Foto: Zukunft MEMORIAL

Vom Archiv zur Bühne: Preisträger inszenieren Geschichte

Im August 2025 trafen sich 18 Finalisten des russischen Exil-Wettbewerbs von Zukunft MEMORIAL in Armenien, um ihre Wettbewerbsergebnisse in kreativen Formaten zum Leben zu erwecken. Eine Woche lang produzierten sie Filme, ein Schattentheater und eine Theaterperformance. Für diese verfassten sie nicht nur das Drehbuch, sondern entwickelten Rollen, trainierten Schauspieltechniken und bauten Requisiten und Kulissen selbst. Entstanden ist ein einstündiges Theaterstück mit acht Szenen, das Verhöre aus der Sowjetunion von 1938 bis 1986 eindrucksvoll auf die Bühne brachte.

Im Wettbewerb erforschten die Teilnehmenden Biografien und Ereignisse, oft auch in ihren eigenen Familien, und erfuhren so, wie individuelle Schicksale mit größeren historischen Entwicklungen der Sowjetunion verbunden sind. Dadurch gelingt es, die komplexe und konflikthafte Geschichte der Sowjetunion greifbar und verständlich zu machen. Herausragende Arbeiten – Materialsammlungen, Aufsätze, Videos – werden von der Jury besonders gewürdigt, und die Verfasser dieser Beiträge von Zukunft MEMORIAL zu einer gemeinsamen Sommerschule an einen jährlich wechselnden Ort eingeladen – dieses Jahr nach Armenien.

Mit dem Wettbewerb im Exil richtet sich Zukunft MEMORIAL besonders an junge Menschen, die Russisch als Muttersprache sprechen oder Russisch lernen und ein großes Interesse an europäischer Geschichte haben. So entsteht eine lebendige, internationale Plattform, die Kulturen und Generationen über Grenzen hinweg verbindet. In den Sommerschulen haben die Preisträger die Möglichkeit, grenzübergreifend und kreativ miteinander in den Austausch zu kommen. Die Sommerschule gibt Raum für einen offenen europäischen Dialog, der historische Erfahrungen und gemeinsame Zukunftsfragen miteinander verknüpft. Dabei entstehen nicht nur Freundschaften, sondern auch kreative Projekte, die Geschichte auf neue und spannende Weise erlebbar machen.

Seit über zwei Jahrzehnten ist der Geschichtswettbewerb „Der Mensch in der Geschichte – Russland im 20. Jahrhundert“ ein Markenzeichen der Menschenrechtsorganisation MEMORIAL und Teil des von der Körber-Stiftung initiierten Geschichtsnetzwerks EUSTORY. 1999 in Russland gegründet, erreichte der Wettbewerb dort zehntausende junge Menschen und entwickelte sich trotz wachsender staatlicher Repressionen zu einem Symbol für Mut, kritisches Denken und gesellschaftlichen Dialog. Nach der Zwangsauflösung von MEMORIAL International in Russland setzt Zukunft MEMORIAL den Wettbewerb aus dem Berliner Exil heraus fort und eröffnet damit jungen Menschen aus Europa und russischsprachigen Gemeinschaften weltweit die Chance, Geschichte persönlich neu zu entdecken. Der Wettbewerb ist für die Teilnehmenden eine intensive zweimonatige „Bildungsreise” mit interaktiven Online-Workshops, persönlicher Betreuung und eigenständiger Forschungsarbeit. Er ermutigt junge Menschen, Geschichte kritisch zu hinterfragen, Menschenrechte zu verteidigen und demokratische Werte bewusst zu leben.

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