
Claudia Höhne/Körber-Stiftung
Exile Media Forum 2026
Das Exile Media Forum 2026 (EMF) findet am 13. und 14. Oktober in Hamburg statt. Das EMF lädt Medienschaffende im Exil dazu ein, aktuelle Herausforderungen im Exiljournalismus zu diskutieren, sich über Strategien auszutauschen und sich mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Zivilgesellschaft zu vernetzen.
Programm
Tag 1: Exile Media Forum
09:00–09:45 Registrierung
10:00–10:45 Eröffnung
- Grußwort von Eva Nemela (Körber-Stiftung)
- Keynote von Mohammad Bassiki (SIRAJ): Syrischer Exiljournalismus zwei Jahre nach dem Sturz der Assad-Diktaktur
10:45–11:45 Wenn die Verbindung getrennt wird: Exiljournalismus im Zeitalter des Digitalen Autoritarismus
Panel
Der mehrwöchige Internet-Shutdown im Iran zu Beginn des Jahres 2026 zielte darauf ab, den Informationsfluss im gesamten Land zu kontrollieren. Wie haben iranische Medienschaffende im Exil auf diesen Abbruch der Kommunikationswege reagiert? Wie ist er in den globalen Kontext der Kontrolle digitaler Informationsnetze einzuordnen? Welche Maßnahmen kann die Politik in Europa ergreifen, um der digitalen Abschottung anderer Länder entgegenzuwirken? Das Panel diskutiert mögliche Reaktionen auf Formen des digitalen Autoritarismus.
Speaker: Maziar Bahari (IranWire), Elena Epifanova (DGAP), TBA
Host: Steffen Wurzel (Deutschlandfunk)
11:45–12:15 Pause
12:15–13:15 Wenn Staaten Instrumente der internationalen Zusammenarbeit missbrauchen: transnationale Repression gegen exilierte Medienschaffende
Panel in Kooperation mit OSCE RFoM
Autoritäre Regierungen greifen exilierte Medienschaffende mit Instrumenten der internationalen Zusammenarbeit an, etwa mit dem Erwirken internationaler Fahndungen via Interpol, der Einschränkung des Zugangs zu Finanzdienstleistungen oder dem Entzug der Staatsbürgerschaft. Diese Formen transnationaler Repression (TNR) schränken die Bewegungsfreiheit von Medienschaffenden erheblich ein und können gravierende rechtliche Konsequenzen und finanzielle Schwierigkeiten bedeuten. Welche Maßnahmen werden ergriffen, um vor TNR zu schützen? Anknüpfend an das Panel über TNR in Deutschland im letzten Jahr, rückt diese Diskussion den globalen TNR-Kontext sowie internationale politische Antworten in den Fokus.
Einführung: Aidar Botagarov (OSCE RFoM)
Speaker: Izzy Cutts (Foreign Policy Centre), Rinat Tuhvatshin (Kloop),
Renaud de Villaine (OHCHR)
Moderation: Sahar Zand (Freiberufliche Journalistin)
13:15–14:15 Mittagspause
14:15–15:15 Parallele Deep Dives I
- Zwischen Heimat und Exil: Diaspora-Publikum verstehen und erreichen
Da es für Exilmedien immer schwieriger wird, ihr Publikum im Herkunftsland zu erreichen, gewinnt die Diaspora zunehmend an Bedeutung: Sie kann eine neue Zielgruppe und Einnahmequelle darstellen und bietet Räume für Community-Building. Dabei sind Diaspora-Communitys keineswegs homogen: Oftmals sind sie über verschiedene Länder verteilt und durch unterschiedliche Migrationswellen geprägt. Entsprechend unterscheiden sich ihre Informationsbedürfnisse und Beziehungen zu Exilmedien. Im Anschluss an Impulse von Echo und Hrodna geht dieser Deep Dive der Frage nach, wie Medien mit diesem Spannungsfeld umgehen und was sie voneinander lernen können.
Moderation: Maral Jekta (JX Fund)
- Transnationale Repression: ein interaktiver Erfahrungsaustausch
Gemeinsam mit Journalistinnen und Journalisten im Exil diskutieren Reporter ohne Grenzen über Unterstützungsangebote im Umgang mit transnationaler Repression (TNR). Interaktiv setzen sich die Teilnehmenden mit den Bedrohungen von TNR auseinander und erörtern, welche Gegenmaßnahmen sich bereits bewährt haben und wo weiterhin Lücken bestehen. Ziel des Deep Dives ist es, die Teilnehmenden zu informieren und sie im Umgang mit TNR zu stärken.
Wichtig: Der Deep Dive richtet sich ausschließlich an Journalistinnen und Journalisten im Exil. Input kann anonym gegeben werden.
Speaker: Ali Çelikkan und Lisa Kretschmer (Reporter Ohne Grenzen)
- Aus der Praxis für die Praxis: handlungsfähig bleiben im Exil
Ausgehend von den Erfahrungen von Voix en Exil, einem von SINGA geleiteten Projekt in Zusammenarbeit mit mehreren Organisationen, widmet sich dieser praxisorientierte Deep Dive der Frage, wie Medienschaffende im Exil ihre Arbeit als Freelancer, innerhalb eines Exilmediums oder mit dem Aufbau eines eigenen Projektes fortsetzen können. Teilnehmende können sich über Erfahrungen und Strategien austauschen, über Erfolge und Rückschläge sprechen und sich mit Kolleginnen und Kollegen vernetzen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen.
Speaker: Anoosha Ansari (Les Voix de l’Avenir), Khaled Khalaf (Marges Syriennes)
Moderation: Aniss Ould Rabah (SINGA)
- Community-Resilienz gegen digitalen Autoritarismus: wie Exilmedienschaffende lokale Helfernetzwerke etablieren können
Lange konzentrierten sich die Reaktionen auf Internet-Shutdowns, Überwachung und die Manipulation von Algorithmen auf die Entwicklung von Tools zur Umgehung von Internetsperren sowie auf Verschlüsselungsmethoden. Neue Forschungsergebnisse aus dem Iran zeigen jedoch, dass technische Lösungen ohne die Menschen vor Ort, die sie verstehen und anwenden können, nicht ausreichen. Dieser Deep Dive erklärt, wie Exilmedien Menschen in ihren Herkunftsländern ausfindig machen können, die anderen vor Ort die benötigten technischen Fähigkeiten vermitteln, um resiliente Informationsnetzwerke aufzubauen.
Moderation: Fereidoon Bashar (ASL19), Patrick Boehler (Gazzetta)
15:15–15:30 Pause
15:30–16:30 Parallele Deep Dives II
- Kein Sicherheitsnetz? Wie Exilmedien innovative Finanzierungsmodelle aufbauen
Seit 2025 bedrohen die Streichungen von US-Fördermitteln das Überleben vieler Exilredaktionen. Dennoch finden viele von ihnen Wege, sich an die neuen Bedingungen anzupassen. Dieser Deep Dive präsentiert die Ergebnisse einer JINN-Studie zu Monetarisierung, Einnahmemodellen und Strategien jenseits der Spendenfinanzierung. Im Anschluss an einen Impuls von Kirill Artemenko, Gründer und CEO von Paper, tauschen sich die Teilnehmenden über ihre Erfahrungen, Herausforderungen und Erfolge aus.
Speaker: Kirill Artemenko (Paper)
Moderation: Sergey Medvedev und Aigulle Sembaeva (JINN)
- Der Survival Room: Entscheidungsfindung unter Hochdruck
Dieser Deep Dive simuliert interaktiv eine Krise, in die Exilmedien geraten können. Ausgehend von einem realitätsnahen Szenario, das auf typischen Herausforderungen des Exiljournalismus basiert, entwickeln die Teilnehmenden gemeinsam Lösungsansätze und diskutieren Fragen der Resilienz, Sicherheit, Nachhaltigkeit und redaktionellen Unabhängigkeit.
Moderation: The Network of Exiled Media Outlets (NEMO)
- Mehr als nur eine Fusion: Zusammenarbeit in der Exilmedienlandschaft
Was bedeutet eine Fusion wirklich? Handelt es sich um eine Zusammenarbeit oder vielmehr um eine Übernahme? Unter Druck geratene Exilmedien schließen sich zusammen, oftmals ohne einen klaren Fahrplan. Während einige Zusammenschlüsse erfolgreich sind, haben andere wichtige Erkenntnisse geliefert, die bislang kaum öffentlich diskutiert worden sind. Diese Fishbowl-Diskussion geht der Frage nach, was eine erfolgreiche Fusion ausmacht, und zeigt auf, was im Falle des Scheiterns für ein Publikum verloren gehen kann, das auf Exilmedien angewiesen ist.
Speaker: Kamal Chomani (The Amargi), Ketevan Kavtaradze (Sinatle Media)
Moderation: Viera Zuborova (CORRECTIV.Exile)
- Stärkung der digitalen Sicherheit im Exil: praktische Strategien und Hilfsmittel
Dieser Deep Dive vermittelt afghanischen und anderen Medienschaffenden im Exil praxisnahe Strategien, Werkzeuge und Tipps zur Verbesserung ihrer digitalen Sicherheit, darunter Verschlüsselungstools, geschützte Kommunikationswege und Hinweise zum sicheren Surfen im Internet. In gemeinsamen Diskussionen und anhand praktischer Beispiele lernen die Teilnehmenden, wie sie ihre Identität, Quellen und journalistische Arbeit besser schützen können.
Moderation: Ahmad Quraishi (Afghanistan Journalists Center)
16:30–17:00 Pause
17:00–18:00 Wenn Exil der Normalzustand wird: Lateinamerika und die Zukunft der Pressefreiheit
Panel in Kooperation mit SembraMedia
Autoritäre Regierungen, organisierte Kriminalität, politisch motivierte Strafverfolgung und territoriale Gewalt machen journalistische Arbeit vielerorts in Lateinamerika unmöglich. Exil wird für viele Medienschaffende zur dauerhaften Realität. Wie kann unabhängiger Journalismus unter diesen Bedingungen bestehen? Ausgehend von den Erfahrungen von SembraMedia diskutiert das Panel, wie Redaktionen über Landesgrenzen hinweg weiterarbeiten, welchen Sicherheitsrisiken sie ausgesetzt sind und welche Unterstützungsstrukturen notwendig sind.
Speaker: Vania Pigeonutt (taz Panter Stiftung), Melisa Rabanales (freiberufliche Journalistin),
Nelson Rauda Zablah (GFNE)
Moderation: Sofi Álvarez (SembraMedia)
18:00 Schlussbemerkungen
… Danach: Ausklang im Körber-Foyer
Tag 2: Exile Media Lab
10:00–14:00 Fördermittel, Plattformen, Pitches und Netzwerke: wie Medienschaffende im Exil erfolgreich publizieren und dabei Geld verdienen
Workshop
Welchen beruflichen Herausforderungen stehen Journalistinnen und Journalisten im Exil gegenüber? Wie können sie ihre Arbeit finanzieren? Wo können sie ihre Themenvorschläge einreichen und Kooperationsmöglichkeiten finden? Dieser Workshop vermittelt praktisches Wissen über Möglichkeiten zur finanziellen Förderung, Story-Pitching und Veröffentlichung eigener Recherchen. Teilnehmende erhalten einen Überblick über europäische und globale Medienplattformen, die Zuschüsse, Stipendien und ähnliche Förderprogramme ausschreiben. Darüber hinaus lernen sie, ein überzeugendes berufliches Profil zu erstellen und sichtbar zu machen. Ebenfalls wird vermittelt, wie sich Teilnehmende ein professionelles Netzwerk aufbauen können, um inhaltlich auf dem neusten Stand und wettbewerbsfähig zu bleiben.
Moderation: Alexenia Dimitrova (Freiberufliche Journalistin und Medientrainerin)
Das Exile Media Forum ist Teil der Hamburger Woche der Pressefreiheit, eine Initiative der Körber-Stiftung und der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS.
Speaker
Die Partner des Exile Media Forums 2026











FAQs
In welcher Sprache findet die Konferenz statt?
Die Konferenzsprache ist Englisch.
Beinhaltet meine Anmeldung zum Exile Media Forum 2026 auch die Teilnahme am Exile Media Lab?
Nein, für die Teilnahme am Exile Media Lab ist eine separate Anmeldung erforderlich, und die Plätze sind begrenzt.
Wird die Konferenz live übertragen? Werden Fotos gemacht?
Es wird keinen Livestream des diesjährigen Exile Media Forum (EMF) geben. Für diejenigen, die nicht persönlich am EMF teilnehmen können, sich aber für die Themen der Konferenz interessieren, werden wir jedoch die Podiumsdiskussionen auf der Hauptbühne aufzeichnen (mit Ausnahme der Q&A-Runden und der Deep Dives). Dieses Material wird später online veröffentlicht. Bitte beachten Sie, dass Fotos von Konferenzteilnehmenden nicht veröffentlicht werden. Wir können jedoch nicht garantieren, dass andere Teilnehmende keine eigenen Fotos machen und diese veröffentlichen.
Gibt es eine Teilnahmegebühr für das EMF?
Das EMF ist kostenlos, eine Online-Anmeldung ist jedoch erforderlich. Wir empfehlen eine frühzeitige Anmeldung, da die Teilnehmendenzahl begrenzt ist und die Veranstaltung schnell ausgebucht sein kann.
Sind Hotelunterkünfte in der Anmeldung enthalten?
Reise- und Unterkunftskosten sind nicht in der EMF-Anmeldung enthalten. Von den Teilnehmenden des EMF wird erwartet, dass sie ihre Reisekosten selbst tragen. Für eine begrenzte Anzahl von Teilnehmenden können wir jedoch einen Reisekostenzuschuss innerhalb Deutschlands gewähren. Teilnehmende müssen für das EMF angemeldet sein, um einen Reisekostenzuschuss erhalten zu können.
Kontakt































