Competition: Sich regen bringt Segen? Arbeit in der Geschichte Das geschlossene Fenster: Hasenhaarschneider in Kelsterbach
Klasse 09; Rabanus-Maurus-Gymnasium
55118 Mainz, Rheinland-Pfalz, Deutschland
#2005-1068
Der Beitrag befasst sich mit dem Handwerk der Hasenhaarschneider in Kelsterbach, das Mitte des 19. Jahrhunderts fast jeden zweiten Einwohner in der Heimatstadt der Verf. ernährte und seit etwa 1940 ausgestorben ist. Haasenhaarschneider waren wichtige Zulieferer für die Bekleidungsindustrie: Das Fell von Hasen und Kaninchen wurde zur Herstellung von Filzhüten benötigt. Heute kennen viele den Beruf nicht mehr - das stellten die Verf. innerhalb einer Umfrage unter Passanten fest, und selbst zur Zeit seiner größten Verbreitung stieß der Beruf unter Zeitgenossen, die aus einer anderen Gegend kamen, auf einige Verwirrung. Die Verf. schildern die Geschichte dieser Berufsgruppe und ihrer Entwicklung in Kelsterbach seit dem 19. Jahrhundert und ordnen diese in die allgemeine Sozial- und Wirtschaftsgeschichte ein. Sie stützen sich dabei auf umfangreiches und vielfältiges Material: Gespräche mit Zeitzeugen und Experten, Archivbestände, Pfarrregister, Unterlagen des Heimatmuseums, Gemeinde-Festschriften, Zeitungsartikel, (lokal)geschichtliche Literatur und Informationen aus dem Internet.
Literaturverzeichnis
103 S., ms., ill. mit Fotos, Abb. und Dokumentenkopien, Anhang: Übersichten: Einwohnerzahlen, Hutstofffabriken, Preisentwicklung
Quellen
Ausgehend von der aktuellen wirtschaftlichen Situation in Kelsterbach am Untermain, die nach einigen "fetten Jahren" von der Stilllegung einiger Fabriken und dem geplanten Ausbau des Rhein-Main-Flughafens gekennzeichnet ist, schildern die Verf. die Anfänge der Hasenhaarschneiderei Mitte des 19. Jahrhunderts und in der Folge vielfältige Facetten des Handwerks. Sie beschreiben detailliert den Prozess des Filzens als Basistechnologie sowie den Fertigungsprozess vom Kaninchen- und Hasenfell zum geschorenen Haar, das dann in die Fabriken geliefert wurde. Anschließend stellen die Verf. anschaulich und detailreich die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiter in den Hasenhaarschneidereien dar, wobei sie auch auf die gesundheitlichen Risiken für die Arbeiter und deren Familien, den Verdienst sowie die Stellung der Hasenhaarschneider in der Gesellschaft eingehen. Sie ordnen die Geschichte der Berufsgruppe und ihrer Entwicklung in den Rahmen der allgemeinen Sozial- und Wirtschaftsgeschichte ein. Briefe eines 1892 nach Amerika ausgewanderten Kelsterbachers geben außerdem Aufschluss über die schwankende Konjunktur der Hasenfelle auf dem Weltmarkt und die zunehmend wachsende Konkurrenz unter den Unternehmen. Schließlich dokumentieren die Verf. das Ende des Gewerbes an der Schwelle zur Industrialisierung und verfolgen die Entwicklung der neu entstandenen Unternehmen - darunter auch der Frankfurter Flughafen - bis in die jüngste Vergangenheit. In einer abschließenden Reflexion äußern sich die Verf. u.a. zum Stellenwert von Arbeit früher sowie zur Bedeutung von Arbeit für das Selbstwertgefühl der Menschen heute.