Foto: David Ausserhofer

Körber History Forum 2021

Putting Crisis in Context

Die Krisen von heute aus historischer Perspektive zu diskutieren, war das Motto des ersten digitalen #KHF21 am 18. und 19. Mai. Ausgehend vom Epochenjahr 2020 und den damit verbundenen Umbrüchen, diskutierten über 40 international anerkannte Sprecher:innen und 300 geladene Gäste ein breites Spektrum aktueller Fragen:

Wie kann politische Teilhabe in digitalen Gesellschaften sichergestellt werden? Was muss geschehen, um historisch tief verwurzelten Rassismus in Gesellschaft und Politik zu überwinden? Und wie können gleichberechtigte Zugänge zu Gesundheitsversorgung auf der Grundlage von Gesundheit als Menschenrecht geschaffen werden?

Impressionen

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Unser Programm

Diskussion: Politik, Mensch und Macht im digitalen Post-Corona-Zeitalter

Die Corona-Pandemie hat der Nutzung digitaler Informationstechnologie und datenbasierter Analyse einen nie dagewesenen Schub verliehen. Gleichzeitig haben Falschinformationen und Manipulationen im virtuellen Raum in den letzten Jahren wissenschaftliche und politische Debatten unterhöhlt und damit zur Schwächung demokratischer Institutionen beigetragen. Die Nutzung datenbasierter Informationen zur gezielten Steuerung von Meinungs-und Mehrheitsbildung ist kein neues Phänomen, sondern reicht bis in die Zeit des Kalten Krieges zurück.

Was unterscheidet die digitale Öffentlichkeit heute von den Netzwerken und „wenn – dann – Berechnungen“ der Vergangenheit? Wie wirkt sich “Big Data” auf demokratische Prozesse und Institutionen aus? Und was bedeutet das für die freie Meinungsäußerung und den demokratischen Streit?

Mit Cathryn Clüver Ashbrook, Niall Ferguson, Marietje Schaake, Jamie Susskind

Diskussion: Bündnisse und Bruchlinien Europas in Zeiten des Wandels

Kurz vor der Jahrtausendwende war Europa ein Kontinent im Aufbruch. Die europäische Teilung schien überwunden, die geplante Osterweiterung der EU weckte Hoffnungen auf eine gemeinsame Zukunft, in der der deutsch-französischen Motor durch das Weimarer Dreieck ergänzt würde. Doch die Umbruchs- und Krisenjahre 2008, 2015 und zuletzt 2020 haben historische Bündnislinien aufgebrochen und neue, flexible Allianzen entstehen lassen.

Wie lässt sich die aktuelle Allianz- und Bündnispolitik innerhalb der EU vor dem Hintergrund europäischer Geschichte des 20. Jahrhunderts einordnen? Wie haben das Corona-Virus und „das Jahr, das nicht stattfand“ die politische, wirtschaftliche und die gesellschaftliche Solidarität in der EU verändert? Und welche Lehren hält die „historische“ Corona-Krise für die Zukunft bereit?

Mit Nora Bossong, Geert Mak, Ariane Reimers, Alexander Stubb, Justin Vaïsse

Diskussion: Globale Gesundheitsversorgung zwischen Gleichbehandlung, nationalen Eigeninteressen und fragiler internationaler Ordnung

Die Corona-Pandemie hat nicht nur die Gesundheitssysteme weltweit vor historische Herausforderungen gestellt, sie hat auch Fragen globaler Gesundheitsversorgung neue Dringlichkeit verliehen.

Welche Grundlagen bietet das internationale Völkerrecht als Bestandteil der globalen Ordnung nach 1945 für gleichberechtigte Zugänge zur medizinischen Versorgung? Wie sind die international verbrieften und vereinbarten Rechtsansprüche in Vergangenheit und Gegenwart auf den Prüfstand gestellt worden? Und wie kann internationale Zusammenarbeit in gesundheitlichen Präventions- und Versorgungsmaßnahmen gegen nationalstaatliche Eigeninteressen ausbalanciert werden?

Mit Agnes Binagwaho, Mark Honigsbaum, Sven Stockrahm, Armin von Bogdandy, Charlie Weller

Diskussion: Alles ganz einfach? Der verführerische Reiz des Autoritären

Die Corona-Pandemie und die politischen Maßnahmen zu ihrer Eindämmung haben auch die Debatte über den „Reiz des Autoritären“ und die „Verführungen des Populismus“ neu entfacht. Der Sturm auf das Kapitol in den USA, das Schwenken von Reichsflaggen vor dem Deutschen Bundestag und die Protestbewegung der Gelbwesten in Frankreich verdeutlichen die Ablehnung demokratisch legitimierter Institutionen und Verfahren in einigen Teilen der Bevölkerung und eine wachsende Sympathie gegenüber autoritären, aufklärungsfeindlichen Strukturen und Ideologien.

Welche Bedingungen haben den Aufstieg autoritärer und antidemokratischer Kräfte in der Vergangenheit begünstigt? Welche Spielarten von Autoritarismus und Populismus prägen die Gegenwart? Und wie kann dem Misstrauen gegenüber institutioneller demokratischer Politik und ihren Akteuren wirksam entgegengetreten werden?

Mit Ruth Ben-Ghiat, Jan-Werner Müller, Constanze Stelzenmüller

Diskussion: Wie gewonnen, so zerronnen? Staatsverschuldung und Krisenbewältigung

Das „historische Krisenjahr“ 2020 hat die Wirtschaft weltweit vor große Herausforderungen gestellt und eine neue Debatte über die Rolle von Staaten und Staatsfinanzen als Ordnungskraft entfacht. Staatsverschuldung in Krisensituationen lässt sich historisch bis zum Beginn der Moderne zurückverfolgen, wenn auch unter anderen Rahmenbedingungen.

Wie und mit welcher Zielsetzung wurde Staatsverschuldung in der Vergangenheit eingesetzt? Welche Voraussetzungen gelten für gemeinschaftliche Verschuldung, beispielsweise auf europäischer Ebene, und welche Konsequenzen sind zu berücksichtigen? Und wer zahlt die Zeche, wenn die Staatsverschuldung in Krisenzeiten wächst?

Mit Claudia Buch, Silvia Merler, Quinn Slobodian, Marc Beise

Diskussion: Wie Schwarz ist Europa? Historische Wurzeln und gesellschaftliche Folgen von Rassismus

Die #BlackLivesMatter-Bewegung hat auch in den Gesellschaften Europas notwendige und überfällige Debatten über Benachteiligung, Ausgrenzung und rassistische Gewalt gegenüber Schwarzen Menschen in Gang gesetzt. Welche blinden Flecken gilt es hier mit Blick auf die Geschichte des Rassismus im Rahmen kolonialer Expansion und weißen Überlegenheitsdenkens aufzuarbeiten? Welche politischen, rechtlichen, ökonomischen und kulturellen Praktiken bilden die Grundlage für strukturellen Rassismus gegenüber Schwarzen Menschen? Und was sollte eine Politik leisten, die gleichberechtigte Repräsentationsmöglichkeiten in Politik und Gesellschaft zum Ziel hat?

Mit Fatima El-Tayeb, Momodou Malcolm Jallow, Olivette Otele, Christine Gerberding

Das ganze Programm 2021

Highlight Speaker:innen

Cathryn Clüver Ashbrook
Ruth Ben-Ghiat
Agnes Binagwaho
Niall Ferguson
Geert Mak
Jan-Werner Müller
Olivette Otele
Quinn Slobodian

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