Wettbewerb: Sich regen bringt Segen? Arbeit in der Geschichte "Ich habe immer nur Sozialarbeit gemacht" - Frauenarbeit in der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt

1. Preis
2005
von der Heide, Clemens
kein Tutor

Klasse 13; Christophorusschule, Gymnasium

38104 Braunschweig, Niedersachsen, Deutschland

#2005-0981

Der Verf. setzt sich mit der Berufsbiografie seiner Großmutter (Jg.1914) und ihrer Rolle im Nationalsozialismus auseinander: Als Leiterin eines Kindergartens stellte sich Anita von der Heide seit 1937 zunehmend in den Dienst des nationalsozialistischen Staates. Vor allem anhand einer Vielzahl persönlicher Quellen aus dem Familienarchiv - darunter Aufzeichnungen der Protagonistin aus verschiedenen Jahren - und auf der Grundlage intensiver Interviews mit seiner Großmutter beschreibt der Verf. den Arbeitsalltag im Kindergarten vor und während des Krieges und die Tätigkeiten seiner Großmutter ab 1942 in der Kreisleitung der NS-Wohlfahrt. Dabei interessiert er sich vor allem für die Frage, warum sich die "kleinen Leute" in das NS-System einbinden ließen und inwiefern sie mit ihrer Arbeit Schuld auf sich geladen haben.

Literaturverzeichnis

189 S., ms., ill. mit Fotos, Abb. und Dokumentenkopien, Anhang (64 S.): Interviewtranskripte, Zeitzeugenberichte

Quellen

Der erste Teil befasst sich mit der Kindheit, Schulzeit und Ausbildung der Großmutter zur Kinderpflegerin sowie mit den ersten Anstellungen bei zwei Familien. Mit der Übernahme der Leitung des NSV-Kindergartens in Börßum 1937 begann für Anita von der Heide ein neuer Lebensabschnitt. Der Verf. schildert vor dem Hintergrund allgemeiner Informationen zu den Zielen und der Entwicklung der Nationalsozialistischen Volkswirtschaft anschaulich und detailreich die Arbeit seiner Großmutter im Kindergarten (u.a. Spiele, Basteleien, Aufführungen), ihre Tätigkeit als Mitarbeiterin der NSV-Kreisreferentin, die später abgebrochene Ausbildung zur Volkspflegerin sowie ihre Arbeit als NSV-Kreissachbearbeiterin in Wolfenbüttel. In allen Passagen des Beitrags gelingt dem Verf. mit der Verknüpfung von persönlicher Erinnerung und sozialgeschichtlicher Einordnung eine Perspektive, die nah an der Zeitzeugin bleibt. Obwohl es primär um Biografisches geht, entsteht um dieses herum ein außerordentlich dichtes und zugleich weit gespanntes Bild der Zeit, das wiederum die persönlichen Entwicklungen und Handlungen verständlich macht.