Wettbewerb: Weggehen – Ankommen. Migration in der Geschichte "Chilene von Herzen und Deutscher von der Kultur". Chilenische Immigranten in Hannover
Klasse 13; Gymnasium Isernhagen
30916 Isernhagen, Niedersachsen, Deutschland
#2003-1436
Die Verf. untersucht die Aufnahme der chilenischen Emigranten während der Pinochet-Diktatur in der Stadt Hannover, die sich als erste bundesrepublikanische Stadt 1973 zur Aufnahme chilenischer Flüchtlinge bereit erklärt hatte. Grundlage und zentraler Ausgangspunkt der Darstellung sind Gespräche mit betroffenen chilenischen und deutschen Zeitzeugen, die durch vielfältiges Material aus Archiven, von Behörden und Verbänden und aus Bibliotheken ergänzt werden. In einem ersten Teil klärt die Verf. die politischen Voraussetzungen in Chile, die zur Auswanderung ihrer Zeitzeugen führten, und geht dabei auf die Präsidentschaft Allendes 1970 bis 1973 und den Putsch und die Diktatur Pinochets 1973 bis 1990 ein. Nach einer kurzen Vorstellung ihrer Interviewpartner und der Darstellung der Gründe für die Flucht aus ihrer alten Heimat 1973/74 schildert die Verf. in einem zweiten Teil in vielfältigen Aspekten die Aufnahme und Integration der Neuankömmlinge in Hannover aus der doppelten Perspektive der Immigranten und der Aufnahmebevölkerung. Sie beschreibt die Unterbringung, die Arbeits- und Berufsprobleme, die Sprachschwierigkeiten, die Probleme mit dem ungewohnten Klima, das zum Teil schwierige Verhältnis zur einheimischen Bevölkerung, die seelischen Probleme der chilenischen Immigranten sowie die Hilfen zur Eingliederung von Behörden und Privatpersonen. Dabei stellt sie fest, dass die Fremdheit zwischen Deutschen und Chilenen vor allem auf die unterschiedliche Sprache zurückzuführen war, womit Sprache zum wesentlichen Schlüssel von Integration oder Nichtintegration wurde. Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Frage nach dem Heimatverständnis der Exil-Chilenen, die zum Zeitpunkt der Gespräche bereits 30 Jahre in Deutschland gelebt haben. Um auch die deutsche Seite zu beleuchten, fragt die Verf. darüber hinaus nach den Motiven der Einheimischen, sich um völlig fremde Menschen zu kümmern, sowie nach den Beweggründen der Stadt Hannover, diese politischen Flüchtlinge aufzunehmen. Als Fallbeispiele für die Chile-Solidarität der chilenischen Flüchtlinge in Hannover beschäftigt sich die Verf. abschließend mit der "Kinderhilfe Chile" sowie mit einigen politischen Protestaktionen der Flüchtlinge.
Literaturverzeichnis
75 S., ms., ill. mit Fotos, Grafiken, Anhang, 105 S.: Dokumentenkopien, Interviewtranskripte
Quellen
Zeitzeugeninterviews, Experteninformationen, Bestände des Hauptstaatsarchivs Hannover, des Stadtarchivs Hannover, von Behörden und Verbänden, Bestände aus privatem Besitz, Zeitungsartikel, Sekundärliteratur, Internet