
Körber-Stiftung
Field Trip in die Republik Moldau
4. bis 10. Mai 2025
Im Rahmen des jährlichen Field Trips reiste das Körber Netzwerk Außenpolitik (KNA) im Mai 2025 in die Republik Moldau. Spätestens mit der russischen Vollinvasion der Ukraine im Frühjahr 2022 ist das kleine, aber in geopolitisch bedeutender Lage befindliche Land in den Fokus der medialen und politischen Aufmerksamkeit gerückt.
Der Montagvormittag startete mit einer Reihe von Gesprächen: Nach einem Briefing durch die deutsche Botschafterin Margret Uebber, die unter anderem einen Überblick über die jüngere Geschichte des Landes und das politische System Moldaus gab, ging es direkt weiter ins Präsidialamt. Dort sprach das Netzwerk mit Stanislav Secrieru dem Nationalen Sicherheitsberater der Präsidentin und Olga Roșca, Außenpolitische Beraterin im Präsidialamt, über die sicherheitspolitischen Herausforderungen des Landes. Als Highlight nahm sich zum Ende des Termins auch noch die Präsidentin Maia Sandu selbst die Zeit, um mit dem KNA zu diskutieren. Im Anschluss traf sich die Gruppe dann noch mit Vertretern des Institutul pentru Inițiative Strategice (IPIS) und des Centre for Humanitarian Dialogue um mit ihnen über den Transnistrienkonflikt zu sprechen.
Nach dem Mittagessen ging es bei einem Spaziergang mit Stadtführung bei strahlendem Sonnenschein weiter mit etwas lockereren Themen. Frisch gestärkt dank leckerer Kaffeespezialitäten aus einem der vielen hervorragenden Cafés, war die Gruppe bereit für zwei weitere Diskussionen. Mit Ana Revenco, Direktorin des Centre for Strategic Communication and Countering Disinformation, Valentina Boțan, Cooperation and Information Exchange Officer bei der Agency for Cybersecurity (ASC) und Timur Cetin, Politischer Berater bei der EU Partnership Mission Moldova diskutierte das Netzwerk die Frage, wie sich die Republik Moldau vor hybriden Bedrohungen wie Desinformation und Cyberangriffen schützen kann und auch welche Lehren daraus für Deutschland und andere Länder gezogen werden können. Im Anschluss traf das Netzwerk dann noch Alina Radu, Investigativjournalistin und Chefin der größten Tageszeitung des Landes, Ziarul de Garda. Die unter anderem von den Recherchen ihres Teams berichtete, die den Kauf von Wählerstimmen durch Russland aufgedeckt haben.
Nach so viel Food for Thought war es Zeit für ein traditionelles Abendessen mit allerlei Köstlichkeiten, die die moldawische Küche zu bieten hat. Außerdem gesellten sich noch ein paar moldawische Gäste – Journalistinnen und Vertreter:innen aus der Zivilgesellschaft – dazu.
Am Dienstag ging es dann nach diesem ereignisreichen ersten Tag gleich sehr interessant weiter. Bei einem Besuch bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) bekam die Gruppe am Morgen zunächst einen Einblick in die verschiedenen Projekte der Entwicklungszusammenarbeit unterstützt und gefördert durch die GIZ und die KfW Entwicklungsbank.
Im Anschluss gab es dann etwas kulturelle Abwechslung. Mit dem Bus ging es in die autonome Region Gagausien, wo jedes Jahr im Mai in Ceadîr-Lunga das Hederlezfestival stattfindet. Dort präsentierten sich unterschiedliche Gemeinden aus dem ganzen Land in ihren traditionellen Gewändern und boten kulinarische Kostproben an und Tänze dar. Aufgrund vorangegangener Regentage konnte leider das traditionelle Pferderennen nicht stattfinden. Am Nachmittag traf das Netzwerk dann örtliche Amtsträger und Journalisten. Zum Abschluss gab es dann noch ein traditionelles Gagausisches Abendessen, bevor es dann mit dem Bus zurück nach Chişinău ging.
Am Mittwochvormittag konnten die Teilnehmenden die Stadt dann ein wenig auf eigene Faust erkunden. Der erste Termin am Mittag war dann im NATO Liaison Office, wo die Gruppe mit Vertreterinnen des Büros die Partnerschaft zwischen der Republik Moldau und der NATO erörterte. Am Nachmittag hatte das KNA die Ehre, von gleich mehreren Ministerinnen und Ministern empfangen zu werden. Als erstes diskutierte das Netzwerk mit Energieminister Dorin Dzunghietu über vergangene Energiekrisen und die aktuelle Energiesicherheit des Landes. Abgerundet wurde der Nachmittag durch eine Diskussion mit der Stellvertretenden Premierministerin für Europäische Integration, Cristina Gherasimov. Als EU-Beitrittskandidat steht das Land vor zentralen Fragen: Welche Herausforderungen und Aufgaben sind zu bewältigen, um den Weg in die Europäische Union erfolgreich zu gestalten? Diese und andere Themen vertiefte die Gruppe dann nochmal mit dem letzten Gesprächspartner des Tages, Falk Lange, Leiter des Büros des Europarates in Chişinău .
Der Donnerstag startete etwas außerhalb des Zentrums von Chişinău im Verteidigungsministerium. Im Gespräch mit Verteidigungsminister Anatoli Nosatîi ging es unter anderem um die Auswirkungen des Krieges und die Pläne für eine Reform der Streitkräfte. Danach ging es dann nochmal um die Herausforderungen eines EU-Beitritts im Gespräch bei dem Thinktank Institute for European Policies and Reforms (IPRE). Kurz vor dem Mittagessen traf sich das Netzwerk mit Oppositionspolitiker Stefan Gligor von der Partidul Schimbării (Party of Change). Der letzte politische Programmpunkt des Tages war ein Treffen mit Vertreterinnen und Vertretern der OSZE-Mission in Moldau.
Hauptexportgut des kleinen Agrarlandes ist Wein. Die Weintradition Moldawiens reicht mehrere 1000 Jahre zurück. Deshalb durfte das Thema auf diesem Field Trip nicht fehlen. Am Nachmittag besichtigte die Gruppe zunächst die unterirdischen Weinkeller von Cricova. Das unterirdische Labyrinth umfasst 53 Hektar und ist einer der größten Weinkeller der Welt. Im Anschluss gab es noch eine Weinverkostung bei einem kleineren familiengeführten Weingut mit international ausgezeichneten Weinen.
Der Freitagvormittag stand dann noch einmal im Zeichen der Europäischen Integration. Beim Europafest der Regierung waren neben den Regierungsinstitutionen alle europäischen Organisationen und Vertretungen sowie einige zivilgesellschaftliche Organisationen vertreten. Im Anschluss ging es dann „raus aufs Land“ in das kleine Dorf Râșcova ins EcoVillage, ein Schulungs- und Trainingszentrum für nachhaltiges Leben und Umweltschutz. Bei einer Tour durch das Dorf lernte die Gruppe Dorfbewohnerinnen und -bewohner kennen und wurde dabei mit köstlicher Plăcintă – dem moldawischen Nationalgericht aus Strudel- oder Blätterteig mit süßer oder herzhafter Füllung – und frischer Milch bewirtet. Zurück im EcoVillage wurde dann noch bei einem Klima-Strategie-Brettspiel hitzig diskutiert. Einige Teilnehmende schliefen bei Gastfamilien im Dorf.
Bevor es zurück nach Berlin ging, erkundete das Netzwerk am Samstagmorgen nochmal die schönen grünen saftigen Landschaften Moldaus und das Höhlenkloster Orheiul Vechi mit einem abschließenden letzten gemeinsamen Frühstück in Butuceni.

Präsidentin Maia Sandu Körber-Stiftung 
Moldawische Küche Körber-Stiftung 
Präsidialamt in Chişinău Körber-Stiftung 
Metropolitan Cathedral of Christ's Nativity, Chişinău Körber-Stiftung 
Hederlez Festival Körber-Stiftung 
Energieminister Dorin Dzunghietu Körber-Stiftung 
Cricova Weinkeller Körber-Stiftung 
Cricova Weinkeller Körber-Stiftung 
EcoVillage Körber-Stiftung
Rückblicke
Seit 2005 fanden über 15 Field Trips des Körber Netzwerk Außenpolitik in mehr als 20 Länder statt.
Bisherige Field Trips des Körber Netzwerk Außenpolitik

Field Trip nach Japan, 2024 Foto: Körber-Stiftung 
Field Trip nach Marokko, 2023 Foto: Körber-Stiftung 
Mini Field Trip nach Rostock und Warnemünde, 2022 Foto: Körber-Stiftung 
Field Trip nach Nordmazedonien und Albanien, 2022 Foto: Körber-Stiftung 
Field Trip nach Ungarn und in die Slowakei, 2019 Foto: Körber-Stiftung 
Field Trip Ukraine und Belarus, 2018 Foto: Körber-Stiftung