Preisträger:innen unserer Mitmachaktion „Geschichte für morgen. Unser Alltag in der Corona-Krise Foto: Kirsten Pörschke

coronarchiv Mitmachaktion: Geschichte für morgen

Corona hat im Frühjahr 2020 unseren Alltag umgekrempelt. Zusammen mit dem coronarchiv haben wir Kinder und Jugendliche dazu aufgerufen, ihre Erfahrungen und Eindrücke aus den ersten Wochen der Pandemie zu dokumentieren, möglichst kreativ.

Über 1.500 Kinder und Jugendliche aus ganz Deutschland sind unserem Aufruf gefolgt, haben ihren Alltag und ihre Gedanken zu Corona in Filmen, Collagen, Texten und eigenen Songs festgehalten. Alle Beiträge sind ins coronarchiv eingeflossen und stehen dort für die Perspektive junger Menschen. 50 Beiträge wurden von einer Jury mit einem Buchpreis ausgezeichnet und im coronarchiv ausgestellt. Hier geht’s Online-Ausstellung: Kinder und Jugendliche im Lockdown – coronarchiv (uni-hamburg.de)

Im Mai 2022 wurden stellvertretend drei Beiträge aus der Mitmachaktion im Memory of Mankind eingelagert, einem Archiv im ältesten Salzbergwerk der Welt.

Über das coronarchiv

Das coronarchiv ist ein gemeinsames Public History-Projekt der Universitäten Hamburg, Bochum und Gießen in Zusammenarbeit mit dem Medizinhistorischen Museum Hamburg und dem Museum für Hamburgische Geschichte. Das coronarchiv versteht sich als ein freies und offenes Onlineportal, zu dem alle beitragen können und das allen zugänglich ist. Ziel des coronarchivs ist die fortlaufende Sammlung, Archivierung, Kontextualisierung und langfristige Bereitstellung von persönlichen Erinnerungen und Fundstücken zur Corona-Krise.

Über die Mitmachaktion

Die Mitmachaktion „Geschichte für morgen. Unser Alltag in der Corona-Krise“ lief im Frühjahr 2020. Innerhalb von nur sechs Wochen erreichten uns 1.120 Beiträge.

Archiviert für die Ewigkeit

Die Corona-Pandemie hat unseren Alltag im Frühjahr 2020 umgekrempelt. Wie wird man in der Zukunft auf diese Zeit blicken? Welche Spuren hinterlassen wir, die es künftigen Historiker:innen möglich machen, die Pandemie und ihre Aus-wirkungen zu verstehen? Drei Preisträger:innen unserer Mitmachaktion „Geschichte für morgen. Unser Alltag in der Corona-Krise“ haben ihre Beiträge jetzt im Memory of Mankind eingelagert, einem Archiv im ältesten Salzbergwerk der Welt.

Nina, Timon und Julius halten ihre Keramiktafeln fest in der Hand, während die schmale Bahn, auf der sie hocken, ratternd in den Salzstollen einfährt. 500 Meter tief geht es in das 3.000 Jahre alte Salzbergwerk hinein, dann ist das Ziel erreicht: das Memory of Mankind.

Mit seinem 2012 gestarteten Projekt möchte der österreichische Künstler und Keramiker Martin Kunze Informationen für die Ewigkeit aufbewahren. Zwar produzieren wir im 21. Jahrhundert mehr Bilder und Informationen als je zuvor – die Lebensdauer digitaler Quellen aber ist kurz. Was also wird bleiben aus der Gegenwart? Martin Kunze setzt für das Memory of Mankind auf keramische Datenträger. Mittels einer bestimmten Lasertechnik werden Texte und Bilder auf dünne Keramikfliesen gedruckt und gebrannt. In Boxen, ebenfalls aus Keramik, und im Klima des Berginneren sollen diese über Jahrtausende vor dem Zerfall geschützt sein. Inzwischen hat der Künstler sein Verfahren noch verfeinert: Keramischer Mikro-film macht es möglich, erstaunliche Textmengen auf kleinster Fläche zu speichern: 5 Millionen Zeichen auf einer Fliese 20 x 20 cm.

Für Nina, Timon und Julius ist die Einlagerung ihrer Beiträge im Memory of Mankind ein besonderer Moment. Wie rund 1.500 andere Kinder und Jugendliche haben die drei im Frühjahr 2020 an der Mitmach-aktion teilgenommen, zu der wir gemeinsam mit dem coronarchiv, dem von den Universitäten Hamburg, Bochum und Gießen initiierten digitalen Public-History Projekt, aufgerufen haben. Es galt, die eigenen Eindrücke und Erfahrungen aus den ersten Wochen der Pandemie zu dokumentieren, möglichst kreativ.

Nina hat ihr Gefühl vom Isoliertsein in einer Zeichnung festgehalten. Timons Collage illustriert seinen Homeschooling-Frust. Julius hat in einem Tagebuch doku-mentiert, wie die Familie gemeinsam die Quarantäne und frühe Corona-Infektion des Vaters gemeistert hat.

Aus den 50 mit einem Buchpreis ausgezeichneten Einsendungen zur Mitmachaktion wurden Nina, Timon und Julius ausgelost. Ihre Beiträge sind jetzt nicht nur im coronarchiv aufbewahrt. Sie sind auch für die fernere Zukunft archiviert, auf keramischen Fliesen, 500 Meter tief im Berg, nahe dem oberösterreichischen Hallstatt.

Ein Fernsehteam von 3sat hat den nicht nur für Nina, Timon und Julius aufregenden Tag in postkarten-idyllischer Landschaft begleitet. Der Beitrag wurde in der NANO-Ausgabe vom 22. Juni 2022 gesendet und ist in der Mediathek abrufbar: www.3sat.de/wissen/nano

  • Ninas Zeichnung auf einer keramischen Fliese, eingelagert in Memory of Mankind
    Ninas Zeichnung auf einer keramischen Fliese, eingelagert in Memory of Mankind Foto: Kirsten Pörschke
  • Nina Böttcher (18), Julius List und Timon Loibl (beide 13) bei ihrer Anreise über den Hallstätter See
    Nina Böttcher (18), Julius List und Timon Loibl (beide 13) bei ihrer Anreise über den Hallstätter See Foto: Kirsten Pörschke
  • Timons Collage auf einer keramischen Fliese
    Timons Collage auf einer keramischen Fliese Foto: Kirsten Pörschke