Foto: Claudia Höhne

Preisgekrönte Arbeiten

Über 156.000 Schülerinnen und Schüler haben sich seit 1973 mit rund 36.400 Projekten beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten beteiligt. In unserer Online-Datenbank können Sie über 5.700 preisgekrönte Wettbewerbsarbeiten recherchieren, die im Archiv der Körber-Stiftung für Forschungszwecke bereitgehalten werden

Für die Geschichts-AG des Wilhelm-Hittorf-Gymnasium war sehr schnell klar, dass sie ein historisches Brettspiel entwickeln wollten. Der reproduzierte historische Stadtplan als Spielbrett und die selbst gestalteten Spielfiguren sind jedoch nur eine Ebene des Wettbewerbsbeitrags, der Elemente von Brett-, Rollen- und Wissensspielen kombiniert. Die Spieler:innen können in die Rolle von drei historischen Personen aus der Zeit der Täuferherrschaft schlüpfen und erleben im Spielverlauf verschiedene Schlüsselszenen aus diesem Kapitel der Stadtgeschichte. Hierzu erarbeiteten die Schüler:innen umfangreiche Rollenhefte mit Spiel- und Hintergrundinformationen. Weitere Spielpunkte können durch einen historischen Quizteil erworben werden. Durch die verschiedenen Ebenen und die Verwendung von historischen Vorlagen vermittelt das Spiel ein Bild der Stadtgesellschaft im 16. Jahrhundert und zeigt die Radikalisierung der Täuferbewegung bis zu deren militärischer Niederlage und Zerschlagung.

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Die Flucht vor den Nationalsozialisten führte ab den 1930er Jahren zu jüdischen Exilen in weiten Teilen der Welt. Eines dieser Exile war das Ghetto Hongkew in Shanghai, welches jüdischen Geflüchteten als letzte offene Zuflucht diente. Hanshu Zhang analysiert die diplomatischen, politischen und sozialen Hintergründe in ihrem Beitrag. Dabei kommt es ihr darauf an, die Perspektive der jüdischen Organisationen zentral miteinzubeziehen und in Resonanz mit der japanischen Regierung zu stellen. Diese kontrollierte ab 1941 Shanghai vollständig und wies ambivalente Einstellungen zur jüdischen Bevölkerung auf – einerseits schwankte sie zwischen antisemitischen Einflüssen, andererseits sah sie Vorteile in der Nutzung internationaler jüdischer Netzwerke. Um sich dieses Forschungsgebiet zu erschließen, las und übersetzte die Schülerin über 70 japanische Dokumente aus dem Nationalarchiv Japans, da deutsche, englische und chinesische Quellen nicht zugänglich waren.

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Florence Gossets Großeltern wohnen in der Nähe der tschechischen Grenze. Da ihr keine sichtbaren Grenzen auffielen, beschloss sie im Zuge des Geschichtswettbewerbs, sich intensiver mit der deutsch-tschechischen Grenze auseinanderzusetzen. Für ihre Arbeit orientierte sie sich an drei geschichtlichen Ereignissen: 1945, dem Ende des Zweiten Weltkrieges; 1968, dem Prager Frühling; und 1989, dem Jahr des Mauerfalls. Für ihre Recherche untersuchte sie Akten aus unterschiedlichen Archiven, unter anderem aus dem Militärarchiv Freiburg, sprach mit Zeitzeugen und besuchte das Grenzgebiet. Ihre Ergebnisse fasste sie in einem illustrierten Podcast zusammen.

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Bereits in den 1930er Jahren fuhr Annaliese Teetz oft als Mann verkleidet auf Schiffen mit, da Frauen offiziell nicht zur Seefahrt zugelassen waren. Trotz dieser frühen Benachteiligung erwarb sie im Jahre 1955 als erste deutsche Frau das Kapitänspatent und kämpfte ihr Leben lang gegen gesellschaftliche Vorurteile und gesetzliche Hindernisse in der Seefahrt. Obwohl sie eine Sondergenehmigung und die nötigen Qualifikationen besaß, wurde sie dennoch nie von einer Reederei als Kapitänin eingesetzt. In ihrem Beitrag fragt Lara Ahlers, inwiefern Teetz in ihrer Position als Kapitänin die gesellschaftlichen Grenzen für Frauen in der Seefahrt beeinflusste und wie sie trotz der sozialen und institutionellen Hürden versuchte, sich in der Seefahrt durchzusetzen. Die Schülerin führte dafür Archivrecherchen durch, wertete den Schriftverkehr zwischen Teetz und dem Reichsministerium aus und führte Interviews mit Zeitzeug:innen, Seefrauen und Familienangehörigen wie der Nichte von Teetz.

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Flüssigkristalle sind ein wichtiger Bestandteil moderner Medientechnik – unter der englischen Abkürzung LCD finden sie sich in Anzeigen und Monitoren jeglicher Art und Größe. Diese Nutzung wäre ohne den Wissenschaftler Otto Lehmann nicht möglich gewesen. Der Physiker forschte Ende des 19. Jahrhunderts zu und mit Flüssigkristallen und entwickelte dafür eine eigene Mikroskopietechnik, die auch kommerziell erfolgreich war. Dennoch waren einige seiner Grundannahmen zu Flüssigkristallen umstritten, da sie damals gängigen Erklärungsmodellen widersprachen. Dies führte zu offen und oft auch persönlich ausgetragenen Konflikten Lehmanns mit Kollegen, Fachgesellschaften und Zeitschriftenredaktionen. Theo Balthasar, Arthur Kirbach und Tudor Vostinar werteten private Aufzeichnungen und vor allem Briefwechsel Lehmanns aus dem Institut des Karlsruher Instituts für Technologie aus, dessen Vorgängereinrichtungen fast 30 Jahre lang die wissenschaftliche Heimat Lehmanns waren.

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Zehn Schüler:innen aus verschiedenen Schulen, darunter die Grundschule Obertraubling, die Bischof-Manfred-Müller-Grundschule Regensburg, das Albrecht-Altdorfer-Gymnasium sowie das Gymnasium Neutraubling, haben sich im Rahmen eines Projekts der Gemeinde- und Pfarrbücherei Obertraubling zusammengefunden. In ihrem Beitrag setzen sich die Verfasser:innen mit dem Friedhof Obertraubling auseinander. Dabei zeigen sie eine vielfältige Themenauswahl: So wird unter anderem die Friedhofsgeschichte erläutert, Beerdigungstraditionen im Wandel der Zeit dargestellt sowie ein historischer Dorfskandal um einen Totengräber erzählt. Die Schüler:innen, die die dritte bis siebte Klasse besuchen, recherchierten im Gemeindearchiv, der Pfarrei sowie im Staatsarchiv Amberg. Interviews mit einer Bestatterin, einem Friedhofsgärtner, einer Sterbebildsammlerin und Urnenkünstlerinnen ergänzten ihre Recherchearbeit. Ihre Ergebnisse präsentieren sie in einem multimedialen E-Book mit QR-Codes zu Audioaufnahmen.

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Mit einer Webseite möchte Ellie Kristin Becker junge Menschen für die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff begeistern. Diese fasziniert sie nämlich nicht nur wegen ihrer Nachbarschaft zur Burg Hülshoff und ihren Gedichten, sondern auch als eigenständige und gebildete Frau im 19. Jahrhundert. Neben dem Leben und den Werken Droste-Hülshoffs beschäftigte sich die Siebtklässlerin daher auch mit den Lebensumständen und Rollenbildern von Frauen zur damaligen Zeit. Sie stellte fest, dass die Dichterin, die die gleiche Schulbildung genoss wie ihre Brüder, sich ihrer Privilegien bewusst war und in einigen ihrer Gedichte die ungleichen Chancen von Frauen anprangerte. Neben Literatur über die Schriftstellerin und ihren Gedichten recherchierte die Schülerin in historischen Zeitungen nach zeitgenössischen Rezensionen und Nachrufen. Außerdem wertete sie Briefe aus der Familie aus, die sie auf ihrer Webseite auch im Volltext veröffentlichte.

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Marwa Al-Barazanchi, Safa Al-Barazanchi und Sophia Rahlmann beschäftigen sich in ihrem Film mit den Grenzsteinen, die seit 1613 die Grenze von der Weser bis zur Eiter markierten. Ausgehend von dem Grenzstein zwischen ihrer Heimatgemeinde Martfeld und der Nachbargemeinde Schwarme beleuchten die Schülerinnen die Entstehung und Gestaltung der Grenze und erzählen von einem langanhaltenden Konflikt zwischen den Gemeinden, die heute beide zur Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen gehören. Außerdem gehen sie der Frage nach, was mit den Grenzsteinen nach dem Ende ihres ursprünglichen Verwendungszwecks geschah. Der Film begleitet die Mädchen auf ihrem Rechercheweg: Sie suchten Grenzsteine auf und befragten Bewohner:innen zu deren Geschichte. Dabei entdeckten sie sogar den in Vergessenheit geratenen Grenzstein Nummer 3 wieder. Zusätzlich interviewten sie verschiedene Experten und besuchten für ihre Recherche das Gemeindearchiv sowie das Schloss Erbhof.

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Philipp Lamers erzählt die Geschichte einer deutsch-französischen Liebe in Zeiten des Zweiten Weltkriegs. Sein Großonkel kam 1940 als Fahrer für die „Organisation Todt“ in die Bretagne, um bei Bauprojekten des NS-Regimes im besetzten Frankreich zu helfen. Aus gesundheitlichen Gründen war er nicht wehrdiensttauglich, sondern wurde stattdessen für diesen Arbeitsdienst verpflichtet. Dort verliebte er sich in eine junge Französin. Obwohl sie seine Gefühle erwiderten, durften beide zunächst nicht heiraten. Die gemeinsame Tochter wurde 1943 unehelich geboren. Nach einer kurzen gemeinsamen Familienzeit folgten Jahre der Trennung durch Versetzung, Gefangenschaft und die rechtliche Unsicherheit der Nachkriegszeit. Erst 1949 fand die Familie in Deutschland wieder zusammen, im August des Jahres heirateten die Eltern. Philipp Lamers rekonstruierte diese Geschichte mit zahlreichen deutschen und französischen Briefen aus dem Familiennachlass, die er mit historischen Hintergrundinformationen und Fotos sowie eigenen Zeichnungen anreicherte.

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Im Schengenraum können sich Menschen heute in der Regel ohne Passkontrollen frei bewegen. Vor dem Schengener Abkommen war das Leben der Menschen durch Grenzen stark beeinflusst – so auch das der Vorfahren des Teilnehmers. In seinem Film beschäftigt er sich mit der Geschichte seiner niederländisch-deutschen Familie. Dabei zeigt er nicht nur die geografischen Grenzen, die das Familienleben beeinflussten, sondern auch die sozialen Barrieren, die durch die Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs entstanden. Um dies verständlich zu machen, lieferte der Sechstklässler historische Hintergründe und befragte seine Familie zu den damaligen Beziehungen zwischen den Niederlanden und der Bundesrepublik. In den Gesprächen treten Anton Justus Huiskes und seine Familie für ein Europa ohne Grenzen ein. Für seinen Beitrag nutzte der Schüler neben den Zeitzeugeninterviews auch Bilder, Fotografien und Literatur.

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In den 1970er Jahren gewann die Studentenbewegung immer mehr an Einfluss und stieß gesellschaftliche Debatten an. Ein Fallbeispiel aus Gießen nahmen zwei Schüler zum Anlass, die gegensätzlichen Ordnungsvorstellungen zwischen dem selbstverwalteten Jugendzentrum Kanzleiberg und dem CDU-Magistrat der Stadt zu beleuchten. Im Vordergrund stehen dabei die vom Magistrat geforderte Auflagen für das Jugendzentrum und die Auflehnung der Jugendlichen gegen diese Auflagen. Dabei ermitteln die Schüler neben den historischen Hintergründen des Konfliktes auch dessen Verlauf, die Rolle der Medien und interpretieren diesen Konflikt als ein Kampf um gesellschaftliche Grenzen und Normen. Für Ihren Beitrag nutzten sie Archivalien, Zeitungen, Literatur und Informationen von Webseiten.

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Eine Rundfahrt durch den Hamburger Hafen gab Anton Elias Lüdemann den Anstoß, zur Geschichte der Seemannsmission zu forschen. In seinem Podcast geht er der Frage nach, wie die Deutsche Seemannsmission Seeleute seit ihrer Gründung im Jahre 1897 dabei unterstützte, mit vielfältigen kulturellen, religiösen sowie emotionalen Grenzen und Herausforderungen umzugehen. In seinem Beitrag zeigt der Schüler, wie sich die Mission von einer christlichen Anlaufstelle zu einem internationalen Ort der Wohltätigkeit entwickelte. Dabei arbeitet er heraus, dass insbesondere der Hamburger Seemannsclub ‚Duckdalben‘ heute für Offenheit, Unterstützung und interkulturelle Verständigung steht. Um sich das Themenfeld zu erschließen, recherchierte der Sechstklässler eigenständig in Bibliotheken, arbeitete mit historischen Quellen und entwickelte Interviewfragen. Die Gespräche mit Experten und Zeitzeugen führte er mit der Unterstützung seiner Eltern, die ihm bei der Übersetzung ins Englische halfen.

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In ihrem Beitrag befassten sich Helena und Julia Palica mit den deutschen und polnischen Zwangsumsiedlungen infolge der Grenzverschiebung nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Die Autorinnen untersuchten sowohl die deutsche als auch die polnische Perspektive. Ihre Recherchen umfassten den Besuch von Archiven, Gedenk- und Dokumentationszentren in Deutschland und Polen. Darüber hinaus führten sie Interviews mit Menschen, die die Zwangsumsiedlung erlebt haben. Ein zentrales Anliegen der beiden war es, nicht nur die Ereignisse nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zu schildern, sondern auch ihre persönliche Familiengeschichte mit einzubeziehen. So gehörten ihre Großeltern ebenfalls zu den Personen, die ihre Heimat verlassen mussten. Als Präsentationsform wählten sie eine Website, die sie in deutscher und in polnischer Sprache konzipierten.

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Die Waldenser waren eine mittelalterliche Reformbewegung in Frankreich, die bereits im späten 12. Jahrhundert Ideen der späteren Reformation, wie die Ablehnung von Ablassen und Heiligenverehrung propagierten. Mit der Zentralisierung Frankreichs unter Ludwig XIV. wurden sie ab dem 17. Jahrhundert gemaßregelt und verfolgt. Gleichzeitig warb das lutherische Herzogtum Württemberg um neue Siedler:innen. Dadurch etablierte sich um 1700 im württembergische Ort Heimsheim eine waldensische Gemeinde. Christoph Dilger erforschte ihre Entstehung und die Gründung des eigenen Stadtteils Perouse. Neben seinem historischen Forschungsgegenstand fragte der Elftklässler auch nach der aktuellen Bedeutung von Grenzen und Ausgrenzung und interviewte einen Landtagsabgeordneten und einen Geflüchteten aus dem Iran. Um den verschiedenen zeitlichen und inhaltlichen Ebenen gerecht zu werden, wählte er als Präsentationsform ein Nachrichtenmagazin mit verschiedenen Themenartikeln.

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Nicolas Birkenheiner setzte sich in seinem Beitrag mit dem Leben des saarländischen Karikaturisten Bob Strauch auseinander. Dieser musste aufgrund seiner regimekritischen Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus Deutschland verlassen. Nach dem Ende des Krieges kehrte er zurück nach Deutschland und übernahm eine Stelle als Zeichenlehrer an der Marienschule Saarbrücken. Nicolas Birkenheier führte im Zuge des Wettbewerbs Gespräche mit Zeitzeug:innen, Historiker:innen und dem Sohn von Herrn Strauch. Außerdem setzte er sich intensiv in Archiven mit Originaldokumenten auseinander. Besonders hervorzuheben ist seine Suche nach der verschollenen Karikatur zum Reichstagsbrand. Zwar konnte der Teilnehmer diese nicht finden, dennoch wurde dadurch deutlich, wie engagiert er sich mit seinem Beitrag auseinandersetzte.

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Die Nähe ihrer Schule zur Elbe und zur ehemaligen innerdeutschen Grenze zwischen BRD und DDR inspirierte vier Schüler:innen dazu, das Leben an der deutsch-deutschen Grenze während der Teilung zu erforschen. In ihrem Podcast gehen sie der Frage nach, wie Menschen auf beiden Seiten der Elbe miteinander kommunizierten und ihren Alltag gestalteten. Dafür interviewten die Jugendlichen Zeitzeug:innen von der anderen Seite der Elbe, die von ihren Erlebnissen und Erinnerungen in der DDR berichten. Dabei fanden sie heraus: Besuche bei Verwandten auf der anderen Seite waren mit Aufwand verbunden, Telefonate bargen die Gefahr, abgehört zu werden, und Briefe konnten geöffnet werden – die Kommunikation gestaltete sich anders als heute, war aber nicht unmöglich. Neben den Herausforderungen kommen auch positive Erinnerungen zur Sprache. Ergänzend zu den Berichten der Zeitzeug:innen führten die Schüler:innen Gespräche mit Expert:innen und nutzten Archivmaterial sowie Literatur aus der Schulbibliothek.

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Im Jahr 1945 wurde im Rahmen des Potsdamer Abkommens die Oder-Neiße-Linie als Ostgrenze der DDR festgelegt. Doch was geschah mit den Menschen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten? Mit dieser Frage setzten sich zwei Schülerinnen in ihrem schriftlichen Beitrag auseinander. Die beiden Zwölftklässlerinnen legten ihren Schwerpunkt auf die Schwierigkeiten, die Geflüchtete beim Überschreiten der neuen Grenze erlebten, beleuchteten die logistischen Probleme bei der Versorgung und schilderten den Alltag der Ankommenden in der frühen Nachkriegszeit. Besonders hervor hoben sie dabei die Ausgrenzung und die mühsame Integration der Geflüchteten sowie die Hürden, die es zu überwinden galt. Geografisch verorteten sie ihren Beitrag vor allem in Wiesbaden und stellten damit einen konkreten lokalen Bezug her. Für ihre Arbeit nutzten sie Archivalien aus dem Hessischen Hauptstaatsarchiv und dem Staatsarchiv Wiesbaden, ein Zeitzeugeninterview sowie Fachliteratur.

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Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurden auf Stalins Anweisung mehr als 30.000 Siebenbürger Sachsen, einer deutschstämmigen Minderheit in Rumänien, in sowjetische Arbeitslager deportiert. Die Deportation wurde als eine Reparationsleistung für die Zerstörungen in der Sowjetunion während des Zweiten Weltkriegs angesehen. Die Geschichte dieser deutschen Minderheit – von der anfänglichen Siedlung in Rumänien über die Deportationen bis hin zur Rückkehr nach Deutschland – wird von Theodor Ludwig Fuchs und Theresa Katharina Schneider in ihrem Beitrag thematisiert. Filmisch aufbereitet setzen sie sich mit der Frage auseinander, welchen generationenübergreifenden Einfluss die Deportation hatte. Dazu interviewten sie zwei Töchter von Katharina Bonicke, die im Zuge von Stalins Befehl ihre Heimat verlassen musste.

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Der Musiker und Lyriker Wolf Biermann, ein ehemaliger Schüler der Heinrich-Hertz-Schule in Hamburg, siedelte im Jahre 1953 als Jugendlicher freiwillig in die Deutsche Demokratische Republik um. Dieser Umstand veranlasste die Klasse 10e der Heinrich-Hertz-Schule, den Lebensweg und die Entscheidungen Wolf Biermanns nachzuverfolgen. Sie fand heraus, dass Biermann die Aufarbeitung der NS-Zeit bemängelte und sich in der DDR eine bessere politische Realität erhoffte, die jedoch nach dem Umzug zunehmend in Enttäuschung und Widerstand umschlug. Die Schüler:innen der Klasse 10e präsentieren ihre Ergebnisse in einem Theaterstück, in welchem sie in acht Szenen die Lebensgeschichte Biermanns nachstellen. Dafür recherchierten sie in Büchern sowie über Zeitzeugenarchive und führten Interviews mit Zeitzeug:innen.

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Dass eine Autobahn Räume und Orte teilen kann, ist nachvollziehbar. Der Ausbau des „Ruhrschnellwegs“ von der Bundesstraße zur Autobahn sorgte in der Stadt Bochum für einige Änderungen der Stadtstruktur. Grünflächen und Freizeitangebote verschwanden, 70 Privathaushalte mussten umgesiedelt werden. Solche Probleme der Verkehrs- und Stadtplanung gab es auch in anderen deutschen Städten. Dass ein Autobahnverlauf eine soziale Grenze markiert, erscheint hingegen einmalig. Doch gibt es einige Indizien, die dafürsprechen, dass die Viertel nördlich und südlich der Autobahn tatsächlich deutliche Unterschiede in sozialer, wirtschaftlicher und politischer Hinsicht aufweisen. Martha Leidorf, Will Weyen und Hannah Wiggershaus erstellten einen Dokumentarfilm, der aktuelle und historische Aufnahmen des Autobahnverlaufs kombiniert und mit zahlreichen Quellen zeigt, welche Entwicklungen zum Nord-Süd-Gefälle im Ruhrgebiet beigetragen haben.

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„Bisterdo destin“ bedeutet „Vergessenes Schicksal“ auf Romanes, der Sprache der Roma. Diesen Titel wählte Johanna Lenz für ihr Theaterstück, in dem eine heutige Schülerin und deren Großmutter die Geschichte der Diskriminierung von Sinti und Roma ergründen. Auch in dieser Familie gab es Opfer des Porajmos – der systematischen Verfolgung und Ermordung von Sinti und Roma in der NS-Zeit. Doch in den Gesprächen von Enkelin und Großmutter wird klar, dass Vorurteile und Diskriminierungen lange vor dem NS-Regime begannen und teilweise bis heute fortbestehen. In einem ausführlichen Anhang erläutert die Autorin die historischen Hintergründe und genutzten Quellen zu jeder einzelnen Szene ihres fiktiven Textes. Drei dieser Szenen inszenierte und filmte sie zudem mit dem Theaterkurs ihrer Schule, so dass sich nicht nur der historische Kontext, sondern auch die Idee und das Potenzial eines Bühnenstücks zum Thema Antiziganismus erschließen.

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Die sogenannte „Doppelte Staatsgründung“ 1949 und die damit einhergehende Teilung Deutschlands ist fester Bestandteil des Geschichtsunterrichts. Ein Jahr zuvor kam es in Korea ebenfalls zu einer doppelten Staatsgründung, aus der das heutige Nord- und Südkorea hervorgingen. Ihr nimmt sich Jinju Sophia Kang in ihrer Zeitschrift zur Grenze zwischen Südkorea und Nordkorea an. Die Zwölftklässlerin rückt neben den historischen Prozess der Staatsgründung und Grenzziehung vor allem die kulturellen und ideologischen Unterschiede in den Fokus. Sie beschäftigt sich dazu mit den Auswirkungen des Koreakrieges auf ihre Familie und insbesondere auf die Biografien ihrer Großeltern. Dazu beleuchtet die Schülerin familiäre Beziehungen, die Vorstellung von „Heimat“ und die sprachliche Identität. Für ihren Beitrag nutzte sie neben Literatur und Webseiten auch eigene Bilder, die von ihrer Familie aufbewahrt wurden.

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Vom späten Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert hinein war die Stoff- und Tuchherstellung ein wichtiger Wirtschaftszweig in Aachen. Neben den bereits seit der Römerzeit gut ausgebauten Verkehrswegen war es laut Jeanne Dautzenberg, Katharina Esser und Laura Hassler auch die grenznahe Lage, die die Entwicklung des Textilgewerbes förderte. Durch den „Blick über den Tellerrand“ und die Zusammenarbeit mit dem Umland konnten bereits zur Zeit des Zunftwesens Probleme gelöst werden, die aus überkommenen technischen oder ständischen Vorstellungen entstanden. Für die industrielle Revolution, die im 19. Jahrhundert auch die Stadt und ihre Textilbranche erfasste, war diese Offenheit ein großer Erfolgsfaktor, wie die Achtklässlerinnen in ihrem Podcast zeigen. Die Aachener Textilindustrie importierte Knowhow, Maschinen und Personal aus Belgien und Großbritannien und wurde somit zu einem attraktiven Standort für Investoren, die wiederum oft aus dem benachbarten Ausland kamen.

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Über mehrere Jahrzehnte verlief mitten durch das Gebäude der heutigen Christian-Timm-Schule in Rendsburg eine Mauer. Ursprünglich 1929 als gemeinsame Schule eröffnet, wurde sie später aufgrund steigender Schülerzahlen in eine Jungen- und eine Mädchenschule aufgeteilt. Die Mauer trennte diese räumlich voneinander. Obwohl bereits ab 1972 sukzessive die Koedukation eingeführt wurde, wurde die Mauer erst 1992 eingerissen und beide Schulen vereinten sich zur Christian-Timm-Schule. In einer Präsentation stellen sechs Schüler:innen die Geschichte ihrer Schule vor und vergleichen dabei Bilder von früher und heute. Besonders hilfreich war dabei das eigene Schularchiv, aber auch Gespräche mit Zeitzeug:innen halfen ihnen zu verstehen, warum die Mauer damals errichtet wurde. Dabei erfuhren die Teilnehmenden auch, warum so viele Schüler:innen und Lehrkräfte gegen die Zusammenlegung waren: Einige fürchteten zu viel Anonymität, andere empfanden eine gewisse Konkurrenz mit der jeweils anderen Schule.

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In ihrem Beitrag thematisiert Sophia Britanow die Deportationen der Wolgadeutschen während des Zweiten Weltkrieges. Mithilfe historischer Quellen und familieninterner Dokumente rekonstruiert sie das Leben ihres Urgroßvaters Alexander Deobald, der im Jahr 1941 nach Kasachstan deportiert und in ein Arbeitslager eingewiesen wurde. Herausfordernd war für sie dabei, Angaben ihrer Familienmitglieder nicht zu berücksichtigen, wenn diese sich nicht belegen ließen. Ferner legt sie einen Blick auf die Zeit der Auswanderung ihrer Familie nach Deutschland in den 1990er Jahren und Ausführungen zu Fragen von Identität und Zugehörigkeit. Die Schülerin nutzt ihre Familiengeschichte zudem als Beispiel, um einen Bezug zur gegenwärtigen politischen und gesellschaftlichen Situation in Deutschland herzustellen und appelliert dazu, sich rechtzeitig gegen Ausländerfeindlichkeit und Diskriminierung zu positionieren.

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Die Schülerinnen und Schüler der zehnten Klasse des Dr.-Carl-Hermann-Gymnasiums setzten sich in ihrem Wettbewerbsbeitrag mit der innerdeutschen Grenze in Hötensleben in den Jahren 1968 bis 1976 auseinander. Den Ausgangspunkt bildete der familiäre Bezug eines Teilnehmers, dessen Großvater als Grenzsoldat in Hötensleben tätig war. Die Gruppe untersuchte nicht nur die physischen Grenzanlagen, sondern ging auch der Frage nach, inwieweit es möglich war, sowohl die befestigte Grenze als auch die von der DDR vorgegebenen gesellschaftlichen Rollenmuster zu überwinden. Für ihre Recherche führten die Teilnehmenden Interviews mit Zeitzeugen wie Hubert Peuker, analysierten Lagepläne und Fachliteratur, besuchten die Gedenkstätte Marienborn sowie die Grenzanlage Hötensleben und erstellten ein Modell der Grenzbefestigungen. Die Ergebnisse fassten sie in einer filmischen Dokumentation zusammen.

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Marie Chesneau besucht eine Schule, in der Schüleraustausche einen großen Stellenwert besitzen. Aus diesem Grund stellte sie sich die Frage, welche Möglichkeiten des internationalen Austauschs die Schülerinnen und Schüler in der DDR hatten. Für ihren Beitrag setzte sie sich mit den Internationalen Sommerkursen an der Palucca Schule in Dresden auseinander. Das Ziel ihrer Arbeit ist es, herauszufinden, inwiefern ein Austausch über nationale, ideologische und politische Grenzen im Kontext des Kalten Krieges möglich war. Für ihre Recherche verwendete sie verschiedene Archivalien wie Programme, Briefe und Verwaltungsunterlagen aus dem Archiv der Palucca Hochschule für Tanz Dresden und erkennt in dem Fazit ihrer Arbeit eine vielschichtige Bedeutung der Sommerkurse an.

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Eine Arbeit, die bereits vor der Einreichung beim Geschichtswettbewerb einen Preis erhält? Dies gelang den vier Schüler:innen, die wenige Tage vor dem Einsendeschluss mit dem Heimatpreis der Stadt Geseke ausgezeichnet wurden. In ihrem Beitrag beschäftigten sie sich mit dem alten Verteidigungsanlagen ihrer Heimatstadt. Diese Landwehren waren ein System von Wallanlagen, Gräben und Türmen – den sogenannten Warten – mit denen sich Städte ab dem Spätmittelalter gegen feindliche Truppenbewegungen schützten. Nachdem sie die Funktion und Geschichte der Geseker Landwehren im Stadtarchiv und im Gespräch mit einem Historiker erforscht hatten, machte sich die Gruppe in und um Geseke auf die Suche nach den Resten der ehemaligen Landwehren. Da sie an vielen Stellen fündig wurden, entwickelten sie die Idee eines Radwegs mit Erläuterungstafeln. Mit diesem Vorschlag bewarben sie sich erfolgreich um den Heimatpreis, mit dessen Preisgeld der Radweg hoffentlich noch in diesem Jahr umgesetzt werden kann.

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Erik Benten erzählt in seinem Beitrag von einem kleinen Ort im Emsland, der während des Zweiten Weltkriegs verschwand. Bereits 1877 errichtete die Firma Krupp nahe Meppen einen Schießplatz, auf dem bis über den Ersten Weltkrieg hinaus Artillerie getestet und entwickelt wurde. Mit der Vorbereitung auf den Zweiten Weltkrieg wurde der Schießplatz stetig erweitert, sodass 1937 die Gemeinde Wahn weichen musste. Die Enteignung und Umsiedlung der Bewohner:innen erfolgte im Einklang mit der nationalsozialistischen Rechtslage, die unter anderem für solche Situationen ausgelegt war. Der Schüler betont dennoch die rechtliche Willkür des NS-Regimes und die moralische Grenze, die mit der Enteignung und Umsiedlung der Wahner:innen überschritten wurde. Für seinen Beitrag besuchte er die Erinnerungsstätte Wahn, interviewte Zeitzeug:innen und recherchierte im Kreisarchiv Emsland, im Niedersächsischen Landesarchiv sowie im Archiv der Familie Krupp.

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Ab 1967 beginnt die Geschichte der sog. Vertragsarbeiter:innen in der DDR. Ein neun-köpfiges Team der Gutenberg-Oberschule stellt diese Geschichte in einem Doku-mentationsfilm dar. Der Film erzählt von Menschen, die ohne Integrationsabsicht vom DDR-Staat aus den sogenannten „sozialistischen Bruderstaaten“ abgeworben wurden. Er beleuchtet die historischen Hintergründe, zeigt Spuren innerhalb Berlins und wird durch Interviews mit Zeitzeug:innen lebendig. Den beteiligten Schüler:innen gelingt es, für ihren Film unterschiedliche Perspektiven einzufangen. Sie erzählen Geschichten von Interaktion, aber auch von Ausgrenzung, sie zeigen die damalige Situation von Vertragsarbeiter:innen, wie es ihnen und ihren Nachkommen heute geht. Die Zehntklässler:innen haben eine Vielzahl an Quellen recherchiert und unter anderem in der Gedenkstätte Hohenschönhausen, im Stadtmuseum Lichtenberg sowie bei der Vereinigung der Vietnamesen in Berlin und Brandenburg e.V. geforscht.

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In einem umfangreichen Comic illustriert die Arbeitsgemeinschaft einer Greifswalder Grundschule nicht nur eine Episode aus der Kindheit des Gelehrten Augustin von Balthasar, sondern zeigt auch, welche Grenzen die Geschichte ihrer Stadt vor 300 Jahren prägten. Zu zeittypischen Grenzen, wie Standesunterschieden und der Ausgrenzung anderer Religionen, kamen in Greifswald Spannungen und Unterschiede zwischen der deutschen und der schwedischen Bevölkerung. Die Stadt gehörte seit dem Dreißigjährigen Krieg zu Schweden, das seine Kontrolle durch die Entsendung von Soldaten und Beamten weiter festigen wollte. Angeleitet von ihrer Tutorin unternahmen die Grundschulkinder zahlreiche Recherchen und Exkursionen. Sie besuchten das Pommersche Landesmuseum und das Stadtarchiv, führten ein Experteninterview zum Bürgertum der Frühen Neuzeit und konnten Original-Karten aus der „Schwedenzeit“ einsehen. Ihre Comicgeschichte setzten sie mit einer App aus handgezeichneten Grafiken und getippten Texten zusammen.

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Ausgehend von ihrer Familiengeschichte beschreibt Marie Langen den Umgang der DDR mit politischem und sozialem Ungehorsam und die Aufnahme politischer Gefangener und ihrer Familien durch die Bundesrepublik. Ihr Großvater hatte nämlich nach verschiedenen öffentlichen Differenzen mit dem SED-Regime einen Ausreiseantrag gestellt und war danach über ein Jahr lang inhaftiert. Mitte der 1980er gelangten er und seine Familie durch einen „Freikauf“ von Gefangenen dann doch nach Westdeutschland. Die Autorin erzählt diese Ereignisse anhand von fiktiven Briefen verschiedener Familienmitglieder, die sie in einen historischen Text einbettet, der viele Facetten der deutsch-deutschen Geschichte analysiert: Vom Propaganda- und Polizeiapparat der DDR über Flucht- und Austauschmöglichkeiten für Oppositionelle bis zum Umgang mit ehemaligen Gefangenen nach der deutschen Wiedervereinigung. Ihr Großvater selbst lebt nicht mehr, aber andere Familienmitglieder halfen mit Gesprächen und Dokumenten bei der Recherche.

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Im Jahr 1981 floh Dr. Anna Thomae, die Großmutter von Ainara Thomae, aus dem damals sozialistischen Rumänien in die BRD. Die Sechstklässlerin stellt die Fluchtgeschichte ihrer Großmutter in den Kontext einer größeren Auswanderungsbewegung Deutschstämmiger aus Rumänien nach Deutschland. Der Beitrag zeigt eindrucksvoll, dass dabei nicht nur staatliche Grenzen überschritten wurden, sondern auch emotionale und familiäre Hürden während der Flucht und beim Neuanfang in Deutschland eine bedeutende Rolle spielten. In dem professionell gestalteten Podcast kommen neben der Großmutter selbst auch der Onkel der Schülerin, der zunächst in Rumänien zurückbleiben musste, sowie ihr Vater zu Wort. Damit lebt der Beitrag von einer vielfältigen familiären Sicht auf die eigene Familiengeschichte. Mithilfe von Fotoalben und weiteren Quellen wie Postkarten der Großmutter sowie Internetquellen bereitete die Schülerin das Thema inhaltlich auf.

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„Wie kann eine Schule sich nicht bewegen und trotzdem zu verschiedenen Ländern gehören?“ Dieser Frage gingen neun Schüler:innen der ersten und dritten Klasse der Grundschule Etzhorn nach. Sie fanden heraus, dass ihre Schule wenige Jahre nach ihrer Gründung 1658 zunächst an das Königreich Dänemark fiel, von 1811 bis 1814 unter Napoleon zu Frankreich gehörte und nach dem Zweiten Weltkrieg Teil der britischen Besatzungszone wurde. Mit Recherchen an historischen Schauplätzen, in Museen und im Staatsarchiv Oldenburg sowie durch Interviews mit Zeitzeug:innen versuchten die Kinder nachzuvollziehen, was diese Veränderungen für das Leben der Menschen in Etzhorn bedeuteten. So werteten sie etwa den Brief eines Oldenburgers aus, der im 19. Jahrhundert für Frankreich in der Armee dienen musste, oder sie recherchierten zum Zusammenleben der deutschen Bevölkerung mit kanadischen Soldaten nach dem Zweiten Weltkrieg. Ihre Ergebnisse hielten die Schüler:innen schließlich in einem selbst erarbeiteten Theaterstück fest.

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Levin Salomon Fürst wurde in eine jüdische Familie geboren und lebte sowohl privat als auch geschäftlich in einem jüdischen Umfeld. 1802 konvertierte er zum Christentum. Verwundert über diese Entscheidung recherchierte Maximilian Angert den Lebenslauf und die Beweggründe Fürsts. Dabei stellt er fest, dass sich Fürst nicht aus religiösen, sondern aus rechtlichen und sozialen Gründen taufen ließ: Kurz zuvor verlor er einen zehnjährigen Prozess gegen die Stadt Hamburg, in dem er vergeblich auf Wohnrecht klagte. Mit diesem Schritt wollte er dem im 19. Jahrhundert allgegenwärtigen Antisemitismus entkommen. Die Taufe ermöglichte ihm zwar einen sozialen Aufstieg und bürgerliche Rechte, ging aber mit der Aufgabe seiner jüdischen Identität einher. Für seinen Beitrag forschte der Schüler in Archiven, analysierte Prozessakten in einem Umfang von 1.300 Seiten, die er selbst digitalisierte, und wertete Briefe, Verordnungen sowie eine Karte zu jüdischen Siedlungsgebieten in Hamburg aus.

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Zwei Tage nach der Flucht seines Bruders aus der DDR wurde Jürgen Eggert von der Stasi verhaftet. Wegen Fluchtverdachts wurde er zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Das erste Jahr verbrachte Eggert in Einzelhaft, danach spann er in einem Arbeitslager Jute. Wegen seines Geschicks erledigte er die Arbeit oft schneller als verlangt, verweigerte jedoch Mehrarbeit und widersetzte sich den Funktionären. Auch nach seiner Freilassung leistete Eggert weiter Widerstand und versuchte zu fliehen. Nachdem 1974 sein Ausreiseantrag genehmigt wurde, unterstützte er DDR-Bürger:innen vom Westen aus bei ihrer Flucht. Das Zeitzeugengespräch, welches Clara Edner mit Jürgen Eggert führte, schnitt die Schülerin zu einem Podcast zusammen. Aus dem eindrücklichen Gespräch zieht die Zehntklässlerin die Erkenntnis, dass es vor allem Resilienz und Zivilcourage braucht, um sich in einem autoritären Staat selbst treu zu bleiben – und das heißt auch, Nein sagen zu können.

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Beim Thema „Grenzen“ dachte der Wahlpflichtkurs der Gemeinschaftshauptschule Erkelenz sehr schnell an den Tagebau Garzweiler. Dieser lag „vor der Haustür“, verschob geografische Grenzen und ließ ganze Dörfer verschwinden. Damit einher ging eine Überschreitung vieler persönlicher Grenzen der umgesiedelten Einwohnerschaft. Und schließlich wurde – gerade in jüngster Vergangenheit – öfter die Frage gestellt, welche sozialen und ökologischen Grenzen große Unternehmen einhalten müssen. Um all diese Dimensionen zu berücksichtigen, suchten die Schüler:innen möglichst vielfältige Interviewpartner:innen heraus. In ihrem Dokumentarfilm kommt ein Pressesprecher des RWE-Konzerns ebenso zu Wort wie eine Aktivistin der Protestbewegung Lützerath. Auch zwei umgesiedelte Anwohner standen als Zeitzeugen zur Verfügung. Ergänzt um historische Bilder und Dokumente zur Umsiedlung aus dem Stadtarchiv Erkelenz dokumentieren die Sechstklässler so die Entwicklung des Tagebaus bis in die jüngste Vergangenheit.

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Anne Apitz‘ Großmutter wohnt in einem Dorf direkt an der polnisch-ukrainischen Grenze. Ihre Urgroßmutter stammte aus einer polnischen Familie in Lemberg, dem heutigen Lwiw in der Ukraine. In ihren ersten zwei Lebensjahrzehnten war sie österreich-ungarische Staatsbürgerin, danach hatte sie die polnische Staatsangehörigkeit. Mit Materialien aus dem Familienbesitz fertigte die Neuntklässlerin ein Tagebuch der beiden Frauen an, das zeigt wie sich in der Heimatregion ihrer Familie mütterlicherseits nicht nur die geografischen Grenzen des Öfteren verschoben. Die Folgen von Kriegen, Konflikten und Revolutionen waren vor Ort immer spürbar. Die Familie der Autorin musste beispielsweise vor ukrainischen Freischärlern fliehen und ihr Urgroßvater starb früh an den Folgen der Haft in einem deutschen Kriegsgefangenenlager. Nach Abschluss der Arbeit möchte die Autorin den Text vom Deutschen ins Polnische übersetzen und ihrer Großmutter, die sie mit Fotos, Dokumenten und ihren Erinnerungen unterstützte, zum Lesen schicken.

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Wie stand ein junger Student in den späten 1930er Jahren zum Nationalsozialismus? Und wie wirkten sich Fronteinsatz und Kriegsgefangenschaft auf einen jungen Menschen aus? Diesen Fragen ging Jonathan Rabus anhand der Tagebücher seines Urgroßvaters nach, die dieser regelmäßig geführt hatte und die bis auf eine Ausnahme überliefert sind. Der Schüler übertrug die Einträge – teilweise mit Hilfe der Software „Transkribus“ – und analysierte, wie das Denken und die Sprache des NS-Regimes seinen Urgroßvater in jungen Jahren prägten. Die Propaganda hinterließ auch bei ihm Spuren, obwohl er aus christlicher Überzeugung kein Nationalsozialist war und während seines ersten Kriegseinsatzes beispielsweise Mitleid mit der polnischen Bevölkerung empfand. Neben den Gedanken und der Biografie seines Urgroßvaters, die der Autor mit zahlreichen Bildern aus dem Familienbesitz illustriert, beschäftigt sich die Arbeit auch ausführlich mit der Interpretation von Tagebüchern als historischer Quelle.

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In den 1930er Jahren galt Milo Barus als der stärkste Mann der Welt. Bereits mit 18 Jahren nahm er an den mitteleuropäischen Ringermeisterschaften teil. Nachdem einer seiner Gegner bei einem Unfall im Kampf tödlich verunglückte, wandte sich Barus jedoch vom Ringen ab. Fortan tourte er als Schwerathlet durch die ganze Welt. Barus war aber nicht nur Kraftakrobat, sondern engagierte sich auch politisch. Weil er Sozialdemokrat war, wurde er im Nationalsozialismus von 1936 bis 1941 inhaftiert. Um das Leben des Kraftathleten zu veranschaulichen, gestaltete Ole Böttger ein Plakat und verfasste einen Forschungsbericht. Darin zeigt der Schüler, wie Barus durch seine körperliche Kraft immer wieder physische Grenzen überwand und durch seine Reisen geografische Grenzen überquerte. Zudem beleuchtet der Teilnehmer, dass Barus aufgrund seines Eintretens für die Sozialdemokratie auch mit politischen Hindernissen rang, die ihn aber nicht davon abhielten, sich weiter für seine Überzeugungen einzusetzen. Ab 1956 war er Gastwirt im Eisenberger Mühltal bei Weißenborn und trat weiterhin als Kraftakrobat auf.

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Die vier Autorinnen engagieren sich in ihren katholischen Kirchengemeinden. Zwei von ihnen sind aktive Messdienerinnen – ein Dienst, den Mädchen erst seit wenigen Jahrzehnten wahrnehmen können. Die Diskussion um die Zulassung von Mädchen als Ministrantinnen ist das Thema ihres Beitrags, der aus einer längeren schriftlichen Arbeit und einem Kurzfilm besteht. Die Sechstklässlerinnen führten Gespräche mit vier Zeitzeug:innen aus verschiedenen Gemeinden, analysierten Briefwechsel aus dem Archiv des Bistums Münster und lasen sich in Fachliteratur zum Kirchenrecht ein. Dabei stießen die Schülerinnen immer wieder auf das Wettbewerbsthema Grenzen – nicht nur wegen der langen Zeit starren Grenze zwischen den Geschlechtern. Da die Einführung von Ministrantinnen zunächst den einzelnen Pfarreien überlassen blieb, wurden auch Grenzen zwischen einzelnen Pfarrgemeinden sowie fortschrittlichen und konservativen Gläubigen deutlich.

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Rina Giorgetti pendelte während ihrer gesamten Kindheit und Jugend zwischen Deutschland und Italien. Ihr Vater führte einen Betrieb in Mönchengladbach, die Kinder wurden jedoch in Italien eingeschult. Als junge Erwachsene half sie im Mönchengladbacher Eiscafé von Bekannten aus, das auch während des Zweiten Weltkriegs geöffnet blieb. Nach dem Tod ihres Mannes bei einem Luftangriff war sie mit Anfang 20 alleinerziehende Mutter von zwei Kindern. Nach einigen Jahren in Italien und der Schweiz kehrte sie nach Deutschland zurück und eröffnete in Viersen 1952 ihr eigenes Eiscafé. Ihre Urenkelin Stella Peters beschreibt in ihrer Wettbewerbsarbeit, dass Rina Giorgetti neben der Mobilität in Europa noch weitere Grenzen überschritt. Eine Frau als Gründerin und alleinige Chefin war etwa Anfang der 1950er Jahre sehr ungewöhnlich. Und italienische Eiscafés hatten in der frühen Bundesrepublik auch sozial eine grenzüberschreitende Funktion: in kaum einem anderen Lokal kamen Menschen verschiedener Generationen und Schichten so ungezwungen zusammen.

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1941 wurde Robert Stark als Häftling im Konzentrationslager Sachsenhausen interniert. Er gehörte zur Häftlingsgruppe der sogenannten „Berufsverbrecher“, die in der öffentlichen Wahrnehmung meist keine große Rolle spielt. Zwei Zehntklässler gingen in ihrem Beitrag den Fragen nach, wer diese Personen waren, welche Ausgrenzungen sie erlitten und welche Auswirkungen nach dem Kriegsende noch zu spüren waren. Robert Stark, der Urgroßvater des einen Teilnehmers, starb im Konzentrationslager. Mit seinem Schicksal im Mittelpunkt führten die Schüler Interviews mit Expert:innen und arbeiteten mit der Gedenkstätte Sachsenhausen sowie dem Hessischen Hauptstaatsarchiv zusammen. Sie schildern neben den Umständen für die Inhaftierung Robert Starks auch den Alltag im Konzentrationslager und die Stigmatisierung als „Berufsverbrecher“.

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Der Wettlauf um die Erkundung des Weltalls datiert zwischen der russischen Sputnik-Mission 1957 und der US-amerikanischen Mondlandung 1969 und ist als „Space Race“ allgemein bekannt. Die Rolle der Sternwarte Bochum und ihres wissenschaftlichen Leiters Heinz Kaminski wurde hingegen nicht so breit rezipiert. Er gehörte zu den wenigen westlichen Wissenschaftler:innen, die in der Lage waren, die Funksignale des ersten sowjetischen Satelliten zu empfangen und zu entschlüsseln. In der Folge wurden er und die Bochumer Sternwarte aktiv in die „Apollo“-Mondmissionen der USA einbezogen und hatten somit eine herausgehobene Stellung in der bundesdeutschen Astrophysik. Katharina Schmitz und Mathilda Storek erstellten eine Webseite, in der sie den Beitrag der Bochumer Sternwarte und ihres Leiters zum „Space Race“ analysieren und die Wechselwirkungen zwischen wissenschaftlicher Forschung und politischer Agenda hinterfragen.

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„Was verschlägt zigtausende Spanier:innen aus ihrer sonnigen Heimat ins regnerische Hamburg?“, leiten die Schüler:innen der Klasse 10c ihren Podcast ein. Dort befassen sie sich mit der Migration spanischer Gastarbeiter:innen in den 1960er und 1970er Jahren. Sie erläutern die Gründe für die Auswanderung, die sie in einen politischen sowie historischen Kontext einordnen. Zusätzlich geben sie einen Einblick in die kulturellen und gesellschaftlichen Hürden, welche die Gastarbeiter:innen in der Bundesrepublik Deutschland zu überwinden hatten. Um die Geschichten und Einzelschicksale der Gastarbeiter:innen nachzuverfolgen, leisteten die Schüler:innen Archivarbeit und führten Zeitzeugeninterviews mit den Großeltern zweier Mitschüler:innen, die sie vom Spanischen ins Deutsche übersetzten.

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Die Urgroßeltern von Sophia Theocharidis kamen im Zuge des deutsch-griechischen Anwerbeankommens für sogenannte Gastarbeiter nach Deutschland. Nach mehreren mehrmonatigen Aufenthalten in Deutschland siedelten sie auch mit ihren Kindern um. 1995 zogen sie nach über 30 Jahren in Deutschland jedoch zurück in ihre alte Heimat. Auf einer Webseite erzählt ihre Urenkelin die Familiengeschichte und weist auf Parallelen und Unterschiede zur allgemeinen Migrationsgeschichte von Griechenland nach Deutschland hin. Sie beschreibt auch, wie sich in einzelnen Fabriken oder Städten griechische – und andere nationale – „Communitys“ mit eigenen Vereinen und Kirchengemeinden bildeten und schätzt diese ambivalent ein. Eindeutig beurteilt sie hingegen die wichtige Bedeutung von Sprache und Spracherwerb, der gerade bei der ersten Generation von „Gastarbeiter:innen“ zu wenig gefördert wurde. Aus diesem Grund geht die Zehntklässlerin regelmäßig zum „herkunftssprachlichen Unterricht“, damit sie über die Sprache mit der Heimat ihrer Groß- und Urgroßeltern verbunden bleibt.

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Schmuggel, Bandenkriminalität und Verfolgungsjagden mit Schusswechseln in den Dörfern zwischen Aachen und Eifel? Was heute absurd klingt, war in den Nachkriegsjahren handfeste Realität. Die hohe Kaffeesteuer in Deutschland und die günstigen Einkaufspreise in Belgien machten den Schmuggel von unverzolltem Kaffee über die grüne Grenze zu einem lukrativen Geschäft. Um den Kaffeeschmuggel bildeten sich tatsächlich organisierte Banden. Doch auch für Privatpersonen oder Familien war der illegale Kaffeehandel ein willkommener Zuverdienst. In einem schwarz-weiß gedrehten kurzen Spielfilm stellte die Klasse der Gesamtschule Brand die Geschichte zweier Brüder nach, die sich zur Unterstützung ihrer Familie als Kaffeeschmuggler versuchen. Bei der Flucht vor einer Zollkontrolle wird der jüngere der beiden erschossen. Wenn auch die meisten Szenen fiktiv sind: der Konflikt zwischen Zoll und Schmugglern forderte tatsächlich mehre Todesopfer. Das jüngste von ihnen war mit 14 Jahren der im Film dargestellte Horst Klinger.

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Nudžejma Polutak hat für ihren Beitrag eine Ausstellung über Migration und die Migrationsgeschichte ihrer Großeltern konzipiert. Diese kamen in den 1970er Jahren aus Bosnien und Herzegowina als Gastarbeiter:innen nach Deutschland. Die Schülerin geht der zentralen Frage nach, welche kulturellen, sprachlichen und gesellschaftlichen Hindernisse Migrant:innen in den 1970er Jahren erlebten und wie sie diese überwinden konnten. Dabei beleuchtet sie konkrete Probleme aus dem Lebensalltag als Gastarbeiter:in. Die Infotafeln ihrer Ausstellung kombiniert die Jugendliche mit digitalen Elementen – etwa Videosequenzen aus dem Interview mit ihren Großeltern, Podcastepisoden oder eine virtuelle Zugfahrt, die die Ankunft der Gastarbeiter:innen in Deutschland oder die Emotionen ihrer Abreise darstellt. Die Schülerin führte ein Interview mit ihren Großeltern und recherchierte im Landesarchiv Osnabrück, in der Universitätsbibliothek Osnabrück und in der Schulbibliothek.

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Im Ersten Weltkrieg wurden insgesamt 11 Milliarden Briefe mit der Feldpost verschickt. Briefe waren für die Soldaten die einzige Möglichkeit, ihren Verwandten ein Lebenszeichen zukommen zu lassen und vom Leben an der Front zu berichten. Welche Wege die Briefe zurücklegten und welche Grenzen sie dabei überquerten, untersuchten vier Schülerinnen anhand von Briefen an Albert Posse. Der in Holzengel ansässige Landwirt erhielt während des Ersten Weltkriegs zahlreiche Briefe von Freunden und Verwandten an der Front. Die Zwölftklässlerinnen sortierten die Briefe nach Absendern und analysierten deren Inhalt sowie die Motive der Postkarten. Besonders herausfordernd war es für sie, die Texte zu entziffern. Diese waren über die Jahre verblasst und zudem in Kurrentschrift geschrieben, einer altdeutschen Schreibschrift aus dem 16. Jahrhundert. Aus ihren Ergebnissen erstellten die Teilnehmerinnen Ausstellungsplakate für einen Museumsrundgang.

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Heutzutage besuchen viele Kinder mit Migrationshintergrund die Astrid-Lindgren-Grundschule. Manche haben sogar selbst eine Flucht durchlebt und mit ihren Familien für einige Zeit einer Flüchtlingsunterkunft gewohnt. Aufgrund dieser persönlichen Erfahrungen haben sich 13 Schüler:innen auf Spurensuche begeben, um herauszufinden, ob es an ihrer Schule auch früher schon Schüler:innen aus anderen Ländern gab. Dafür recherchierten die Fünftklässler:innen im Stadtarchiv und sprachen mit Zeitzeug:innen. Unter anderem interviewten sie Dieter Rufenach, der in den 1970er Jahren das Hotel Lunik leitete. In diesem Hotel wurden damals chilenische Staatsbürger:innen untergebracht, die vor der Militärdiktatur Pinochets geflüchtet waren. Im Rahmen einer Exkursion konnten die Schüler:innen das Hotel sogar selbst besuchen und sich einen Eindruck davon verschaffen, wie die Geflüchteten damals untergebracht waren. Aus den Ergebnissen der Recherche und ihren eigenen Erfahrungen erstellten sie ein E-Book.

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