen Engagement. Sie starb 1979 in den USA.

Trude Krakauer
(1902–1995)

Gertrud Krakauer wuchs in Wien in einer freigeistigen, literarisch geprägten Familie auf. Nach abgebrochenem Medizinstudium studierte sie Staatswissenschaften und arbeitete für die verbotene Kommunistische Partei Österreichs (KPÖ). 1938 verlor sie dort ihre Stelle. Sie konvertierte zum Judentum und floh nach Kolumbien. Im kolumbianischen Exil arbeitete Gertrud Krakauer als Übersetzerin und Sekretärin, nach dem Krieg für die Deutsche Botschaft. Sie übersetzte lateinamerikanische Literatur ins Deutsche, ihre eigenen literarischen Texte blieben jedoch bis 2013 unveröffentlicht. Nur einmal kehrte sie nach Wien zurück. Sie starb in Bogota. 2009 wurde in Wien nach ihr der Trude-Krakauer-Weg benannt.

Yirgalem Fisseha Mebrahtu
(*1981 in Eritrea)

Yirgalem Fisseha Mebrahtu ist Schriftstellerin und Lyrikerin. In Eritrea arbeitete sie als Radioproduzentin sowie Moderatorin und war von 2009 bis 2015 in dem berüchtigten Militärgefängnis Mai-Serwa inhaftiert, wo sie physische und psychische Folter erfuhr. Nach ihrer Flucht nach Deutschland war sie Stipendiatin des Writers-in-Exile-Programms des PEN-Zentrums Deutschland. Auf Deutsch sind zwei Bücher von ihr erschienen: Ich bin am Leben. Gedichte (2023) und Freiheit in Briefen. Zwei Autorinnen im Dialog (2023) gemeinsam mit Tanja Kinkel. 2023 erhielt sie den Georg-Elser-Preis und den Bayerischen Kunstförderpreis für Literatur.

Else Lasker-Schüler
(1869–1945)

Else Lasker-Schüler war Dichterin jüdischer Herkunft und gilt als eine der wichtigsten deutschen Lyrikerinnen des 20. Jahrhunderts. Sie wuchs in Wuppertal auf und zog nach ihrer Heirat 1894 nach Berlin. Hier veröffentlichte sie erste Gedichte und bewegte sich im Umfeld expressionistischer Künstlerinnen und Künstler. Ihr unkonventionelles Auftreten und ihr Eintreten für freie Liebe und Frauenrechte machten sie zur Ausnahmegestalt. Freundschaften verbanden Else Lasker-Schüler mit Magnus Hirschfeld und Gottfried Benn. Noch 1932 erhielt sie den Kleist-Preis, doch wurde sie nach 1933 von den Nationalsozialisten verfolgt. Ab 1939 im Exil in Palästina, fand Else Lasker-Schüler weder sprachliche noch gesellschaftliche Heimat und litt zeitlebens unter der Entwurzelung und Isolation. Sie starb 1945 vereinsamt in Jerusalem.

Umar Abdul Nasser
(*1985 im Irak)

Umar Abdul Nasser ist Dichter und Performer und lebt zurzeit in Berlin. 2016 floh er aus dem Irak vor der Terrororganisation des sogenannten „Islamischen Staat“ und gelangte mithilfe des Netzwerks europäischer Städte ICORN, das Kulturschaffenden Asyl bietet, ins polnische Wrocław. 2019 bis 2022 war er Stipendiat des Writers-in-Exile-Programms des PEN-Zentrums Deutschland. Umar Abdul Nasser arbeitet mit internationalen Musikerinnen und Musikern zusammen, mit denen er seine Gedichte vertont und aufführt oder im Internet als Videos und Audios veröffentlicht. Kürzlich erschien sein Buch Halb Vogel bin ich, halb Baum (2022), zweisprachige Gedichte auf Arabisch und Deutsch.

Stella Nyanzi
(*1974 in Uganda)

Stella Nyanzi ist Genderforscherin, medizinische Anthropologin, Feministin und Politaktivistin. Sie wurde an der London School of Hygiene and Tropical Medicine promoviert. Sie war Stipendiatin des Writers-in-Exile-Programms des PEN-Zentrums Deutschland sowie Fellow des Center of Ethics and Writing des Bard College/Artists-at-Risk-Connection des PEN Amerika. In ihrer Heimat Uganda wurde sie zweimal in einem Hochsicherheitsgefängnis inhaftiert, weil sie in ihren Gedichten das ugandische Präsidentenpaar beleidigt hatte, das seit 30 Jahren an der Macht ist. Ihr erster Gedichtband No Roses from My Mouth: Poems from Prison (2020) wurde im Erscheinungsjahr mit dem Oxfam Novib/PEN Award für Meinungsfreiheit ausgezeichnet.

Stella Rotenberg
(1915–2013)

Stella Rotenberg war jüdischer Herkunft und wuchs in Wien auf. Sie begann ein Medizinstudium, das sie 1938 nach dem sogenannten „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland abbrechen musste. 1939 floh sie nach Großbritannien, wo sie als Pflegerin, Arzthelferin und Buchhalterin arbeitete. 1940 heiratete sie und begann zu schreiben. 1946 erhielt sie die britische Staatsbürgerschaft. Ihre Lyrik ist klar, knapp und ohne Pathos, geprägt vom Erleben von Flucht, Heimatlosigkeit und Verlust. 1972 erschien ihr erster Gedichtband. Sie schrieb auch Prosa, oft über Kindheit und Frauenrollen. Ihre Texte fanden in Israel, Deutschland und den USA Anerkennung. 2001 wurde sie mit dem Theodor-Kramer-Preis ausgezeichnet. Eine Rückkehr nach Österreich lehnte sie stets ab, sie starb in Großbritannien.

Ilana Shmueli
(1924–2011)

Ilana Shmueli, geboren als Liane Schindler, war eine jüdische Schriftstellerin, Lyrikerin und Übersetzerin. Sie wurde in Czernowitz (damaliges Österreich-Ungarn) geboren und überlebte dort das Ghetto während der nationalsozialistischen Besatzung. Nach dem Krieg emigrierte sie nach Palästina und lebte später in Israel. Shmueli schrieb auf Deutsch und Hebräisch. Bekannt wurde sie auch durch ihre enge Freundschaft mit dem Dichter Paul Celan, mit dem sie eine intensive Korrespondenz führte. Ihre Erinnerungen und Gedichte thematisieren Exil, Sprache, jüdische Identität und Verlust. Ilana Shmueli starb 2011 in Jerusalem.

Iryna Shuvalova
(*1986 in der Ukraine)

Iryna Shuvalova ist Dichterin, Übersetzerin und promovierte Slawistin. Sie ist Autorin von fünf Gedichtbänden in ukrainischer Sprache, darunter stoneorchardwoods (2020), das in der Ukraine zum Poesiealbum des Jahres gewählt wurde, und endsongs (2024), das als „zukünftiger Klassiker“ (Ostap Slyvynsky, Vizepräsident des PEN Ukraine) gepriesen wird. Sie war Mitherausgeberin von 120 Pages of Sodom (2009), der ersten ukrainischen Anthologie für queeres Schreiben. Ihre Gedichte wurden in 32 Sprachen übersetzt.

Kurt Tucholsky
(1890–1935)

Kurt Tucholsky war Journalist, Schriftsteller und Satiriker. Er gilt als einer der bedeutendsten Publizisten der Weimarer Republik. Geboren in Berlin, studierte er Jura, widmete sich jedoch früh dem Schreiben. Er schrieb für die Weltbühne und nutzte zahlreiche Pseudonyme (u. a. Kaspar Hauser, Theobald Tiger), um politische, gesellschaftliche und kulturelle Themen scharfzüngig zu kommentieren. Tucholsky war Demokrat, Pazifist und vehementer Verteidiger der Weimarer Republik. Wegen wachsender Repression durch die Nationalsozialisten emigrierte er 1929 nach Schweden. Im schwedischen Exil fühlte sich Kurt Tucholsky politisch machtlos und vereinsamt. 1935 nahm er sich das Leben.

Zmicier Vishnioǔ
(*1973, Belarus)

Zmicier Vishnioǔ ist belarussischer Schriftsteller, Lyriker und Künstler sowie Mitbegründer der literarischen Bewegung Bum-Bam-Lit. Von 2007 bis 2022 war er Leiter des Verlags Halijafy. Auf Belarussisch veröffentlichte er seit 1998 zehn Bücher; auf Deutsch sind bisher Gedichte in verschieden Anthologien, diverse Essays und sein Roman Das Brennesselhaus (2014) erschienen. Seit Juli 2022 ist er Stipendiat des Writers-in-Exile-Programms des PEN-Zentrums Deutschland.