Foto: Claudia Höhne

Exile Media Forum 2025

Das siebte Exile Media Forum (EMF) fand am 04. und 05. November 2025 statt.

Wie kann Exiljournalismus angesichts des weltweit zunehmenden Drucks widerstandsfähig, wirkungsvoll und vernetzt bleiben? Das Exile Media Forum bietet Exiljournalistinnen und -journalisten, Hilfsorganisationen sowie internationalen Expertinnen und Experten eine Plattform zum Austausch, Reflektieren und Netzwerken. Am zweiten Tag bot das Exile Media Lab einen praktischen Workshop für investigativen Journalismus mit Open-Source-Intelligence-Methoden an.

Das Exile Media Forum ist Teil der Hamburger Woche der Pressefreiheit, einer Initiative der Körber-Stiftung und der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS.

Programm

Tag 1: Exile Media Forum

10:00–11:00 Eröffnung

  • Grußwort Eva Nemela (Körber-Stiftung)
  • Exile Media Forum: Rückblick auf Keynotes, Ausblick auf Heute
    Speaker: Katerina Abramova (Meduza), Lotfullah Najafizada (Amu TV)
    Moderation: Sonja Wimschulte (Körber-Stiftung)
  • Keynote: Amal Habani (Sudanese Journalists Network)

11:00–12:00 Panel: Neue Bedrohungen, neue Strategien? Zur Lage des Exiljournalismus
Speaker: Natalia Belikova (Belarus Press Club), Jan Braathu (Beauftragter für Medienfreiheit der OSZE​​​), Jodie Ginsberg (Committee to Protect Journalists)
Moderation: Brigitte Baetz (Deutschlandfunk)

Der Wegfall internationaler Fördermittel bedeutet für zahlreiche Exilmedien existenzbedrohende Einschnitte. Zugleich müssen sie sich immer neuen digitalen Herausforderungen und politischen Angriffen stellen. Wie steht es um den Exiljournalismus im Jahr 2025?

12:0012:45 Mittagspause

12:4513:45 Panel: Im Exil und in Sicherheit? Zur transnationalen Repression in Deutschland
Speaker: ​​​​​Julia Idler-Poppe (Bundesministerium des Innern), Basma Mostafa (Law and Democracy Support Foundation e.V.), Anja Osterhaus, (Reporter ohne Grenzen)
Moderation: Steffen Wurzel (Deutschlandfunk)

Die Flucht nach Deutschland bedeutet für viele Journalistinnen und Journalisten nur vordergründig Sicherheit. Durch Einschüchterung, Drohungen, Gewaltanwendung oder sogar Mord reicht der lange Arm des Regimes ihres Herkunftslandes mitunter bis ins Exil. Wie kann gegen die sogenannte transnationale Repression vorgegangen werden?

13:45–14:15 Pause

14:1515:00 Deep Dives I

  1. Die rasant gewachsene Kraft: Wie afghanische Exilmedien zum schlimmsten Albtraum der Taliban wurden
    Speaker: Sharif Amiry (Amu TV), Naveeda Khoshbo (Volant Media)
    Moderation: Lotfullah Najafizada (Amu TV)

    Seit der Rückkehr der Taliban an die Macht ist eine Welle afghanischer Medien im Exil entstanden. Sie sind zu einer der größten Herausforderungen für die Narrative der Taliban geworden. In der Podiumsdiskussion wird darüber diskutiert, was afghanische Medien im Exil erreicht haben, welchen Herausforderungen sie weiterhin gegenüberstehen und welche wichtigen Lehren sie anderen Journalistinnen und Journalisten in Krisensituationen aufzeigen können.
  1. Wirkung über Kennzahlen hinaus: Wie sich die Wirkung von Exiljournalismus definieren und messen lässt
    Moderation: JX Fund

    Wie können Medien im Exil sicher sein, dass ihre Inhalte nicht an Relevanz verlieren? Wie können sie zur Lösung von Problemen in ihren Heimatländern beitragen? Wie lässt sich der Dialog mit Geldgebern am besten gestalten, die messbare Ergebnisse verlangen? Eine offene Diskussion zum Erfahrungsaustausch und zur Erarbeitung neuer Ansätze mit ersten Beiträgen von Kolleginnen und Kollegen aus Aserbaidschan, Belarus, Russland und Syrien.
  1. Sicher online sein, um sich offline zu schützen: Alltagstaugliche Sicherheit für Medienschaffende im Exil
    Workshopleitung: Hagen Lindner (Security 4 Good)

    Der Workshop befasst sich mit Maßnahmen zur digitalen Sicherheit, die zugleich wirksam und praktikabel sind und mit den emotionalen Herausforderungen der Medienschaffenden im Exil im Einklang stehen. Er vermittelt sofort umsetzbare Strategien und Methoden zum Schutz von Konten, Geräten, Identitäten und Kommunikation. Auch wird aufgezeigt, wie Maßnahmen priorisiert werden können, um eine Überforderung zu vermeiden.
  1. Zusammenarbeit im Exil: Wie können Medienschaffende im Exil ihren Platz zurückerobern?
    Speaker: Masha Borzunova (ARTE), Tobore Ovuorie (Freie Journalistin)
    Moderation: Nazeeha Saeed (Freie Journalistin)

    Der Exiljournalismus erfährt zunehmend Aufmerksamkeit, doch Journalistinnen und Journalisten im Exil haben Schwierigkeiten, mit Medien des Aufnahmelandes Kontakte zu knüpfen. In dieser interaktiven Diskussion des ECPMF werden Strategien zur Überwindung von Hindernissen und zur Förderung einer nachhaltigen interkulturellen Zusammenarbeit untersucht.

15:00-15:15 Pause

15:1516:00 Deep Dives II

  1. Unmögliches Crowdfunding: Wie können sich Exilmedien auf Spenden verlassen, wenn sie vom Großteil der Leserschaft abgeschnitten sind?
    Speaker: Katerina Abramova (Meduza)

    Seit mehr als vier Jahren überlebt Russlands größte unabhängige Nachrichtenredaktion im Exil Meduza dank der Einnahmen durch Crowdfunding. Im Deep Dive werden Erfahrungen zur spendenbasierten Finanzierung eines Journalismus ausgestaucht, der unter extremen Bedingungen arbeitet: Meduza ist in Russland verboten, sodass ihre Kernzielgruppe im Land selbst keine Spenden leisten kann. Auch wird diskutiert, wie sich die Redaktion den Herausforderungen Nachrichtenvermeidung, Community-Aufbau, Redaktionsengagement, interaktiver Formate und digitaler Sicherheit stellt.
  1. Vom Text zur Innovation: Wie Medienschaffende im Exil Zensur und algorithmische Herausforderungen umgehen
    Speaker: Lev Gershenzon (The True Story), Maria Savushkina (The Free Media Center)
    Moderation: Viera Zuborova (CORRECTIV.Exile)


    KI-gesteuerte Informationsvermittlung und digitale Zensur stellen den traditionellen textbasierten Journalismus vor neue Herausforderungen. Die Diskussion fragt, wie Exilmedien neue Wege gehen können, um Communitys einzubinden und Medienkompetenz zu fördern. Sie erörtert, wie sich Medienschaffende gegen algorithmische Marginalisierung durch Plattformen wie Google und dessen KI-Übersicht wehren können. Es werden Formate vorgestellt, die Zensur umgehen, indem sie technische Lösungen und künstlerisch innovative Ansätze in den Mittelpunkt stellen.
  1. KI für Exilmedien: Eine Diskussion über Innovationen und ethische Fragen
    Speaker: Alexey Terekhov (Experte für Medienentwicklung) & Anon.
    Moderation: Sara Elkhalili (Thomson Reuters Foundation),
    Nick Slater (Thomson Reuters Foundation)

    Unabhängige Medien im Exil sehen sich mit zunehmendem Druck, begrenzten Ressourcen und ethischen Dilemmata konfrontiert, während sich KI-Tools rasant weiterentwickeln. KI bietet Vorteile, birgt aber auch Risiken sowohl in redaktioneller als auch in operativer Hinsicht, die von der Priorisierung über die Auswahl bis zum Einsatz entsprechender Tools reichen. Diese Session bringt Expert:innen sowie eine Redaktion im Exil zusammen. Sie ermöglicht den Austausch praktischer Erfahrungen sowie eine Diskussion über ethische Betrachtungen speziell für Nachrichtenredaktionen.
  1. Wie können Exilmedien resilient sein?
    Speaker: Sandy Soe (Expertin für Monitoring und Evaluation), Karen Williams (Medienexpertin)
    Moderation: Esther Dorn-Fellermann (DW Akademie), Eva Garcke (DW Akademie)

    Die DW Akademie hat die operativen Strategien und Anpassungsfähigkeiten von Exilmedien aus Afghanistan und Myanmar untersucht. Dabei wurden insbesondere die Herausforderungen und Resilienzfaktoren analysiert. Die evidenzbasierten Ergebnisse werden im Rahmen eines World Cafés zur Diskussion gestellt. Sie dienen als Grundlage für praktische Empfehlungen für Exilmedien, Medienentwicklungsfachleute und Interessengruppen, darunter Geldgeber und politische Entscheidungsträger.

16:00–16:30 Pause

16:3017:30 Panel: Zuflucht für die einen, Gefahrengebiet für die anderen – Exil in und Exil aus Südosteuropa
Speaker: Gabor Kardos (Magyar Jeti), Iryna Khalip ​​​​​(Novaya Gazeta Europe), Nino Zhizhilashvili (TV Formula)
Moderation: Christoph Plate (Konrad-Adenauer-Stiftung)

Journalistinnen und Journalisten aus Polen, Ungarn, Bulgarien und Georgien haben sich dafür entschieden, außerhalb ihres Heimatlandes zu arbeiten, da ihre Arbeit dort zunehmend eingeschränkt wird. Obwohl es sich nicht um ein Exil im klassischen Sinne handelt, zeugt ihre Auswanderung von einer wachsenden Unsicherheit für Medienschaffende in einigen EU-Ländern oder Ländern, die angehende EU-Beitrittskandidaten sind. Ironischerweise sind einige dieser Länder sichere Zufluchtsorte für Medienschaffende, die aus noch schwierigeren Verhältnissen kommen. Dieses Panel befasst sich mit der widersprüchlichen Situation in Südosteuropa und darüber hinaus.

17:30 Ausklang im Körber-Foyer

Tag 2: Exile Media Lab

9:00–13:00 Workshop: 101 Möglichkeiten, über Ihr Land zu recherchieren
Workshopleitung: Alexenia Dimitrova (Freie Journalistin & Dozentin)

Wird in Ihrem Land der Zugang zu Informationen eingeschränkt? Benötigen Sie alternative Quellen, um Unterlagen und Daten zu finden? Sind Sie auf der Suche nach verborgenen Schätzen für Ihre Berichterstattung? In dieser interaktiven OSINT (Open-Source Intelligence) Session lernen Sie, wie Sie Open-Source-Informationen grenzüberschreitend erhalten und über internationale öffentliche Register, Online-Datenbanken, Plattformen und Archive darauf zugreifen können. Sie erfahren, wie Sie neue Informationsquellen erschließen können, die weit über die eigenen nationalen Ressourcen hinausgehen.

13:00–14:00 Mittagessen

  • Claudia Höhne
  • Claudia Höhne
  • Claudia Höhne

Speaker

Foto: privat

Katerina Abramova

Meduza

Foto: privat

Sharif Amiry

Amu TV

Foto: Bettina Fürst-Fastre

Brigitte Baetz

Deutschlandfunk

Foto: Nadzeya Buzhan

Natalia Belikova

Press Club Belarus

Foto: Denis Kaminev

Masha Borzunova

ARTE

Foto: OSCE/Yllka Fetahaj

Jan Braathu

OSCE Representative on Freedom of the Media

Foto: privat

Alexenia Dimitrova

Journalistin & Medientrainerin

Foto: privat

Esther Dorn-Fellermann

DW Akademie

Sara Elkhalili

Thomson Reuters Foundation

Foto: privat

Eva Garcke

DW Akademie

Foto: Anatoly Lebedev

Lev Gershenzon

The True Story

Foto: privat

Jodie Ginsberg

Committee to Protect Journalists

Foto: privat

Amal Habani

Sudanese Journalists Network

Foto: privat

Julia Idler-Poppe

Bundesministerium des Innern

Foto: privat

Gábor Kardos

Magyar Jeti

Foto: privat

Rose Kimani

DW Akademie

Foto: privat

Iryna Khalip

Novaya Gazeta Europe​​​​​​​

Foto: privat

Naveeda Khoshbo

Volant Media

Foto: Andi Weiland

Hagen Lindner

Security 4 Good

Foto: privat

Basma Mostafa

Law and Democracy Support Foundation e.V.

Foto: Jason Andrew/The Atlantic

Lotfullah Najafizada

Amu TV

Eva Nemela

Körber-Stiftung

Foto: Anke Phoebe Peters

Anja Osterhaus

Reporters without Borders

Foto: Elvis Okhifo/DW

Tobore Ovuorie

Freie Journalistin

Foto: Konrad-Adenauer-Stiftung

Christoph Plate

Konrad-Adenauer-Stiftung

Foto: privat

Nazeeha Saeed

Freie Journalistin

Foto: Sergey Balay

Maria Savushkina

The Free Media Centre

Foto: Patrice H. Zamy

Nick Slater

Thomson Reuters Foundation

Foto: privat

Sandy Soe

Expertin für Monitoring und Evaluation

Foto: privat

Alexey Terekhov

Experte für Medienentwicklung

Foto: Johannes Eisele

Steffen Wurzel

Deutschlandfunk

Foto: privat

Nino Zhizhilashvili

TV Formula

Foto: Ivo Mayr

Viera Zuborova

CORRECTIV.Exile

Die Partner des Exile Media Forums 2025

FAQs

In welcher Sprache findet die Konferenz statt?
Die Konferenzsprache ist Englisch.

Wird es einen Livestream von der Konferenz geben? Werden Fotos gemacht?
Anders als in den Vorjahren wird es in diesem Jahr keinen Livestream vom Exile Media Forum (EMF) geben. Eine digitale Teilnahme an der Konferenz ist somit nicht möglich. Während der Veranstaltung werden Fotos gemacht, diese werden jedoch nicht über unsere offiziellen Kanäle veröffentlicht. Bitte beachten Sie, dass wir nicht garantieren können, dass andere Teilnehmende keine eigenen Fotos machen und diese gegebenenfalls öffentlich teilen.

Kostet die Teilnahme am EMF etwas?
Die Teilnahme am EMF ist kostenlos, eine Online-Anmeldung ist jedoch erforderlich. Wir empfehlen eine frühzeitige Anmeldung, da die Plätze begrenzt sind und die Veranstaltung schnell ausgebucht sein kann.

Sind Hotelübernachtungen inbegriffen?
Die Anmeldung zum EMF beinhaltet weder Anreise noch Hotelübernachtung. Teilnehmende sind gebeten, sich bei Bedarf eigenständig um eine Unterkunft zu bemühen.

Gibt es in diesem Jahr wieder das Young Exile Media Forum? Wie kann ich mich dafür anmelden?
Ja, auch in diesem Jahr gibt es einen zweiten Konferenztag, der einen praktischen Workshop für einen kleineren Teilnehmendenkreis anbietet. Der Tag heißt in diesem Jahr nicht mehr „Young Exile Media Forum“, sondern „Exile Media Lab“. Eine Teilnahme am Exile Media Lab benötigt eine separate Anmeldung.

Kontakt

Dr. Sonja Wimschulte

Programmleiterin
Exil

Sydney Krug

Programm-Managerin
Exil