Competition: Sich regen bringt Segen? Arbeit in der Geschichte Zwischen Ideologie und Idealismus. Deutschbaltischer Landdienst in Lettland 1932-1939
Klasse 13; Maria-Ward-Schule, Gymnasium
55116 Mainz, Rheinland-Pfalz, Deutschland
#2005-1120
Der Beitrag befasst sich mit dem Landdienst der Deutschbalten in Lettland, einem von der deutschen Volksbewegung gegründeten Arbeitsdienst zur Unterstützung "deutscher" Bauern, von seinen Anfängen 1932 bis zu seinem Ende 1939, das durch die Umsiedlung markiert wurde. Dabei geht es zum einen um die Darstellung der freiwilligen praktischen Arbeit auf dem Lande und zum anderen um die Instrumentalisierung dieser Arbeit als Mittel ideologischer Schulung. Die Verf. begibt sich damit auch auf die Spuren der eigenen Familiengeschichte: Der Großvater und die Großtante waren maßgeblich am Aufbau des Landdienstes im Baltikum beteiligt. Sie stützt sich vor allem auf ausführliche Gespräche mit ihrer 94-jährigen Großtante als ehemaliger Leiterin des Landdienstes der Mädchen und mit vier weiteren Zeitzeuginnen sowie Schriften, die der Großvater zwischen 1936 und 1980 zum Thema verfasst hat. Auf seriöse geschichtswissenschaftliche Literatur konnte die Verf. kaum zurückgreifen, dafür aber um so mehr auf rechtsextrem gefärbte Veröffentlichungen, die sie in ihrem fragwürdigen Charakter durchschaute.
Literaturverzeichnis
71 S., ms., ill. mit Fotos, Anhang: Karten, Liedtexte
Quellen
Hinter der Landhilfe stand als Hauptmotiv die Solidarität mit den eigenen Volksangehörigen in einem ethnisch mehrheitlich fremdartigen Umfeld. Die junge Generation der in den Städten konzentrierten deutschen Minderheit sollte sich über den Landdienst ihrer ethnischen Identität vergewissern und damit zur ethnischen Selbstbehauptung der Deutschen beitragen. Die Betonung des "nationalen" Elements machte die Bewegung der Deutschbalten sehr früh für die Ideen des Nationalsozialismus empfänglich. Vor dem Hintergrund von Informationen zur Entstehung und Organisation des Landdienstes beschreibt die Verf. anschaulich und in vielen Details die Aufgaben und Tätigkeiten im Rahmen des Landdienstes sowie den Alltag im Arbeitslager. Sie arbeitet außerdem differenziert heraus, wo sich unterschwellig oder offen - z.B. über das Liedgut - nationalsozialistisches Gedankengut im deutschbaltischen Landdienst verbreiten konnte. Sie nimmt in diesem Zusammenhang auch die Rolle des Großvaters kritisch in den Blick und kommt zu dem schmerzlichen Ergebnis, dass dieser rückblickend ein geschöntes Bild von seinen damaligen Aktivitäten gezeichnet hat, vor allem bezüglich seiner Nähe zum Nationalsozialismus.