Foto: Marcus Gloger/Körber-Stiftung

2. Wissen für morgen

Für die nachhaltige Verbesserung unserer Gesellschaft leisten Innovationen einen wesentlichen Beitrag. Wir sind davon überzeugt, dass Offenheit für neue Ideen und gute Rahmenbedingungen für Bildung, Wissenschaft und Technologie die entscheidenden Faktoren für Wohlstand und Zukunftsfähigkeit sind.

Die Verknüpfung von MINT-Kompetenzen und Kreativität ist für uns der Schlüssel, um junge Menschen zu befähigen, die Zukunft aktiv mitzugestalten. Kindern und Jugendlichen unabhängig von ihren Startbedingungen Chancen zu eröffnen und Talente in ihrer ganzen Vielfalt zu fördern, ist uns dabei ein besonderes Anliegen. Wir vernetzen und qualifizieren Menschen, die in Hamburg und bundesweit Bildungsangebote realisieren. Wir schaffen kreative Räume, in denen Neugier und Forschergeist wachsen können, und machen erfolgreiche Konzepte sichtbar.

Für uns spielt die Wissenschaft bei der Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen eine zentrale Rolle. Wir unterstützen exzellente Forschung mit hohem Anwendungspotenzial und fördern den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Wir fördern wissenschaftliche Talente, Spitzenforschung und interdisziplinäre Austauschformate und stärken damit die Forschungslandschaft in Deutschland und Europa.

Unser Handlungsfeld Wissen für morgen besteht organisatorisch aus den Bereichen Bildung und Wissenschaft.

2.1 Bildung

Mit dem Projekt MINT-Regionen unterstützen wir regionale Netzwerke darin, außerschulische MINT-Bildung wirksamer und nachhaltiger zu gestalten.

Mit der Ausschreibung MINT-Regionen wirken! zeichnen wir jährlich Beispiele vorbildlicher Netzwerkarbeit für die MINT-Bildung aus. Unter dem Motto Alle erreichen! wählte eine fachkundige Jury 2024 fünf MINT-Regionen aus, die erfolgreich wenig repräsentierte Zielgruppen in der MINT-Bildung erreichen und es schaffen, MINT-Bildungsangebote inklusiver und diverser zu gestalten. Die Preisverleihung fand am 19. September im Rahmen des 10. MINT:Barcamps statt.

Unser Angebot MINT-Qualitätsoffensive verfolgt das Ziel, MINT-Initiativen bei der Qualitätsentwicklung ihrer Angebote zu unterstützen. Insgesamt 18 Netzwerke aus zehn Bundesländern und aus Österreich nahmen 2024 an der MINT-Qualitätsoffensive teil.

Unser neues Angebot Young Science Hamburg vernetzt Jugendliche und unterstützt sie bei der Entwicklung ihrer MINT-Talente. Das neue Angebot findet im Rahmen des Schülerforschungszentrums Hamburg statt, einem Ort, an dem interessierte Jugendliche im Bereich MINT experimentieren und selbstständig forschen können. In zwei ersten Ideenlabor-Workshops haben die Teilnehmenden in kleinen Teams an eigenen Forschungsfragen gearbeitet und konkrete Projekte entwickelt – von der Konstruktion eines Mini-U-Boots für die Tiefsee bis zur Erforschung der Auswirkungen von Mikroplastik auf den Stoffwechsel von Wasserorganismen. Ein Highlight war das Treffen mit den Körber-Preisträgerinnen Erin Schuman und Cordelia Schmid am Rande des Hamburg Science Summit im September.

  • Die ausgezeichneten Netzwerke 2024
    Die ausgezeichneten Netzwerke 2024 Claudia Höhne/Körber-Stiftung
  • Die MINT-Regionen im Überblick
    Die MINT-Regionen im Überblick

Mit dem Projekt MINTvernetzt unterstützen wir Engagierte im außerschulischen MINT-Bereich mit dem Ziel, Kindern und Jugendlichen attraktive und qualitativ hochwertige Bildungsangebote zu machen. MINTvernetzt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und von fünf Verbundpartnern gemeinsam umgesetzt.

2024 baute die MINT-Vernetzungsstelle die Reichweite ihrer Community-Plattform deutlich aus. Bei einer Befragung zeigten die Nutzerinnen und Nutzer eine hohe Zufriedenheit mit dem Angebot – 96 Prozent würden die Plattform weiterempfehlen.

Die Praktikumsinitiative #empowerGirl bringt Schülerinnen und Unternehmen zusammen, um Mädchen Praxiseinblicke in naturwissenschaftliche und technische Berufe zu ermöglichen. Im zweiten Jahr ihres Bestehens stieg die Zahl der Unternehmen, die sich an der Initiative beteiligen, indem sie Praktika über die digitale Plattform anbieten, auf 213 an.

Jedes Jahr bietet die Code Week vor und während der Herbstferien ein breit gefächertes kostenloses Angebot rund ums Tüfteln und Programmieren. Kinder und Jugendliche entdecken dabei, was sie mit digitalen Kompetenzen selbst bewegen können. Das Leitmotiv des dezentral organisierten Programms ist es, möglichst vielen jungen Menschen einen einfachen Zugang zu digitaler Bildung zu ermöglichen. Wir unterstützen und vernetzen alle, die mit Angeboten für Coding und praxisorientierte digitale Bildung zur Code Week beitragen, in Hamburg und in aktuell zwölf Regio-Hubs bundesweit.

2024 wurden im Rahmen der Code Week Hamburg 180 kostenfreie Veranstaltungen im gesamten Stadtgebiet angeboten. Mit über 3.500 Teilnehmenden ist die Anzahl des Vorjahrs nochmals gestiegen. Auf große Resonanz stieß erneut die Auftaktveranstaltung in der Zentralbibliothek mit einer vielfältigen Auswahl an Mitmachangeboten. Die Schirmherrin, Hamburgs Schulsenatorin Ksenija Bekeris, programmierte bei einem Auftaktevent im Kreativkaufhaus JUPITER mit einer Schulklasse eine Bewässerungsanlage für Pflanzen.

  • Bei der Code Week konnten die Teilnehmenden ihre eigenen Spiele programmieren
    Bei der Code Week konnten die Teilnehmenden ihre eigenen Spiele programmieren alle Fotos: Claudia Höhne/Körber-Stiftung
  • Beim tüftelLab wurde mit Elektrizität experimentiert
    Beim tüftelLab wurde mit Elektrizität experimentiert
  • Mit Scratch konnte die Welt des Programmierens kennengelernt werden
    Mit Scratch konnte die Welt des Programmierens kennengelernt werden

Unsere jährliche Umfrage Eltern im Fokus, die wir zusammen mit dem Meinungsforschungsinstitut Forsa umsetzen, nimmt aktuelle Sorgen, Wünsche und Fragen von Eltern in Bezug auf die Bildung und Zukunft ihrer Kinder in den Blick. Die repräsentative Umfrage trägt dazu bei, dass Eltern in Deutschland in der Debatte über zukunftsfähige Schulbildung mehr Gehör finden.


In 2024 haben wir Eltern gefragt, wie sie über die Rolle von KI für die Bildung und berufliche Zukunft ihrer Kinder denken. Auch das Nutzungsverhalten der Eltern von KI-Anwendungen und die Präsenz von KI-Tools in den Schulen der Kinder spielten in der Befragung eine Rolle. Die Ergebnisse zeigen, dass die Skepsis überwiegt: Eltern stehen dem effektiven Einsatz von KI in Schulen kritisch gegenüber, wobei ihre Einstellungen je nach Vorkenntnissen und Bildungsstand deutlich variieren.

Eltern im Fokus 2024

2.2 Wissenschaft

Bei der Vergabe des Deutschen Studienpreises ist die gesellschaftliche Relevanz der Dissertationen von besonderer Bedeutung. Mit diesem Fokus zeichnen wir jährlich die besten Promotionen aus den Sektionen Sozialwissenschaften, Natur- und Technikwissenschaften sowie Geistes- und Kulturwissenschaften aus. Wir ermutigen die Ausgezeichneten, den gesellschaftlichen Wert hervorzuheben und sich in die öffentliche Debatte einzubringen. Mit drei Spitzenpreisen in Höhe von jeweils 25.000 Euro gehört der Deutsche Studienpreis bundesweit zu den höchstdotierten wissenschaftlichen Nachwuchspreisen. Die drei ersten Preise gingen 2024 an:

  • die Gesundheitsökonomin Hannah Klauber (TU Berlin), die in ihrer Dissertation Kinder brauchen saubere Luft: Warum ein tieferes Verständnis der gesundheitlichen Folgen schlechter Luftqualität notwendig ist belegt, dass sich bereits geringe Luftverbesserungen im ersten Lebensjahr eines Kindes positiv auf dessen Atemwegsgesundheit auswirken;
  • den Berufsbildungsforscher Stefan Nagel (Leibniz-Universität Hannover), der in seiner interdisziplinären Dissertation Nachhaltige Transformation als Handlungs- und Bildungsanspruch untersucht, wie die Ausbildung von Facharbeitenden die nachhaltige Transformation in der Metallindustrie voranbringen kann;
  • die Systembiologin Lena Cords (ETH und UZH Zürich), die für ihre Dissertation Gut gegen Böse – Wenn das Bindegewebe Krebs bekämpft ein bisher einzigartiges Klassifizierungssystem für Krebs-assoziierte Fibroblasten (KAF) entwickelte, das zeigt, dass die spezifische Verteilung von KAFs einen deutlichen Einfluss auf Prognose und Therapieerfolg haben kann.

Die feierliche Preisverleihung mit der Schirmfrau Bundestagspräsidentin Bärbel Bas fand am 3. Dezember in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin statt.

Unsere Alumni-Angebote geben den Preisträgerinnen und Preisträgern sowie Nominierten des Deutschen Studienpreises die Möglichkeit, Wissenschaftskommunikation zu trainieren und zu praktizieren. Dazu trägt auch die neue Podcast-Reihe Listen to Wissen bei, in der Alumni des Deutschen Studienpreises berichten, was sie antreibt und wie ihre Forschung die Gesellschaft besser macht. 

  • Hannah Klauber, Gewinnerin der Sektion Sozialwissenschaften
    Hannah Klauber, Gewinnerin der Sektion Sozialwissenschaften alle Fotos: Patrick Pollmeier/Körber-Stiftung
  • Stefan Nagel, Gewinner der Sektion Geistes- und Kulturwissenschaften
    Stefan Nagel, Gewinner der Sektion Geistes- und Kulturwissenschaften
  • Lena Cordes, Gewinnerin der  Sektion Natur- und Technikwissenscchaft
    Lena Cordes, Gewinnerin der Sektion Natur- und Technikwissenscchaft

Mit dem Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft zeichnen wir seit 1985 jährlich wechselnd einen wichtigen Durchbruch in den Physical oder den Life Sciences in Europa aus. Prämiert werden exzellente und innovative Forschungsansätze mit hohem Anwendungspotenzial. Bislang erhielten acht Preisträgerinnen und Preisträger in der Folge den Nobelpreis. Die mit einer Million Euro dotierte Auszeichnung zählt zu den weltweit höchstdotierten Forschungspreisen.

Der Körber-Preis 2024 ging an die US- amerikanische Hirnforscherin Erin Schuman. Die Direktorin am Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt ist eine Pionierin der Neurobiologie. Ihre Forschung hat das Verständnis dafür revolutioniert, wie Milliarden von Nervenzellen im menschlichen Gehirn Proteine herstellen und auf diese Weise miteinander kommunizieren und Erinnerungen bilden. Darauf aufbauende Forschungen könnten neue Behandlungsmöglichkeiten für Hirnerkrankungen wie das Fragile-X-Syndrom oder die Huntington-Krankheit eröffnen.

Die feierliche Verleihung des Preises fand am 20. September vor 500 geladenen Gästen im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses statt.

  • Patrick Cramer, Erin Schuman, Lothar Dittmer
    Patrick Cramer, Erin Schuman, Lothar Dittmer alle Fotos: Jann Wilken/Körber-Stiftung
  • Peter Tschentscher würdigt Erin Schumann bei der Preisverleihung im Hamburger Rathaus
    Peter Tschentscher würdigt Erin Schumann bei der Preisverleihung im Hamburger Rathaus
  • Helen Czerski im Gespräch mit Patrick Cramer
    Helen Czerski im Gespräch mit Patrick Cramer
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Hamburg Science Summit: Crossing Borders. Building Bridges. Source: YouTube/Körber-Stiftung

Nur durch die Auseinandersetzung mit den Herausforderungen einer sich wandelnden Welt kann Europa im globalen Wettbewerb mithalten und seine Zukunft im Einklang mit seinen Werten und Interessen gestalten. Auf dem Hamburg Science Summit diskutieren führende Köpfe aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und NGOs die nötigen Rahmenbedingungen für den Forschungs- und Innovationsraum Europa. Die zukünftig jährlich am Vortag der Verleihung des Körber-Preises stattfindende Konferenz richten wir zusammen mit der Hamburger Behörde für Wissenschaft, Forschung, Gleichstellung und Bezirke aus.

Der erste Hamburg Science Summit fand am 19. September unter dem Titel Europe’s Path to Tech Sovereignty im KörberForum statt. Ausgehend von der Vision eines selbstbestimmten und nachhaltigen Europas, diskutierten rund 120 internationale Gäste über die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Wissenschafts- und Innovationsraumes. Der ehemalige italienische Ministerpräsident Enrico Letta präsentierte in seiner Keynote Vorschläge zum politischen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Zusammenschluss europäischer Staaten.

  • Lothar Dittmer, Katharina Fegebank, Enrico Letta, Thomas Paulsen
    Lothar Dittmer, Katharina Fegebank, Enrico Letta, Thomas Paulsen alle Fotos: Jann Wilken/Körber-Stiftung
  • Morten Irgens, Alena Buyx und Susanne Beckers im Gespräch
    Morten Irgens, Alena Buyx und Susanne Beckers im Gespräch
  • Roundtable der Max-Planck-Gesellschaft
    Roundtable der Max-Planck-Gesellschaft

Die Hamburger Horizonte sind ein Veranstaltungsprogramm, das wir einmal im Jahr in Kooperation mit dem Hamburg Institute for Advanced Study, der Universität Hamburg und der Hamburger Wissenschaftsbehörde ausrichten. Zentrales Anliegen ist der Austausch über Themen, an deren wissenschaftlicher Bearbeitung die Gesellschaft ein besonderes Interesse hat. Wir bringen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Fachleute aus Politik, Wirtschaft und Kultur mit dem Hamburger Publikum zusammen – in verschiedenen Formaten und an den unterschiedlichsten Orten der Stadt.

Unter dem Titel KI und Wir beschäftigten sich die Hamburger Horizonte vom 9. Oktober bis zum 14. November mit dem Potenzial und den gesellschaftlichen Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz für unsere Gesellschaft. Neben einem Senatsempfang im Hamburger Rathaus, Podiumsdiskussionen und Vorlesungen gab es unter anderem ein Kl-Konzert, ein Prompt-a-thon, ein Kneipenquiz und einen Science Slam.

  • Die Partner der Hamburger Horizonte im Gespräch beim Senatsempfang
    Die Partner der Hamburger Horizonte im Gespräch beim Senatsempfang alle Fotos: Claudia Höhne/Körber-Stiftung
  • Veranstaltung "Facets of the face: Begegnungen von Mensch und KI im urbanen Raum" im HIAS
    Veranstaltung "Facets of the face: Begegnungen von Mensch und KI im urbanen Raum" im HIAS
  • Science Slam im KörberForum
    Science Slam im KörberForum

Mit dem TechnikRadar haben wir von 2017 bis 2024 in Kooperation mit acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften untersucht, was die Deutschen über Technik denken. Das Forschungsprojekt bot fundierte Impulse für die öffentliche Debatte, um den Stellenwert technischer Innovationen aufzuzeigen. Es diente auch als Frühwarnsystem, um mögliche Fehlentwicklungen des technologischen Wandels zu vermeiden oder auf einen Kommunikationsbedarf hinzuweisen.

Im Fokus des letztmaligen TechnikRadars 2024 stand die vertiefende Analyse der vier Studien, die seit 2017 durchgeführt wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass die Bedeutung des Alters im Verlauf der Zeit deutlich zugenommen hat. Jüngere zeigen sich weniger technikkritisch, aber auch zunehmend weniger bereit zu Einschränkungen zugunsten der Umwelt. Geschlechterunterschiede haben sich hingegen im Zeitraum der Befragungen sichtbar abgeschwächt. Die Ergebnisse wurden im Juni im Amerikahaus München präsentiert und diskutiert.

TechnikRadar 2024: Trends bei Technikeinstellungen