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„Im Schulunterricht ist das kaum möglich“
Im vergangenen Jahr haben Preisträger:innen des Geschichtswettbewerbs zum wiederholten Male am Sächsischen Geschichtscamp teilgenommen. Das Geschichtscamp ist ein Kooperationsprojekt der Körber-Stiftung mit dem Landesamt für Schule und Bildung in Sachsen sowie dem Bundesarchiv und besteht bereits seit 2012. Dabei ermöglicht der Geschichtswettbewerb ausgewählten Preisträger:innen die Teilnahme an einem mehrtägigen Workshop-Programm.
Eine der beteiligten Preisträgerinnen des letzten Wettbewerbs 2024/25 war Elisa Liebrecht. Sie gewann mit ihrem Beitrag zur Rolle der Kirche in der Friedensbewegung der DDR einen Landessieg in Mecklenburg-Vorpommern und bewarb sich dann für eine Teilnahme.
Anne Kohstall sprach mit Elisa über ihre Erfahrungen beim Geschichtscamp.

Elisa, als Preisträgerin des Geschichtswettbewerbs hast du die Möglichkeit bekommen, dich beim Sächsischen Geschichtscamp zu bewerben. Was hat dich an der Ausschreibung für das Camp besonders interessiert?
Ich habe mich für das Camp beworben, weil es mir die Möglichkeit bot, mich eine Woche intensiv mit einem besonderen Teil der deutschen Geschichte auseinanderzusetzen – etwas, das im Schulunterricht kaum möglich ist. Die Ausschreibung des letzten Geschichtscamps lautete ja: „Biete „Staatsfeinde“ – suche Westgeld! Politische Verfolgung in der DDR und das geheime Geschäft des deutsch-deutschen Häftlingsfreikaufs“. Bisher war zum Beispiel das Thema „Freikauf aus der DDR“ nicht Teil meines Unterrichts. Zwar behandelt der Unterricht die DDR-Geschichte, jedoch bleibt kaum Zeit für Exkurse zu spezifischen Themen.
Ich wollte zudem mein Wissen vertiefen und meine wissenschaftliche Arbeitsweise weiterentwickeln, da ich mich schon seit Jahren mit dem Schreiben von wissenschaftlichen Arbeiten im Bereich der Geschichte beschäftige. Besonders interessant war zudem die vielfältige und abwechslungsreiche Methodik der Ausschreibung. Im Nachhinein bin ich dem Geschichtswettbewerb sehr dankbar dafür, dass er mir diese Chance eröffnet hat.
Für welchen Workshop des Camps hast du dich entschieden und warum?
Ich habe mich für den Workshop „Wie entfliehe ich einer Diktatur? Auf den Spuren einer Flucht ins Ungewisse“ entschieden, weil mich interessiert hat, wie Menschen aus der DDR geflohen sind, welche Motive sie hatten und wie die Staatssicherheit auf solche Fluchten reagierte. Besonders spannend war für mich, welche Repressionen die Geflüchteten erlitten und wie ungewiss ihr Weg wirklich war.
In deinem Beitrag zum Geschichtswettbewerb 2024/25 hast du dich intensiv mit der deutschen Teilung auseinandergesetzt. Hat der Workshop Aspekte aus deinem Wettbewerbsbeitrag aufgegriffen?
Ja, im Rahmen des Workshops wurden zum Beispiel Repressionen durch die Staatssicherheit aufgegriffen. Wir sprachen etwa mit dem Zeitzeugen Thomas Drescher, der im Januar 1989 einen Fluchtversuch über die Mauer in Glienicke-Nordbahn unternahm, der aber scheiterte. Danach war Herr Drescher in Haft und musste Zwangsarbeit leisten bis er schließlich im Oktober 1989 durch die Bundesrepublik freigekauft wurde. Thomas Drescher gab uns auch Einblicke in sein Leben nach 1989 und seine Reaktion auf die Wiedervereinigung – Themen, die ich ebenfalls in meiner Arbeit behandelt habe. Außerdem konnten wir einzelne Stasi-Akten analysieren, die deutlich machten, wie subjektiv diese Dokumente damals verfasst wurden.
Was fandest du besonders spannend während der gemeinsamen Woche im Geschichtscamp? Was nimmst du für dich persönlich mit?
Die Woche im Geschichtscamp war sehr erlebnisreich, mit Highlights wie dem Besuch des Lern- und Gedenkorts Kaßberg, Gesprächen mit Zeitzeug:innen und Workshoparbeit am Rottluff-Gymnasium. Viele Freundschaften entstanden, und wir blieben auch nach dem Camp in Kontakt. Besonders spannend war der Austausch über die Beiträge zum Geschichtswettbewerb, da jeder das Thema auf seine eigene Weise behandelt hat. Für mich persönlich nehme ich mit, dass es sich lohnt, sich intensiv mit Geschichte auseinanderzusetzen, neue Arbeitsweisen zu entdecken und voneinander zu lernen. Das Camp und der Wettbewerb haben mich motiviert, meiner Leidenschaft für Geschichte weiter zu folgen und ich möchte später Professorin für Neuere Geschichte werden.

Ein Programmpunkt war der Besuch des Lern- und Gedenkorts Kaßberg. Während der deutschen Teilung diente das dortige Gefängnis als zentraler Ort des Häftlingsfreikaufs. Foto: Körber-Stiftung 
Elisa Liebrecht, Preisträgerin des Geschichtswettbewerbs 2024/25 Foto: Körber-Stiftung
Das Sächische Geschichtscamp 2026 findet in diesem Jahr vom 21. bis 25. September statt.
Alle Preisträger:innen des Geschichtswettbewerbs 2024/25 der Klassenstufen 9-13 haben in diesem Jahr erneut die Gelegenheit, sich in einem separaten Auswahlverfahren für das Sächsische Geschichtscamp zu bewerben – egal aus welchem Bundesland.
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