Wettbewerb: Sich regen bringt Segen? Arbeit in der Geschichte "Ein Beruf wie jeder andere auch ...?!" Studien zum Prostitutions- und Bordellwesen in der Geschichte der Stadt Mainz
Klasse 12; Rabanus-Maurus-Gymnasium
55118 Mainz, Rheinland-Pfalz, Deutschland
#2005-0957
Die Verf. befasst sich mit der Geschichte der Prostitution in ihrer Heimatstadt. Eingebettet in eine allgemeine Kulturgeschichte der Prostitution, schildert sie vielfältige Aspekte des Gewerbes in Mainz seit dem Mittelalter. Sie geht dabei auch der Frage nach der Abhängigkeit von Prostitution vom politischen und sozialen Umfeld nach. Die materiale Grundlage ist vielfältig und umfangreich: zahlreiche Gespräche u.a. mit Frauen aus Hilfsorganisationen, einer ehemaligen rumänischen Zwangsprostituierten und einem männlichen Beschäftigten des Mainzer Bordells "Crazy", mit Freunden getätigte Anrufe bei entsprechenden Telefonnummern, Erkundungen vor Ort, Bestände des Mainzer Stadtarchivs, Zeitungsartikel, einschlägige Literatur sowie Informationen aus dem Internet. Die Untersuchung des eher abseitigen Themas beeindruckt u.a. durch die Offenheit, Hartnäckigkeit und Zielstrebigkeit, mit der sich die Verf. über alle Widerstände und Tabuschranken hinwegzusetzen vermocht hat.
Literaturverzeichnis
78 S., ms., ill. mit Fotos, Abb. und Dokumenten, Anhang (43 S.): Interviewprotokolle, Fragebögen
Quellen
Der erste Teil befasst sich mit der Geschichte der Prostitution. Die Verf. erläutert kurz, wie das Prostitutionswesen in verschiedenen Kulturkreisen aussah und wie es sich im Laufe der Zeit entwickelte. Im Anschluss werden verschiedene Aspekte der Prostitution in Mainz im Mittelalter, in der Kaiserzeit und in der Gegenwart dargestellt. Die Verf. stellt dabei u.a. die vielschichtige und teilweise ambivalente Rolle der sitten- und gesundheitspolizeilichen Überwachungsorgane in der langen Zeitspanne des restriktiven und stigmatisierenden Umgangs mit den Prostituierten bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts heraus. Im dritten Teil geht es am Beispiel von weiblichen Angestellten des Gesundheitsamtes in den 1960er Jahren und einer (Selbst-)Hilfeorganisation in der Tradition der Frauenbewegung um die Betreuung bzw. Kontrolle der Prostituierten. Dabei macht die Verf. den Wandel in der Prostitution und ihrer gesellschaftlichen Wahrnehmung sowie die unterschiedlichen Zugangsweisen zwischen Kontrolle und Unterstützung deutlich. Schließlich schildert die Verf. im vierten Teil die Fallgeschichten einer Mainzer Prostituierten um 1900 und einer ehemaligen rumänischen Zwangsprostituierten in Mainz. Eindrucksvoll zeigen die Beispiele den jeweiligen Umgang mit der Prostitution im Mainz der Jahrhundertwende und der Gegenwart sowie die Chancen, aus dem Prostituiertenmilieu auszusteigen.