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Autoritäre Zeiten: Das erzwungene Vergessen

Welche Bedeutung hat Erinnerung für die Zukunft einer Gesellschaft? Wie prägt das kulturelle Gedächtnis einer Nation das Handeln in der Gegenwart? Irina Scherbakowa, Historikerin und Mitbegründerin der Menschenrechtsorganisation Memorial, spricht über Erinnerungspolitik in Russland und deren Folgen.

  • 97 Min.

Warum ist es für eine Gesellschaft wichtig, die eigene Geschichte aufzuarbeiten? Welche Bedeutung hat es für die Menschen in einem Land, an staatlich organisierten Terror zu erinnern? Was passiert, wenn dies von staatlicher Seite systematisch bekämpft wird?

Die russische Historikerin und Menschenrechtsaktivistin Irina Scherbakowa analysiert, wie nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion durch die staatlich gelenkte Erinnerungspolitik das Russland unter Staatschef Putin entstand.

Im Gespräch mit Sven Tetzlaff, Körber-Stiftung, geht es um Erinnerung als politisches Konfliktfeld. Scherbakowa ist Mitgründerin der Menschenrechtsorganisation Memorial, die sich in Russland für eine kritische Auseinandersetzung mit der sowjetischen und postsowjetischen Vergangenheit eingesetzt hat, insbesondere für das Erinnern an die Opfer des stalinistischen Massenterrors. Mit dem Machtantritt Wladimir Putins wurde diese Arbeit zunehmend erschwert.

Die „Insel der historischen Wahrheit“, wie Scherbakowa Memorial einmal beschrieben hat, wurde im Dezember 2021 in Russland schließlich verboten. Im Westen erhielt die Organisation ein Jahr später den Friedensnobelpreis. Heute setzt Scherbakowa ihre Arbeit im Exil fort.

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe „Autoritäre Zeiten“ und lädt dazu ein, jenseits moralischer Empörung über die Ursachen autoritärer Versuchungen nachzudenken und zu fragen, was Demokratie heute zusammenhält.

Die vorgetragenen Textpassagen stammen aus dem Buch von:

Irina Scherbakowa
Der Schlüssel würde noch passen
Moskauer Erinnerungen
Droemer Verlag, 2025