
Photo: Claudia Höhne
2x hören: Keine Angst vor Sofia Gubaidulina
Am 13. März dieses Jahres starb die große russische Komponistin Sofia Gubaidulina mit 93 Jahren in Appen nordwestlich von Hamburg. Dort lebte sie seit Anfang der 1990er-Jahre und schuf ein beeindruckendes Werk, das geprägt ist von ihrer tiefen Religiosität. „Die Religion ist das Wichtigste im Leben des Menschen überhaupt“, meinte Gubaidulina, die mit ihrer Musik in einer Welt voller Ablenkungen, Exzentrik und Konsum eine Nähe zu Gott herstellen wollte.
Sie studierte in Moskau bei einem Schüler von Dmitri Schostakowitsch und weigerte sich von Anfang an, den Forderungen der sowjetischen Kulturbürokratie Folge zu leisten. Um Geld zu verdienen, schrieb sie Filmmusik, doch ging sie unbekümmert ihren eigenen Weg – unterstützt von ihrem großen Vorbild Schostakowitsch, der ihr riet: „Komponieren Sie weiter auf Ihrem falschen Weg!“
Das tat sie – tief geprägt von ihrem christlichen Glauben und der spätmittelalterlichen Mystik. Deren Blick ins „Labyrinth der Seele“ wurde auch für sie zu einer Lebenshaltung, auch als Komponistin. Ihre verinnerlichte, oft düstere Musik kennt meistens mindestens eine Dimension, die über das rein Musikalische hinausweist: hin ins Spirituelle, hin zu Glaube, Liebe und den Hoffnungen des Menschen. Das zeigt sich auch im Stück „In croce“ (1991) für Violoncello und Bajan, der osteuropäischen Variante des Akkordeons. In ihm hat Sofia Gubaidulina ihrem Lebensprinzip, dem Kreuz, ein klingendes Denkmal gesetzt.
Impressionen

Cellistin Valerie Fritz und der Akkordeonist Goran Stevanovich Fotos: Claudia Höhne 
Moderator Rafael Rennicke mit den beiden Musizierenden 





Von links: Kai-Uwe Hartig, Rafael Rennicke, Valerie Fritz, Goran Stevanovich und Bahar Roshanai 



Valerie Fritz
Die österreichische Cellistin Valerie Fritz erforscht ihr Instrument mal elektronisch, mal auf Darmsaiten, mal mit zeitgenössischer, dann wieder mit klassischer Musik. Sie gastiert u. a. bei den Salzburger Festspielen und erarbeitet ihre Programme in direktem Austausch mit Komponisten wie Helmut Lachenmann, Georg Friedrich Haas oder Thomas Larcher. In der Saison 2025/26 wird sie als ECHO-Rising Star in Europas Konzertsälen zu hören sein.
Goran Stevanovich
Goran Stevanovich versteht das Akkordeon als ein „Instrument, das der ganzen Welt gehört“. Mit den vielfältigen musikalischen Traditionen seines Geburtslandes Bosnien-Herzegowina ist er genauso vertraut wie mit der klassischen Akkordeonliteratur des 20. und 21. Jahrhunderts. Der Preisträger verschiedener internationaler Wettbewerbe machte sein Konzertexamen an der Musikhochschule Hannover, wo er heute auch als Dozent tätig ist.
