
Podcast Special: „Erinnerungskämpfe“ mit Hadija Haruna-Oelker
Was ist uns die plurale Gesellschaft wert?
Die Erfolgsgeschichte der deutschen Erinnerungskultur hat sich auserzählt. Sie hat nicht genutzt, ein kulturelles Gedächtnis in unserer Gesellschaft zu formen, das sich menschenfeindlichen und antidemokratischen Entwicklungen entgegenstellt.
Schon lange weisen kritische Stimmen in unserer pluralen Gesellschaft auf die Lücken und Defizite der Erinnerungskultur hin, während rechte Populisten und Rechtsextreme ihre Grundlagen radikal in Frage stellen und zerstören wollen.
Das Podcast Special fragt darum: Wie ist ein gesellschaftlicher Zusammenhalt zwischen Populismus und Polarisierung möglich? Und welche Rolle es spielt, woran, an wen und wie erinnert wird?
Gastgeberin Hadija Haruna-Oelker spricht mit Menschen aus Wissenschaft, Kultur und Journalismus über die Werte einer pluralen Demokratie. In vier Folgen sucht sie nach Erzählungen, die unser Bild von der Welt und ihren gängigen Wertvorstellungen weiten.
Über Hadija Haruna-Oelker
Die Politikwissenschaftlerin Hadija Haruna-Oelker lebt und arbeitet als Autorin, Redakteurin und Moderatorin in Frankfurt am Main. Hauptsächlich ist sie für den Hessischen Rundfunk tätig. Sie moderiert u.a. die Römerberggespräche in Frankfurt und in der Frankfurter Rundschau schreibt sie eine monatliche Kolumne. Außerdem ist sie zusammen mit Max Czollek Host des Erinnerungspodcasts »Trauer & Turnschuh« des S. Fischer Verlags. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Jugend und Soziales, Rassismus- und Diversitätsforschung. Anfang 2022 erschien ihr persönliches Sachbuch »Die Schönheit der Differenz«, das für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert war. 2024 erschien „Zusammensein“, beide im btb-Verlag. Sie ist Preisträgerin verschiedener Medienpreise wie dem ARD-Hörfunkpreis Kurt Magnus 2015 und dem Medienspiegel-Sonderpreis für transparenten Journalismus 2021. Im Oktober erscheint ihr Buch mit Max Czollek „Alles auf Anfang – auf der Suche nach einer neuen Erinnerungskultur“ im S. Fischer Verlag.

„Diese Podcast-Serie verhandelt, warum die Erfolgsgeschichte der deutschen Erinnerungskultur zu Ende erzählt ist. Und warum die Aufarbeitung der Gewaltgeschichte Deutschlands nicht genügt hat und uns ein kulturelles Gedächtnis fehlt, das stark genug ist, sich menschenfeindlichen Entwicklungen entgegenzustellen. Ich frage mich, was uns als Gesellschaft die plurale Demokratie noch wert ist und natürlich auch, was es für ihren Erhalt braucht.“
Über Ann-Katrin Müller
Ann-Katrin Müller, geboren 1987, recherchiert seit 2013 für den SPIEGEL, häufig zur AfD und Innerer Sicherheit, aber auch zu Desinformation, sexualisierter Gewalt und Frauenfeindlichkeit. Zuvor studierte sie Politikwissenschaften und European Studies in Bonn und London und volontierte beim ARD-Polittalk „hart aber fair“. Gemeinsam mit Maik Baumgärtner hat sie das Buch „Die Unsichtbaren – Wie Geheimagentinnen die deutsche Geschichte geprägt haben“ geschrieben.

Über Mirjam Zadoff
Mirjam Zadoff ist Historikerin und leitet seit 2018 das NS-Dokumentationszentrum München. Zuvor war sie Professorin für Jewish Studies & History an der Indiana University Bloomington. Gastprofessuren führten sie unter anderem nach Zürich, Berkeley, Berlin oder Augsburg. Aktuell lehrt sie an der LMU und der TUM München. Sie ist Herausgeberin und Autorin zahlreicher Bücher, Ausstellungskataloge und Artikel, darunter zuletzt: Gewalt und Gedächtnis. Globale Erinnerung im 21. Jahrhundert (2023); TO BE SEEN. Queer Lives 1900-1950, Ausstellungskatalog, hg. mit Karolina Kühn; Trotzdem sprechen, hg. mit Lena Gorelik und Miryam Schellbach (2024); sowie Fragile Demokratien. Was freie Gesellschaften bedroht – und was sie zusammenhält. hg. mit Denis Heuring und Paul-Moritz Rabe (2024).

Über Natascha Strobl
Natascha Strobl, geboren 1985 in Wien, ist Politikwissenschaftlerin und Publizistin. Sie schreibt unter anderem für die Frankfurter Rundschau und die Süddeutsche Zeitung. Ihre Analysen sind auf verschiedenen Social-Media-Kanälen zu finden. Ihr Buch Radikalisierter Konservatismus. Eine Analyse war ein Bestseller und wurde 2021 mit dem Bruno-Kreisky-Preis für das Politische Buch (Anerkennungspreis) ausgezeichnet.

Über Ibou Diop
Ibou Diop [iːbu dj͜ɔp] lebt in Berlin. Er hat in Paris und Berlin Literaturwissenschaft studiert und zu Fragen von Globalisierung und Universalisierung promoviert. Ibou Diop ist Kurator von Diskursprogrammen und Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. Seine Arbeitspraxis hat einen starken Fokus auf partizipative Formate, die Kunst, Denken und Zivilgesellschaft zusammenbringen, um gemeinsam Räume zu besetzen und zu gestalten. Seit 2022 arbeitet er in enger Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Initiativen an Konzepten und Orten für eine Erinnerung an Berlins koloniale Vergangenheit. Co-kuratiert von Max Czollek und Ibou Diop startete im Herbst 2024 das Festival „heimaten“ im HKW, ein mehrjähriges Programm zur Neudeutung des Heimatbegriffs.

Folgen Teaser
Folge 1: Wurzelkunde – Deutschsein als Wert
Was ist deutsch und wer gehört dazu? Mit dem Literaturwissenschaftler und Kurator Ibou Diop sprechen wir über Deutschsein aus postkolonialer Perspektive und fragen, ob eine andere Art von Erinnerungskultur als gesellschaftlicher Reparaturbetrieb funktionieren kann.
Veröffentlichung: Anfang September 2025
Folge 2: Survival of the Fittest – Was Menschen wert sind
Wer ist was und wie viel in unserer Gesellschaft wert? Mit der Politikwissenschaftlerin Natascha Strobl sprechen wir über den Platz, den wir Menschen in Geschichte und Gegenwart zuschreiben, die der kapitalistischen Gesellschaftslogik nicht entsprechen.
Veröffentlichung: Anfang Oktober 2025
Folge 3: Überleben – Der Wert des Erinnerns
Welche Gewalt erinnern wir, welche vergessen wir – und was sind die Folgen? Mit der Historikerin Mirjam Zadoff sprechen wir über Verwundbarkeit, Empathie, das Erkämpfen von Erinnerung und die Frage, wie wir zu einer solidarischen Erinnerungskultur finden.
Veröffentlichung: Anfang November 2025
Folge 4: Sicherheit – Wer ist schützenswert?
Wer ist schützenswert – und wer entscheidet das? Mit der Journalistin Ann-Katrin Müller sprechen wir über die öffentliche Wahrnehmung von Bedrohung, politischen Konservatismus, gesellschaftlichen Schutz und die Rolle von Medien und Staat.
Veröffentlichung: Anfang Dezember 2025





