Wettbewerb: Ärgernis, Aufsehen, Empörung: Skandale in der Geschichte Dank und Anerkennung für einen NS-Massenmörder
Klasse 11, Gymnasium Athenaeum, Gymnasium
21680 Stade, Niedersachsen, Deutschland
#2011-0945
Gustav Wolters war 1941/1942 Mitglied des Polizeireferats des Einsatzkommandos 9, das in den besetzten Gebieten der Sowjetunion Massenerschießungen vornahm. Nach eigenen Aussagen war Wolters drei Mal als Schütze an den NS-Morden beteiligt. 1947 wurde er zu 13 Jahren Haft verurteilt, 1950 wieder freigelassen. Als Feinkosthändler war Wolters einerseits zwar ein angesehener Stader Bürger, dennoch hielt sich das Getuschel über seine SS-Vergangenheit. Zu Wolters Geschäftsaufgabe 2002 initiierte der Bürgermeister der Stadt Stade einen Dankesbrief von Bundeskanzler Gerhard Schröder – erst als der Brief an Wolters ausgestellt wurde, nahm der Bürgermeister von dessen NS-Verbrechen und dem Stadtgespräch Kenntnis. Die Arbeit von Rouven Stahl beschäftigt sich am Fallbeispiel des Gustav Wolters mit dem Umgang mit NS-Kriegsverbrechern in der Nachkriegszeit. Durch Auswertung zahlreicher Archivmaterialien, Zeitungsartikeln sowie Fachliteratur und Experteninterviews entsteht eine Arbeit, die eine »Skandalspur« der fehlenden Auseinandersetzung mit dem NS-Terror in der Stader Gesellschaft nachzeichnet.