Demokratie in der Krise 2025
Trotz anhaltender Krisen zeigt sich mehr als die Hälfte der Deutschen optimistisch: 52 Prozent blicken mit Zuversicht in die Zukunft. Das entspricht einem Anstieg um sechs Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr und ist der höchste Wert seit 2020. Gleichzeitig herrscht große Skepsis gegenüber der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Situation. Drei Viertel der Deutschen (76 Prozent) bewerten die wirtschaftliche Lage in Deutschland als weniger gut oder schlecht. Eine große Mehrheit von 62 Prozent glaubt, dass die Bundesrepublik nicht für die bevorstehenden Transformationsaufgaben gewappnet ist. Zudem sind 64 Prozent der Befragten unzufrieden mit der bisherigen Arbeit der neuen Bundesregierung – in Ostdeutschland sind es 76 Prozent.
Diese Diskrepanz zwischen individueller Zufriedenheit und gesamtgesellschaftlicher Skepsis zeigt sich in den Ergebnissen einer repräsentativen Umfrage von policy matters, die im Auftrag der Körber-Stiftung im Zeitraum vom 1. bis 10. Juli 2025 unter 1.108 Personen durchgeführt wurde.
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Hinweis Ergebnisse: Repräsentative Umfrage von policy matters im Auftrag der Körber-Stiftung, 2025
Die Ergebnisse - Kurzzusammenfassung
Grafiken: Basics09
Individuelle Zufriedenheit vs. gesamtgesellschaftliches Vertrauen
Trotz anhaltender Krisen und Konflikte verbessert sich die persönliche Zuversicht erstmals seit 2021 wieder. 52 Prozent der Befragten geben an, dass Optimismus ihre Zukunftserwartungen stärker prägt als Sorgen. Auch die eigene wirtschaftliche Lage wird von 59 Prozent als gut oder sehr gut eingeschätzt. Dieser überwiegend positive Blick auf das persönliche Leben überträgt sich jedoch nicht auf die Einschätzung des Landes insgesamt.
Die Bewertung der aktuellen wirtschaftlichen Lage in Deutschland fällt weiterhin kritisch aus. Mehr als drei Viertel der Bürgerinnen und Bürger beurteilen sie als weniger gut (48 Prozent) oder schlecht (28 Prozent). Lediglich 20 Prozent halten die Lage für gut, während nur 2 Prozent sie als sehr gut bewerten – ein seit nunmehr fünf Jahren konstant niedriges Niveau.
Auch das Vertrauen in die Demokratie bleibt schwach. Nach dem Zusammenbruch der Ampelregierung im Herbst 2024 und den Neuwahlen im Frühjahr 2025 äußern lediglich 45 Prozent großes oder sehr großes Vertrauen in die Demokratie. Zugleich stieg der Anteil derer mit geringem oder wenig Vertrauen auf 53 Prozent. Ähnliches gilt für öffentliche Institutionen: Während die Wissenschaft (71 Prozent), das Bundesverfassungsgericht (56 Prozent) und Gerichte im Allgemeinen (53 Prozent) weiterhin mehrheitlich Vertrauen genießen, schneidet die Bundesregierung mit lediglich 19 Prozent besonders schlecht ab. Die Zufriedenheit mit der Arbeit der neuen Regierung ist ebenfalls gering: Nur 29 Prozent äußern Zustimmung, dagegen sind 64 Prozent unzufrieden.
Wenige glauben an eine erfolgreiche Transformation
Das geringe Vertrauen in demokratische Institutionen spiegelt sich auch in der Bewertung der Fähigkeit Deutschlands wider, zentrale Herausforderungen der Zukunft zu meistern. 62 Prozent der Befragten bezweifeln dies – 12 Prozentpunkte mehr als noch 2023, als die Gesellschaft in dieser Frage noch gespalten war.
Besonders ausgeprägt ist das Misstrauen in den Bereichen, die den politischen Diskurs der vergangenen Jahre geprägt haben: Nur 32 Prozent trauen Deutschland eine wirksame Kontrolle von Migration zu, 31 Prozent sehen das Land in der Verteidigungsbereitschaft gewappnet. Am geringsten ist das Vertrauen in die Fähigkeit, wirksame Maßnahmen gegen den Klimawandel zu entwickeln und umzusetzen.
Populismus als wachsende Gefahr
Der weltweit zunehmende Populismus wird von der Bevölkerung als erhebliche Bedrohung für die Demokratie wahrgenommen. 80 Prozent teilen diese Einschätzung – ein Anstieg um elf Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr.
Wie Populismus eingedämmt werden sollte, wird jedoch unterschiedlich bewertet. Klare Mehrheiten sprechen sich für ein entschiedenes Vorgehen gegen Falschinformationen (85 Prozent) und für die Bekämpfung durch überzeugende Politik (84 Prozent) aus. Deutlich umstrittener sind Maßnahmen wie das Verbot extremer Parteien (54 Prozent Zustimmung), der Ausschluss extremistischer Kandidatinnen und Kandidaten (50 Prozent) oder das stärkere Einbinden populistischer Akteure (46 Prozent). Nur 15 Prozent halten keinerlei Maßnahmen gegen Populismus für erforderlich.
Auch die Rolle sozialer Medien wird eindeutig bewertet: 85 Prozent sehen in ihnen einen Nährboden für Hetze und Gewalt, 84 Prozent befürworten strengere Strafen bei Verstößen. Zudem finden Einschränkungen für jüngere Nutzer Zustimmung: 70 Prozent plädieren für Handyverbote an Schulen, 72 Prozent für klare Altersbeschränkungen.
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