Die wichtigsten Dissertationen 2026

Psychosoziale Notfallversorgung, selbstbestimmte Identität und sichtbare Proteindynamik

Die Preisträgerinnen und Preisträger des Deutschen Studienpreises 2026 stehen fest. Die drei ersten Preise in Höhe von je 25.000 Euro gehen an den Psychologen Philipp Jann von der Universität Bielefeld, den Juristen Nils Weinberg von der Humboldt-Universität zu Berlin und den Physiker Thomas Arne Hensel von der Universität Heidelberg. Mit dem Deutschen Studienpreis zeichnet die Körber-Stiftung exzellente Dissertationen aus, die eine besonders hohe gesellschaftliche Relevanz haben – in diesem Jahr zu folgenden Themen:

1. Preis Sektion Sozialwissenschaften

Triage in der Psychosozialen Notfallversorgung

Der Psychologe Philipp Jann von der Universität Bielefeld untersucht, welche Hinterbliebenen oder Augenzeugen nach einem plötzlichen oder gewaltvollen Todesereignis ein erhöhtes Risiko für Trauer- oder Traumafolgestörungen haben. Dafür befragte er Betroffene erstmals systematisch wenige Stunden bis Tage nach dem Ereignis sowie nach sechs Monaten. Aus den Ergebnissen hat er ein Screening entwickelt, mit dem sich Hochrisikopersonen unmittelbar erkennen lassen, etwa anhand ihres sozialen Umfeldes. Seine Erkenntnisse werden bereits bundesweit in Ausbildungen der Notfallseelsorge eingesetzt, die vor Ort oft sehr schnell entscheiden muss, wer psychologische Hilfe am dringendsten benötigt.

1. Preis Sektion Geistes- und Kulturwissenschaften

Selbstbestimmte Identität auf dem Prüfstand

In seiner rechtsphilosophischen Promotion an der Humboldt-Universität zu Berlin argumentiert Nils Weinberg, dass die Bestimmung religiöser oder geschlechtlicher Identität nicht nur aus individueller Entscheidung entsteht, sondern erst durch die Anerkennung anderer rechtlich wirksam werden kann. Hierfür zeigt der Jurist Spannungen in der Rechtspraxis der Anti-Diskriminierung auf und nimmt u.a. Bezug auf das Selbstbestimmungsgesetz. Dieses ermöglicht Personen seit 2024, den Geschlechtseintrag im Personenstandsregister eigenmächtig zu ändern. Damit bietet seine Forschung die Grundlage für weitere Debatten darüber, wie wir als Gesellschaft und auf juristischer Ebene Identität verstehen und aushandeln wollen.

1. Preis Sektion Natur- und Technikwissenschaften

Proteine in Bewegung sichtbar machen

Die Proteine in den Zellen unseres Körpers sind fortwährend in Bewegung. Der Physiker Thomas Arne Hensel hat am Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften und der Universität Heidelberg erforscht, wie diese Dynamik beobachtbar gemacht werden kann. Seine Arbeit setzt dort an, wo bisher vor allem Standbilder möglich waren – bei der Lichtmikroskopie: Durch die Entwicklung spezieller Beleuchtungsmuster gelang es ihm, proteinähnliche Strukturen nicht nur abzubilden, sondern auch ihre Bewegung zeitlich zu verfolgen. Diese Grundlagenforschung ermöglicht perspektivisch ein besseres Verständnis davon, wie Proteine von Wirkstoffen auf molekularer Ebene beeinflusst werden und wie sich damit zum Beispiel Arzneimittelresistenzen bei der Behandlung von Tumoren verhindern lassen.

Neben den drei ersten Preisen vergibt die Körber-Stiftung sechs zweite Preise, die mit je 10.000 Euro dotiert sind.

Sektion Sozialwissenschaften

  • Der deutsche Traum: Ungleichheit aus Sicht von Zugewanderten
    Margherita Cusmano, Georg-August-Universität Göttingen
  • „Saudi First“: Wie Nationalismus im digitalen Zeitalter autoritäre Macht legitimiert
    Bruno Schmidt-Feuerheerd, University of Cambridge

Sektion Geistes- und Kulturwissenschaften

  • Die hungrige Macht: Getreide und Geopolitik in Russland und der Ukraine
    Friedrich Asschenfeldt, Princeton University
  • Die Spielregeln der Wohnkrise
    Anna-Katharina König, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Sektion Natur- und Technikwissenschaften

  • Klimaschutz beginnt an der Quelle – Wie digitale Steuerungsintelligenz die Zementindustrie dekarbonisiert
    Christine Gröll, Montanuniversität Leoben
  • Medizinische KI neu denken: Effizienz als Voraussetzung für Zugang
    John Kalkhof, Technische Universität Darmstadt

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Über den Deutschen Studienpreis

Der Deutsche Studienpreis zeichnet jährlich herausragende Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler aller Fachrichtungen aus. Für exzellente Dissertationen von besonderer gesellschaftlicher Bedeutung vergibt die Körber-Stiftung Preise im Gesamtwert von 135.000 Euro. Der Deutsche Studienpreis zählt damit zu den höchstdotierten wissenschaftlichen Nachwuchspreisen in Deutschland. Schirmherrin ist Bundestags-präsidentin Julia Klöckner. Im Dezember verleiht sie den Deutschen Studienpreis 2026 in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin.

Pressekontakt
Inke Maria Horstmann
Pressereferentin
Telefon: 040 – 80 81 92 207
E-Mail: presse@koerber-stiftung.de

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