Der Stifter

Foto: Wolfgang Steche - Hamburg/DGPH

Kurt A. Körber

Kurt A. Körber (1909 bis 1992) war ein erfolgreicher Industrieller – und übertrug seinen unternehmerischen Gestaltungswillen auf die Gesellschaft. Als Anstifter wurde er zum Vorbild für gelebte gesellschaftliche Verantwortung. Mit seinem sicheren Gespür für drängende Themen der Zeit und seinen zupackenden Aktivitäten überzeugte er Entscheidungsträger:innen im In- und Ausland und alle, die sich vor Ort für Veränderungen engagieren.

Jugend und Studium

Am 7. September 1909 wird Kurt A. Körber in Berlin geboren. Bis 1923 besucht er die Elementarschule. Nach dem Umzug der Familie nach Chemnitz geht er in die dortige Real- und Höhere Handelsschule. Er interessiert sich früh für Rundfunktechnik und macht im Alter von 15 Jahren seine erste Erfindung: eine automatisch gesteuerte Sender-Ableseskala, die er in Berlin zum Patent anmeldet. Nach seiner Elektrikerlehre in Chemnitz und seinem Elektrotechnik-Studium in Mittweida wird Körber im Laufe seines Lebens mehr als 200 weitere Patente anmelden.

Die Kriegszeit

1935 tritt Körber in die Universelle-Werke J. C. Müller & Co. in Dresden ein, die als kriegswichtiger Betrieb auch mit der Produktion von Rüstungsgütern beginnen. Dafür werden bis zu 3.000 Fremd- und Zwangsarbeiter:innen eingesetzt. 1940 wird Körber Mitglied der NSDAP – für ihn ein formales Zugeständnis ohne geistige Nähe zum Nationalsozialismus. Wir haben diese Vergangenheit unseres Stifters erforschen lassen: Zuletzt hat sich das Institut für Zeitgeschichte mit der Haltung Körbers im Nationalsozialismus auseinandergesetzt.

Bis 1944 steigt Körber bei der Universelle zum Technischen Direktor auf. 1945 bleibt er unter der sowjetischen Besatzungsmacht im Amt und treibt den zivilen Wiederaufbau des Unternehmens voran.

Neuanfang in Hamburg

Im Juli 1946 beginnt Körber in Hamburg mit der Reparatur von Zigarettenmaschinen und der Herstellung von Handtabakschneidern. Der östliche Teil der Hansestadt ist unzerstört geblieben; in Hamburg-Bergedorf mietet er Räume an und gründet die Hauni Maschinenfabrik Körber & Co KG. Dank der Unterstützung lokaler Politiker:innen kann Körber ab 1952 seine Firma an der Kampchaussee (heute Kurt-A.-Körber-Chaussee) erweitern.

Ein Weltkonzern entsteht

Im Jahr 1987 werden alle Unternehmen zusammengefasst und die Hauni-Werke in die Körber AG umgewandelt. Bis 1992 entwickelt Körber sein Unternehmen zu einem international tätigen Konzern mit rund 6.800 Beschäftigten und einem Umsatz von 1,5 Milliarden D-Mark. Heute ist der Körber-Konzern ein Technologieunternehmen mit rund 12.000 Mitarbeitenden an mehr als 100 Standorten weltweit. Die Körber AG ist die Holdingsgesellschaft des Konzerns und führt ihn mit seinen fünf Geschäftsfeldern Digital, Pharma, Supply Chain, Tissue und Tabak. Der Körber-Konzern erzielte im Geschäftsjahr 2021 einen Umsatz von 2,0 Milliarden Euro.

Der Unternehmer und (An-)Stifter

1957 gründet Körber die Stiftung zum Wiederaufbau des Hamburger Thalia Theaters, 1959 dann die Kurt-A.-Körber-Stiftung mit dem Ziel, eine Technische Akademie zur Ausbildung von Führungskräften für die industrielle Praxis aufzubauen. 1969 entsteht die Hauni Stiftung. 1981 werden beide Stiftungen zur Körber-Stiftung zusammengeführt. Zwischen 1959 und 1992 stellt Körber mehr als 200 Millionen Mark für die Förderung von Kultur und Wissenschaft zur Verfügung.

Trotz aller unternehmerischen Entwicklungen und Patente bezeichnet Körber die Gründung des Bergedorfer Gesprächskreises im Jahr 1961 als seine wichtigste Erfindung. Im Bergedorfer Schloss diskutieren die Teilnehmenden Fragen der freien industriellen Gesellschaft.

Ehrungen

Körbers erste Ehrung ist 1960 die Ernennung zum Ehrendoktor rer. pol. der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen. 1965 folgt die Diesel-Medaille in Gold des Deutschen Erfinderverbandes. 1983 erhält er von Bundespräsident Karl Carstens die Medaille für die Verdienste um das Stiftungswesen des Bundesverbandes deutscher Stiftungen.
1989 wird Körber Ehrendoktor der Technischen Universität Dresden. 1991 verleiht ihm Bürgermeister Henning Voscherau die Ehrenbürgerschaft der Stadt Hamburg. Am 10. August 1992 stirbt Kurt A. Körber in Hamburg.

  • Kurt A. Körber: Vom Techniker zum Unternehmer
    Kurt A. Körber: Vom Techniker zum Unternehmer Foto: Körber Archiv/FK 16/1
  • „Eine schöne Zeit für uns war das Wandern und Zelten im Erzgebirge. Mein Bruder spielte die Mandoline und ich die Gitarre, und Anny Hiller, die Tochter meines ersten Kunden, war die Dritte im fröhlichen Bunde." So erinnerte sich Körber an diese Aufnahme von 1927.
    „Eine schöne Zeit für uns war das Wandern und Zelten im Erzgebirge. Mein Bruder spielte die Mandoline und ich die Gitarre, und Anny Hiller, die Tochter meines ersten Kunden, war die Dritte im fröhlichen Bunde." So erinnerte sich Körber an diese Aufnahme von 1927. Foto: Körber Archiv/FK 54/9
  • Körber und seine Ehefrau während des Kriegs in Chemnitz
    Körber und seine Ehefrau während des Kriegs in Chemnitz Foto: Körber Archiv/FK 14/85
  • Betriebsversammlung
    Betriebsversammlung Foto: Hauni Fotoarchiv 4711/2095
  • Kurt A. Körber
    Kurt A. Körber Foto: Körber Archiv
  • Porträtstudien brachten Körber viel Anerkennung ein. Hier mit Thalia-Theaterintendant Boy Gobert.
    Porträtstudien brachten Körber viel Anerkennung ein. Hier mit Thalia-Theaterintendant Boy Gobert. Foto: Hauni Fotoarchiv 4711/2395
  • Selbstporträt
    Selbstporträt
  • Gesellschaftsspiele gehörten zu Körbers berühmt-berüchtigten Festen.
    Gesellschaftsspiele gehörten zu Körbers berühmt-berüchtigten Festen. Foto: Körber-Archiv
  • Die internationalen Gesprächskreise boten Körber Gelegenheit zu Gesprächen auf höchster Ebene, u.a. mit Altbundespräsident Richard von Weizsäcker, der 1994den Vorsitz des Bergedorfer Gesprächskreises übernehmen sollte.
    Die internationalen Gesprächskreise boten Körber Gelegenheit zu Gesprächen auf höchster Ebene, u.a. mit Altbundespräsident Richard von Weizsäcker, der 1994den Vorsitz des Bergedorfer Gesprächskreises übernehmen sollte. Foto: Klaus Lehnartz, Berlin
  • Körber im Gespräch mit Michail Gorbatschow
    Körber im Gespräch mit Michail Gorbatschow Foto: Michael Zapf, Hamburg
  • Opernball mit Loki und Helmut Schmidt sowie dem Intendanten Rolf Liebermann
    Opernball mit Loki und Helmut Schmidt sowie dem Intendanten Rolf Liebermann Foto: Hauni-Fotoarchiv/Finck 4711/2990
  • Kurt A. Körber
    Kurt A. Körber

Porträt

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Kurt A. Körber: Unternehmer mit Gemeinsinn

Brochure

Der Anstifter. Was Kurt A. Körber bewegte

Weitere Publikationen

Josef Schmid/Dirk Wegner:
Kurt A. Körber - Annäherungen an einen Stifter
edition Körber-Stiftung, 2002
Hier in drei Teilen zum Download:
Vom Techniker zum Unternehmer (PDF)
Als Kapitalist für das Gemeinwohl (PDF)
Das Engagement des Stifters (PDF)

Josef Schmid/Frank Bajohr:
Gewöhnlicher unternehmerischer Opportunismus?
Kurt A. Körber und die Dresdner »Universelle« im Nationalsozialismus
Zeitgeschichte in Hamburg, 2011
Download (PDF)

Hermann Schreiber:
Kapitalist mit Gemeinsinn. Ein Essay über Kurt A. Körber
edition Körber-Stiftung, 2009