Alexej Gerassimez und Omer Klein Foto: Claudia Höhne

2× hören: Keine Angst vor Igor Strawinsky

Für etwas brennen oder an etwas verglühen, auf den Flügeln der Freiheit schweben oder haltlos in der Luft hängen: Alles hat zwei Seiten – auch die Assoziationen, die sich mit „Feuer“ und „Vogel“ verbinden. In ihrem gemeinsamen Programm „Firebird“ bewegen sich Perkussionist Alexej Gerassimez und Jazzpianist Omer Klein in diesem Spannungsfeld. Inspiration und Ausgangsmaterial für ihre eigenen Improvisationen ist dabei eines der vielschichtigsten Werke der Musikgeschichte: Igor Strawinskys „Feuervogel“.

Die beiden jungen Musiker faszinieren als leidenschaftliche Improvisationskünstler, doch wieviel Regeln und Handwerk sind nötig, um aus einer Komposition eine Improvisation zu machen? Welche Grundlagen braucht die Fantasie, um abheben und frei fliegen zu können? Und überhaupt: Worin besteht das Geheimnis, dass eine Improvisation nie 2× gleich klingt?

Moderation: Rafael Rennicke, Musikvermittler

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2 × hören: Keine Angst vor Strawinsky

Impressionen

Alexej Gerassimez

Der 1987 in Essen geborene Percussionist Alexej Gerassimez ist als Musiker so vielseitig wie sein Instrumentarium. Sein Repertoire reicht von Klassik und Neuer Musik über Jazz bis hin zu Minimal Music und erweitert sich zusätzlich durch eigene Kompositionen.

Als Solist ist Alexej Gerassimez Gast international renommierter Orchester wie Münchner Philharmoniker und Konzerthausorchester Berlin unter der Leitung von Dirigenten wie Gerd Albrecht, Tan Dun, Kristjan Järvi, Eivind Gullberg Jensen und Michel Tabachnik.

Alexej Gerassimez gestaltet Solo-Programme, ist begeisterter Kammermusiker und tritt mit seiner eigenen Percussion-Group auf.

Anfang 2017 hat er im Rahmen der Eröffnungsfeierlichkeiten der Elbphilharmonie in Hamburg an Sasha Waltz‛ choreografischer und musikalischer Raumerkundung mitgewirkt.

Seiner künstlerischen Neugier und Freude an Grenzüberschreitungen entspricht der Wunsch, sich ein möglichst heterogenes Publikum zu erschließen und diesem die gesamte Bandbreite des Instrumentariums nahezubringen. Dementsprechend integriert Alexej Gerassimez neben den üblichen Schlag- und Melodieinstrumenten Objekte aus musikfernen Kontexten, wie Bremsscheiben, Fässer oder Schiffsschrauben.

Seine bei Genuin erschienene CD, die auch eigene Werke beinhaltet, wurde von der Presse begeistert aufgenommen. Der in Berlin ansässige Alexej Gerassimez kann neben dem zweiten Preis des ARD-Musikwettbewerbs 2014 auf viele weitere Wettbewerbserfolge zurückblicken. Alexej Gerassimez ist Stipendiat zahlreicher Stiftungen, wie der Studienstiftung des deutschen Volkes. Sein Studium absolvierte er an den Hochschulen für Musik in Köln, Hanns Eisler Berlin und München.

Seit November 2017 ist er Professor für Schlagzeug an der Hochschule für Musik und Theater in München und hat dort die Stelle seines ehemaligen Lehrers Peter Sadlo übernommen, auch ist er als Gastdozent am Mozarteum Salzburg und am Birmingham Conservatoire tätig.

Omer Klein

Omer Klein wurde 1982 in Israel geboren und wuchs als Sohn israelischer Eltern in Netanya auf. Mit fünf Jahren begann Klein, Keyboard-Instrumente zu spielen. Mit 13 Jahren richtete er seinen Fokus auf das Piano, während er bereits zuvor komponierte und improvisierte. Er studierte an der Thelma Yellin High School of the Arts Givatayim, bevor er als Stipendiat nach Amerika zog, um am New England Conservatory in Boston zu studieren. Dort ließ er sich in Jazz Piano von Danilo Perez und Ran Blake unterrichten, während er Klassisches Klavier bei Alexander Korsantia lernte. 2005 zog Klein nach New York, wo er sein Studium privat unter der Leitung von Fred Hersch vertiefte. Seit 2009 lebt er in Deutschland.

Die Musik des Pianisten und Komponisten Omer Klein ist in ihrer organischen Adaption höchst unterschiedlicher Inspirationsquellen „grenzenlos“ (New York Times), während Klein gleichsam kontinuierlich „die Mainstream-Jazz-Konzepte in die Zukunft schwingt“ (Time Out, New York). Als produktiver Performer und Komponist hat Klein acht Alben unter eigenem Namen und über 100 Originalkompositionen veröffentlicht.

Bei Warner Music unter Vertrag, produzierte Klein bislang zwei Alben für das Label: Sleepwalkers (2017) ist eine Trio-Erkundung von gesellschaftlichen Themen im Informationszeitalter, für die das Omer Klein Trio 2018 einen ECHO Award verliehen bekam. Der folgte 2019 das Album Radio Mediteran. Personal Belongings, Kleins drittes Album für Warner Music, und sein neuntes insgesamt, wird im September 2021 erscheinen.

Kleins Konzerte wurden weithin gelobt. Als Solist und Band-Leader trat er beim North Sea Jazz Festival, beim Nice Jazz Festival, in der Jazz at Lincoln Center-Konzertreihe, in der Londoner Queen Elizabeth Hall, in der Swing Hall Tokyo, der Elbphilharmonie, der Alten Oper Frankfurt, beim Bremer Musikfest, den Dresdner Musikfestspielen, dem Schleswig-Holstein Festival und in vielen weiteren, renommierten Konzerthäusern auf.

Zu den Highlights in der Saison 2021/2022 zählen Debütauftritte in der Berliner Philharmonie und dem Wiener Konzerthaus. Außerdem wird eine neue Komposition Premiere feiern, die Klein für ein Theater- und Tanzstück des Schauspiel Frankfurt schrieb.

Mit dem Bassisten Haggai Cohen Milo und dem Schlagzeuger Amir Bresler gründete Klein 2013 das Omer Klein Trio. Die drei Musiker spielen Kleins Kompositionen ein und touren ausgiebig. Ihr Debütalbum Fearless Friday (2015) wurde als „eine der lohnenswertesten Piano-Trio-Veröffentlichungen der letzten Jahre“ (All About Jazz) gefeiert.

Kleins Zusammenarbeit mit dem Mandolinen-Star Avi Avital wurde als kreatives Aufeinandertreffen zweier Beseelter gelobt. Teil der Kollaboration bestand aus improvisierten, neuen Sätzen für J.S.Bach-Stücke von Klein, die Avital aufführte. Zu Kleins weiteren Kollaborationen zählt sein Projekt mit der NDR Big Band, das 2019 Premiere feierte, und ein anstehendes Duo-Projekt mit dem Klassik-Perkussionisten Alexej Gerassimez, das auf ihre gemeinsame Künstlerresidenz 2017 bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern folgt.