Foto: David Ausserhofer

From Bandung to Berlin. How to Renew Multilateralism Today.

Anknüpfend an den Global History & Politics Dialogue in Indonesien diskutierte die Teilnehmenden der Konferenz, welche Elemente der multilateralen Nachkriegsordnung erhaltenswert sind und wie Europa und der Globale Süden in einer multipolaren Welt zusammenarbeiten können.

Am 8. Oktober 2025 veranstaltete die Körber-Stiftung in Berlin einen zweiteiligen Global History & Politics Dialogue darüber, wie der Bandung Spirit die Bemühungen um eine Erneuerung des Multilateralismus in einer Ära der Multipolarität und Multi-Alignment beeinflussen kann. Aufbauend auf einem früheren Dialog, der im April 2025 in Bandung, Indonesien, stattfand, brachte der Roundtable politische Entscheidungstragende, Wissenschaftler und Praktiker zu einem anwendungsorientierten Geschichtsaustausch zusammen. Die Konferenz markierte auch die Veröffentlichung und die darin enthaltende Impulse unserer Publikation „Bandung at 70: Multilateralism in a New Era of Multi-Alignment“, die im Anschluss an die Bandung-Konferenz Mitte des Jahres entstanden ist.

Die erste Sitzung wurde mit Beiträgen des ehemaligen deutschen Bundeskanzlers und Bundestagsabgeordneten Olaf Scholz sowie von Dino Patti Djalal, Gründer der Foreign Policy Community of Indonesia und ehemaliger stellvertretender Außenminister Indonesiens, und Dima Al-Khatib, Direktorin des Büros der Vereinten Nationen für Süd-Süd-Zusammenarbeit, eröffnet. Die Diskussion befasste sich mit dem historischen Erbe der Bandung-Konferenz von 1955 und dessen Zusammenhang mit der internationalen Nachkriegsordnung. Die Teilnehmenden reflektierten über den politischen Kontext, der Bandung hervorgebracht hatte, seine Prinzipien der Souveränität, Gleichheit und Blockfreiheit sowie seinen oft übersehenen Beitrag zur Gestaltung der multilateralen Zusammenarbeit. Die Diskussion untersuchte konkurrierende Narrative über die „regelbasierte internationale Ordnung”, darunter auch Kritik aus dem Globalen Süden, der deren Universalität und Verteilung der Vorteile in Frage stellt. Vor dem Hintergrund des schwindenden Vertrauens in internationale Institutionen diskutierten die Teilnehmenden, welche Elemente der bestehenden Ordnung es wert sind, erhalten zu bleiben, und wie sich der Multilateralismus in der Vergangenheit wiederholt an Krisenzeiten angepasst hat.

Die zweite Sitzung wurde mit Beiträgen von Ana Palacio, ehemalige Außenministerin Spaniens und ehemalige Senior Vice President und General Counsel der Weltbankgruppe, Nabil Fahmy, ehemaliger Außenminister Ägyptens, und Swapna Kona Nayudu, Historikerin, eröffnet. Dieser zweite Teil wandte sich dem Blick in die Zukunft zu und untersuchte, wie Europa und die Länder des Globalen Südens gemeinsam eine integrativere Form des Multilateralismus gestalten können, die einer multipolaren Welt angemessen ist. Die Diskussionen befassten sich unter anderem mit der Rolle des Völkerrechts, der von Middle Powers und dem Prinzip der Blockfreiheit beim Wiederaufbau von Glaubwürdigkeit und beim Ausgleich von Interessen zwischen den Regionen. Anstatt den Multilateralismus als westliches Erbe zu betrachten, betonten die Teilnehmer die Notwendigkeit, ihn als eine gemeinsame Praxis zu verstehen, die in vielfältigen historischen Erfahrungen verwurzelt ist. Die Sitzung endete mit verschiedenen Überlegungen, wie Impulse aus Bandung in einem applied history Ansatz neue Ansätze für Zusammenarbeit, institutionelle Reformen und Vertrauensbildung in der zunehmend fragmentierten Weltordnung von heute beeinflussen können.

Dieser Roundtable-Dialog folgte auf eine öffentliche Podiumsdiskussion am Vortag, den 7. Oktober, bei der die wichtigsten Ergebnisse der Bandung-Publikation erstmals einem breiteren Publikum im Richard-von-Weizsäcker-Forum in Berlin vorgestellt wurden. Zusammen mit der Robert Bosch Stiftung unterstrichen die beiden Veranstaltungen die anhaltende Bedeutung des Bandung Spirit für die Gestaltung der Zukunft der globalen Zusammenarbeit.

Key Takeaways

Im Anschluss an unseren Global History & Politics Dialogue ergaben sich aus den Diskussionen mehrere wichtige Erkenntnisse:

  • Die regelbasierte internationale Ordnung braucht Glaubwürdigkeit und Reformen: Die „nächste“ internationale Ordnung braucht Regeln, die von allen formuliert und eingehalten werden, um Vertrauen und Legitimität wiederherzustellen.
  • Middle Powers: Die Zukunft des Multilateralismus und einer neuen Weltordnung hängt davon ab, dass mittlere Mächte und regionale Akteure die Initiative ergreifen, den Dialog fördern und Reformen in gemeinsamen Grundsätzen verankern.
  • Reform der Vereinten Nationen: Um in Zeiten des Wandels relevant zu bleiben, müssen sich die Vereinten Nationen weiterentwickeln und die veränderte Welt von heute sowie die Bedürfnisse der Länder des Globalen Südens widerspiegeln.
  • Gleichberechtigte Partnerschaften: Der Globale Süden muss sich nicht anpassen, sondern seine eigenen Normen und Interessen definieren. Eine echte Partnerschaft braucht Gleichberechtigung, keine Abhängigkeit.
  • Europa steht vor einem Moment der Wahrheit: Es muss seine Führungsrolle durch Bescheidenheit, Partnerschaft und Beständigkeit neu definieren, nicht durch Aufzwingen, sondern durch Zuhören und gemeinsames Gestalten.
  • Entwicklungspolitik und pragmatische Partnerschaften können Brücken für ein erneuertes multilaterales System schlagen: ein System, das auf Vertrauen, gegenseitigem Nutzen und Respekt für unterschiedliche Regierungsmodelle basiert.

Impressionen

  • Fotos: David Ausserhofer

Kooperationspartner

Dieser Global History & Politics Dialogue war ein Gemeinschaftsprojekt des Körber History Forum, der Körber Emerging Middle Powers Initiative, dem BRICS Policy Center, der Foreign Policy Community Indonesia, dem Gateway House, der Oxford University, dem SAIIA und der Robert Bosch Stiftung.

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